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Atelier auf "Planet Alsen"

Jens Rusch hatte durch das Engagement seines Freundes Martin Kayenburg vier Jahre lang ein Atelier auf dem Abbruchgelände "Planet Alsen". Dort entstanden über 40 großformatige Gemälde, die sich erheblich vom übrigen Schaffen des Künstlers unterscheiden.

Die Grundidee

Der Gedanke entstand ursprünglich durch die Gespräche mit Arthur Boskamp, während der von den Beiden so geschätzten Schachspiel-Abende und gelegentlicher gemeinsamer Ausflüge mit den Ehefrauen zu naheliegenden Esslokalen. Der gemeinsame Nenner war immer ein identischer Verdruss der Gesprächspartner über den etablierten Kulturbetrieb. So war es naheliegend, dass man sich Gedanken darüber machte, wie sich künstlerische Betätigung im Ursprung gestaltete und wie er dann im Laufe der menschlichen Kulturgeschichte zu dem mutierte, was uns heute überwiegend suspekt erscheint und nicht selten verdrießt. "Günstlingswirtschaft und Klüngelei" waren die Argumente, die Arthur Boskamp immer wieder erbosten und die letztlich dazu führten, dass er selbst im Rahmen seiner Möglichkeiten autarke Förderstrukturen in Hohenlockstedt entwickelte und etablierte. Bei Jens Rusch entwickelten sich diese Ursprungs-Fragen zu einer selbstkritischen Überprüfung eigener Intensionen: "Wie korrumpiert der Kulturbetrieb den Künstler und wieweit korrumpiert er sich selbst durch bereitwillige Anpassung?" Zur Selbstüberprüfung entwickelte der Künstler die Idee, ein separiertes Atelier einzurichten, in dem weder kommerzielle Absichten noch geschmäcklerische Anpassung ein Zugang gewährt werden sollte. Sein Freund Martin Kayenburg unterstützte die Idee und half dabei, auf dem Abbruchgelände der Firma Alsen ein Atelier mit Licht, Wasser und Heizung auszustatten.

Das Alsen-Atelier

Im Laufe von vier Jahren entstanden bis 1991 auf dem Abbruchgelände der Zementfabrik "Alsen" ca. 30 großformatige Gemälde auf Hartfaserplatten in einem Atelier, das Jens Rusch heute als "Therapie-Atelier" bezeichnet. Der Künstler befand sich in einer tiefen Krise und benutzte diese Arbeiten, um sich selbst zu konsolidieren. Das ist der Grund, weshalb sich diese Arbeiten erheblich von seinem übrigen Schaffen unterscheidet. In den Nachbar-Ateliers arbeiteten zu diesem Zeitpunkt auch Eberhard Liebe und Friedel Anderson. Der Dialog unter den Künstlern trug erheblich zum Gelingen des therapeutischen Prozesses bei.

Motivation und Recherche

Für den Zyklus hatte J. Rusch umfangreiche Studien betrieben, nahm Kontakt zu Tillman Lenssen-Erz an der Uni Köln auf, der Archivierungs-Arbeiten am Upper-Brandberg in Namibia betrieb. Die Skizzen und Aufzeichnungen von Harald Pager bildeten nun die Basis. Es sind die ältesten Ritzzeichnungen der Menschheit. Der Künstler stellte sich der Frage: Weshalb und unter welchen Bedingungen entstanden künstlerische Artikulierungen? Es gab weder Kunstmarkt, noch ein kommerzielles Interesse in irgendeiner Form. Die Werke ließen sich weder transportieren, noch veräußern.

Ausgangsmaterial

Publikation der Felskunst des Brandberg/Daureb, wie sie von Harald Pager († 1985) im Auftrag des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Uni Köln dokumentiert wurde.
Beschreibung: Die weltweit einmalig umfassende und genaue Dokumentation der Felskunst des Brandberg/Daureb, die der verstorbene Harald Pager zwischen 1977 und 1985 anlegte, wird in wissenschaftliche Katalogen vollständig vorgelegt (die Bände 1-6 erschienen 1989, 1993, 1995, 1998, 2000, 2006)

 

Die Bedeutung der Malereien

Quelle: Tillman Lenssen-Erz Malen war bedeutender Bestandteil der Riten, wozu auch Heilungszeremonien und soziales Management zu rechnen sind. Daneben spielten Malereien eine wichtige Rolle als komplexes Kommunikationsmedium mit dem das gesamte kulturelle Wissen (das enzyklopädische Wissen) erinnert und von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Die Bilder von Menschen transportieren häufig die Ideale „Gemeinschaft, Gleichheit und Mobilität“ mit denen das Idealbild einer „Person“ ohne Rang, Status, Alter und sogar Geschlecht propagiert wird (etwa 80% der menschlichen Darstellungen fallen in diese Kategorie). Die Rollen von Mann und Frau spielen eine untergeordnete Rolle so dass nur 20% der Figuren mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen gekennzeichnet sind. Wenn sie markiert sind, dann sind Männer eng mit der materiellen Kultur verbunden, während Frauen mit Kommunikation und Gemeinschaftsriten und –zeremonien assoziiert werden. Gelegentlich könnten Bilder mit veränderten Bewusstseinszuständen verbunden sein, so wie sie bei Schamanen im Trancezustand auftreten und als wichtiger Bestandteil zu Heilungsriten gehören. Tiere sind mit dem ökologischen Wissen und Verständnis verknüpft und werden z.T. als Ideal einer intakten, reich ausgestatteten Natur verstanden. Es fehlen weitestgehend (wenn nicht gar vollständig): Szenen der Jagd, des Kampfes und Frauen am Lagerplatz.


In einer gemeinsamen Ausstellung mit seinem Freund Hans Pierre Schumann stellte Jens Rusch die Arbeiten im Elbeforum der Stadt Brunsbüttel vor. Die Laudatio hielt Prof. Karl-Georg Lanser. Die Plakate zur Ausstellung mussten zweimal gedruckt werden, weil die Stadtgaleristin darauf bestand, den Schriftzug "Stadtgalerie" zu entfernen, weil die Ausstellung nicht dem geforderten Niveau der Stadtgalerie entspräche.


Alsen-Zyklus von Jens Rusch geht an die Wacken-Foundation

" Die Elchkuh ist vom Eis "

 

Die Formate der Gemälde sind beachtlich - einige von ihnen sind über 270 x 210 cm groß - und entsprechend dürfte auch ihr Wert sein, denn der Künstler Jens Rusch ist in Schleswig-Holstein durchaus kein Unbekannter. Seine Werke hängen im Landtag, ein Schleswig-Holstein Symbol-Gemälde sogar in der Staatskanzlei, in Banken und Reedereien. Seine Bronzen stehen im öffentlichen Raum. Er erhielt Kulturpreise und Auszeichnungen. Weshalb verschenkt so einer einen kompletten Bilder-Zyklus ? Seine Antwort: "Weil sie in einer vierjährigen Ausnahme-Situation entstanden, und sie grenzen sich deutlich von meinem übrigen Werk ab ". Vier Jahre lang hatte ihm sein Freund Martin Kayenburg, bevor dieser Landtagspräsident wurde, auf dem Alsen-Abbruchgelände in Itzehoe ein Atelier zur Verfügung gestellt. Das Graffiti-Mekka wurde für Rusch zur Burn-Out-Bastion in der er sich seinen Frust und seine Wut über einen künstlerfernen Kunstmarkt von der Seele malte.

Ihn bewegte die Frage: Weshalb und unter welchen Bedingungen entstanden künstlerische Artikulierungen überhaupt ? Er besorgte sich Unterlagen über Höhlenmalereien und Felsritzzeichnungen, lernte Harald Pager kennen, der für die Uni Köln Studien am Brandberg in Namibia machte und durfte dessen Skizzen für seine Gemälde benutzen. Für die ersten steinzeitlichen Wandmalereien gab es weder einen Kunstmarkt, noch ein kommerzielles Interesse in irgendeiner Form. Die Werke ließen sich weder transportieren, noch veräußern. Andere, sehr frühe Felsritzzeichnungen, wie das der hier abgebildeten Elchkuh fand er in Nordschweden.

Nach diesen vier Burn-Out-Jahren wurden die Bilder in einer Halle der Pralinenfabrik Wagner in Brunsbüttel eingelagert und als Leihgaben Kanzleien, Freunden oder dem Theater Itzehoe anvertraut. Doch dann gab es einen Aufschrei, als bei Aufräumarbeiten des Lagers kleinere Bilder aus dem Zyklus in einem Müllcontainer landeten. Ursprünglich gab es eine Vorstellung, die Gemälde könnten das Projekt "Planet Alsen", für das eine eigene Stiftung geplant war, bereichern - aber diese Idee gelangte nicht zur Realisierung. Nun war ein gravierender Handlungsbedarf entstanden.

 

Parallel hatte Jens Rusch sich intensiv mit einem weiteren, umfangreichen Wacken-Bilder-Zyklus beschäftigt. Dieses Projekt erhielt den Arbeitstitel W:O*Art und in diesem Zusammenhang lernte Rusch auch das Förderprojekt "Wacken-Foundation" kennen und schätzen. "Die Ziele von Holger Hübner und Thomas Jensen, mit dieser Stiftung künstlerischen Nachwuchs zu fördern, deckt sich vollkommen mit meinen eigenen Vorstellungen" sagt der Künstler, der für sein eigenes Engagement im vergangenen Jahr die Auszeichnung "Mensch des Jahres" vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag erhielt.

 

Es mag makaber erscheinen, aber der materielle Wert von Kunst folgt eigentümlichen Kriterien. Hinterlassenschaften, Künstlernachlässe, zumal wenn sie komplette Schaffensphasen dokumentieren, erzielen hohe Preise erst nach dem Ableben des Künstlers. Deshalb ist der Ratschlag des Künstlers selbst an die Wacken-Foundation, die Gemälde zunächst einzulagern, in diesem Lichte zu verstehen. Einen Einfluss hat er nach der Übergabe jedoch auf diese Vorgänge nicht mehr. Was mit den Arbeiten geschehen wird, bestimmt nach deutschem Stiftungsrecht nun ausschließlich der Stiftungsvorstand.


Die Norddeutschen Realisten

Bereits während seines Studium stand Jens Rusch gern in der Landschaft um Studien auf Leinwand oder Papier anzufertigen. Allerdings fand dieses Studium im spanischen Altea statt, unter weit angenehmeren Voraussetzungen, als in Norddeutschland. Als Nikolaus Störtenbecker, der Mentor der Norddeutschen Realisten Jens Rusch zu einigen Plain Air-Symposien einlud, ging er also mit einigen Illusionen in diese Projekte. Es ist definitiv etwas anderes, unter einem Regenschirm zu arbeiten, als unter einem Sonnenschirm. Die nachstehenden Gemälde entstanden in Schwansen, Brunsbüttel, Heikendorf und im Kieler Landtag. Beim Rellingen-Symposium fertigte J. Rusch einige Radierungen coram publico unter Zuhilfenahme einer Spiegel-Staffelei. Dieses Symposium war sein letztes mit den Norddeutschen Realisten. Aber das ist ein anderes Thema.





Künstlerhaus Spiekeroog

In den Jahren seines Bestehens plante und strukturierte Jens Rusch die Ateliers und Ausstellungsräume des Künstlerhauses Spiekeroog und arbeitete von 2007 bis 2011 dort auch als Dozent. Er kümmerte sich vorrangig um die Radierkurse. Seine Frau Susanne gab Kinder in den gleichen Techniken Unterricht. Das machte sie ehrenamtlich. Eine bittere Erinnerung verbindet sich für beide mit den unten gezeigten 12 grossen Bronzeplastiken des "Inselschwärmers", die als herausragende Türgriffe dienten. Diese wurden dem Künstler niemals bezahlt.


Rekonstruktion Friedrich Ludwig Schröder

Die ursprüngliche Schröder-Statue wurde aus Wertschätzung von den Brüdern in seinem Wirkungskreis geschaffen. Ihre heutige Bedeutung ist eine andere. Der Wandel zum Mahnmal erklärt sich aus den Umständen, unter denen sie vor 80 Jahren durch die Nazis zerstört wurde.

Auch 1937 war bereits der Akt der Zerstörung mehr als nur ein Ausdruck blindwütiger Vernichtungswut. Die Freimaurerei insgesamt sollte und wurde von deutschem Boden getilgt.

Für mich war es unerträglich, bei meinen Recherchen für das Freimaurer-Wiki zum Thema "Dunkle Zeit" nach und nach zu erkennen, wie umfassend man die symbolträchtige Demagogie nach 1945 marginalisiert hatte. Sicher sah man jahrzehntelang andere Aufgaben als vorrangiger an. Keineswegs erhob sich die deutsche Freimaurerei wie ein Phönix aus der warmen Asche. Der Weg zu einem gemeinsamen, schützenden Dach war mühsam, keine Frage. Aber die geschlagenen Wunden blieben und sind auch heute noch spürbar. Und irgendwann war auch die warme Asche erkaltet.

Doch nur wenige Brüder haben sich indes die Mühe gemacht, diese Vorgänge im historischen Kontext aufzuarbeiten.

So wurde für mich die Schröder-Figur zu einer ganz anderen Metapher. Es gab schlicht keine andere Figur, die das generelle Freimaurer-Verbot durch die Nazis treffender zum Ausdruck bringen könnte. Und diese demagogische Wut und Verblendung betraf absolut alle Logen !

Dadurch ist es unerheblich, aus welchem Blickwinkel - gleich welcher Lehrart, man dieses betrachtet.

Durch die Zerstörung der Schröder-Statue wurde der Freimaurerei eine Wunde geschlagen, die bis heute nicht geschlossen wurde. Künstler stoßen oft auf Unverständnis, wenn sie zu hypertrophen Gesten neigen - aber erst nachfolgende Generationen definieren einen wirklich neuen Kontext. Und ich hege die Hoffnung, daß man diese Rekonstruktion als den Versuch bewerten könnte, ebendiese Wunde zu schließen. --Jens Rusch (Diskussion) 08:41, 23. Dez. 2017 (CET)

Ausführlichere Informationen finden Sie hier: Friedrich Ludwig Schröder, die Rekonstruktion.
"Gegen das Vergessen", ein begleitender Text von Berndt Steincke.


Altea | Ausstellung Fundacion Schlotter 2011

In dieser Ausstellung wurden 2011 Arbeiten zusammengefasst, die während des Studiums als Meisterschüler von Prof. Eberhard Schlotter zwischen 1979 und 1982 in Altea / Spanien entstanden.




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