Retrospektive


Ausstellungs-Katalog

Reich bebilderter Katalog aller Exponate. 
Auf Wunsch mit Signatur.

Ausstellungs-Katalog

20,00 €

  • verfügbar
  • 5 - 8 Tage Lieferzeit1

2020 ist ein sehr ungewöhnliches Jahr. Es sollte eigentlich ein Jahr der großen Ereignisse für Brunsbüttel werden. Der Nordostseekanal wird 125 Jahre alt, die Wattolümpiade hätte morgen (15. August) stattfinden sollen und nicht zuletzt: Jens Rusch feiert seinen 70. Geburtstag. Doch nach all der Vorfreude kam Corona!

Zwei der drei Veranstaltungen konnten leider nicht stattfinden. Daher freut es mich außerordentlich, dass Ihr Geburtstag trotz Pandemie nachgefeiert wird.

Die Stadt Brunsbüttel ehrt Sie heute – selbstverständlich unter Corona-Auflagen – mit einer großen Retrospektive. Ich danke Bürgermeister Martin Schmedtje und Bürgervorsteher Michael Kunkowski dafür, dass diese Veranstaltung unter diesen erschwerten Bedingungen überhaupt stattfinden konnte. Dafür noch einmal herzlichen Dank!

Lieber Jens Rusch, ich weiß genau, wie es ist, von anderen Menschen einen Namen oder eine Bezeichnung nachgerufen zu bekommen. Bei mir waren diese Charakterisierungen im Laufe meines Lebens allerdings nicht annähernd so schmeichelhaft wie bei Ihnen.

Eine kurze Gegenüberstellung: Mich nannte man „Knallfrosch“, Sie sind der „Dali vom Deich“. Sie sind Botschafter Dithmarschens, ich der „Querulant des Nordens“. Ich wurde als „Windei“ bezeichnet, Sie wurden als „Mensch des Jahres“ ausgezeichnet. Was zumindest bei Ihren Bezeichnungen erkennbar wird, ist, dass hinter Ihrem künstlerischen Schaffen ein Mensch steht, der deutlich mehr ausstrahlt als jemand, der „nur“ sein künstlerisches Handwerk versteht.

Sie haben einiges durchgemacht, das Leben war nicht immer gut zu Ihnen. Einer der schlimmsten und unerbittlichsten Krankheiten haben Sie nicht nur mutig getrotzt, sondern anschließend beherzt den Kampf angesagt. Und dabei haben Sie Großes geleistet. Die Wattolümpiade, der wir regelmäßig mit gespannter Freude entgegensehen, ist eigentlich aus etwas Traurigem geboren worden. Trotzdem – oder gerade deshalb – feiert sie das Leben. Dabei hat sie mittlerweile nicht nur internationale Bekanntheit erreicht, sondern bald eine halbe Million Euro im Kampf gegen den Krebs eingespielt. Die Wattolümpiade ist also ein Gegenmittel gegen viele Krankheiten, weil sie an Wahnsinn grenzenden Spaß mit dem guten Zweck verbindet.

Lieber Jens Rusch, Schleswig-Holstein kann sich glücklich schätzen, dass Sie dem Land nicht nur treu geblieben sind, sondern ihm auch Ihren Stempel aufgedrückt haben. Ob mit Veranstaltungen wie „Lautstark gegen Krebs“, „Moin Refugees“ oder Ihrer Corona-Spendenaktion in diesem Jahr: Es ging Ihnen immer darum, selbst auch vorzuleben, dass der Stärkere dem Schwächeren helfen muss. Wer einmal selbst zu den Schwächeren gehört hat, dem geholfen werden musste, weiß genau, wovon er spricht.

Zu Ihrem 70. Geburtstag gratuliere ich Ihnen ganz herzlich. Bleiben Sie so, wie Sie sind. Denn Sie animieren andere, so zu werden, wie Sie sind. Alles Gute!

Wolfgang Kubicki


Virtueller Ausstellungsbesuch:

Bitte klicken Sie sich interaktiv durch die Ausstellungsräume:

Ungeübten Besuchern empfehlen wir einen geführten Rundgang: START GUIDED TOUR.


Vernissage im ELBEFORUM

Eine Dokumentation von Jörg Reichert

Musik: Marcator und Gravedigger
mit freundlicher Erlaubnis


Retrospektive

Dieser Ausstellungsraum zeigt überwiegend Gemälde, die nach der Krebserkrankung des Künstlers entstanden sind.

Workshops

Arbeitstransparenz

Auf seiner Facebook-Seite informiert Jens Rusch permanent über die akribischen Arbeitsvorgänge in seinem Atelier:
"Wer heute naturalistisch arbeitet, muss unter Beweis stellen, wie redlich er ist. Es gibt dutzende von Computer-Programmen die Dilettanten eine ähnliche Illusion ermöglichen."



Die Reden in voller Länge.

Redner: Michael Kunkowski, Wolfgang Kubicki, Michael Legband, Prof. Dr. Joachim Krause, Stephan Richter, Dr. Klaus Jork, Jens Rusch, Martin Schmedtje




Laudatio Michael Legband

 

Freitag, 14. August 2020, 18.00 Uhr Brunsbüttel, Elbeforum

Meister Rusch zum Siebzigsten:

Hut ab vor einem großen Künstler und einem fürsorglichen Mitbürger - Anerkennung für Brunsbüttels Kulturbotschafter Lieber Herr Bürgervorsteher Kunkowski, lieber Herr Bürgermeister Schmedtje, lieber Herr Landrat Mohrdiek, meine sehr verehrten Damen und Herren, die Sie sich hier heute zu Ehren von Jens Rusch versammelt haben. Ich weiß, Sie alle hätten es verdient, dass ich Sie hier namentlich und direkt anspreche, aber das geht nicht, denn dies würde selbst die berühmte Standfestigkeit der Dithmarscher überfordern. Somit bitte ich um Verständnis, dass ich somit nur noch zwei Personen im Rahmen der Begrüßung jetzt direkt anspreche:

Lieber Meister und Freund Jens, liebe Muse-Suse, ich freue mich sehr, dass ich hier das Wort habe. Über Dich ehrende Worte zu sprechen, lieber Jens, das ehrt allemal auch mich. Danke für das Vertrauen.

Beim Vorbereiten auf den heutigen Abend habe ich mir natürlich die vielen im Internet veröffentlichten Grußworte (sie sind wohl auch in dem Katalog abgedruckt) durchgelesen. Zum einen war ich von der Menge erschlagen, zum anderen haben mich die Inhalte sehr bewegt. Da steht vieles schwarz auf weiß, lieber Jens, auf das Du mehr als stolz sein kannst. In einer Zeit wo Missgunst und häufig Garstigkeiten Inhalt und Ton bestimmen, heben sich diese Grußworte wohltuend ab. Die Verfasser unterstreichen sehr deutlich, was Du in den vergangenen 50 Jahren künstlerisch und menschlich geleistet hast. Respekt vor dieser Sammlung! Die bösartigen Berufsnörgler an Deinem Werk mögen sich diese Zeilen mal in aller Ruhe zu Gemüte führen und ein wenig über sich nachdenken.

Stichwort Nachdenken: Das ist bei diesen so profunden und liebenswerten Grußworten schon eine Herausforderung. Ein wenig habe ich schon Hirnschmalz auf die Frage verwendet, was soll ich denn jetzt bloß noch sagen. Es ist doch alles schon zu Papier gebracht. Also was nun tun?

Der rote Faden dieser kleinen Rede wird aus Begegnungen und Ereignissen bestehen, die Jens und mich miteinander verbinden. Es fing - wie bei Menschen unserer Zeit und unserer regionalen Herkunft so häufig - alles im Cheyenne Club in Itzehoe an. Damals noch in der Brückenstraße. Unsere Helden waren beispielsweise die Rolling Stones, Black Sabbath, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Bob Dylan oder Joan Baez. Ergänzt durch politische Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Václav Havel oder Günther Grass. Und damit wir uns nicht missverstehen: Bewusstseinserweiterndes gab es auch gelegentlich.

Wenig später dann - noch in der Galerie Stücker oder besser gesagt darüber - erste gemeinsame Abendessen. Ich erinnere mich an südländische Kost. Das war für ein Landei wie mich eine Offenbarung. Später dann hatte ich die ersten Arbeiten aus Spanien vor Augen und konnte mich gar nicht wieder einkriegen. "Mensch, was ist der gut geworden," rief ich mehrfach aus, als ich zu Hause von den neuen Eindrücken berichtete. Björn Engholm hat es in seinem Grußwort so wunderbar geschrieben: Beim großen Meister Schlotter in Spanien wurde Jens Rusch selbst zum Meister. Mehr geht ja kaum.

Dann kam die Zeit der ersten Wattolümpiade. Verrückte machten Verrücktes. So einfach war das für mich. Der Unsinn hat sich mir erst später erschlossen. Das gehört zum Prinzip "lebenslanges Lernen". Aber die Leute waren lustig und wir hatten Spaß. Das ist ja auch ein Wert an sich.

Als ich dann in der Marner Redaktionsstube saß, wo einst meine hoffnungsvolle journalistische Karriere startete, platzten Jens und Suse in die dortige Sperrmüllsammlung - genannt Redaktion - herein. Jens hatte auf "Auf eigene Faust radiert" dabei. Sein Werk, an dem er nicht nur viereinhalb Jahre gearbeitet hatte, sondern bei dem er auch deutlich an die Belastbarkeit seiner psychischen Grenzen gegangen war. Ich war fasziniert. Und dann passierte etwas, was mich alten Volksschüler plötzlich mit deutscher Hochkultur zusammenbrachte. Angeregt von den Radierungen in dem Buch und den Texten von Goethes Faust, fing ich an mich mit Goethe, Schiller, Lessing & Co. auseinanderzusetzen. Jens, Du hast Schuld und danke dafür!

Es dauerte nicht lange, da kam Jens schon wieder mit einem Buch unterm Arm in die Redaktionsstube: Theodor Storms Schimmelreiter war radiert worden. Nun musste ich mich auch noch mit Storm befassen.

Neben der technisch perfekten und gedankentiefen Umsetzung fand ich die Herangehensweise großartig. Es wurden mal kurzerhand knorrige Typen hier von der Westküste in Kostüme von damals gesteckt und Jens zeichnete und radierte drauflos. Erinnern möchte ich nur an den poltrigen Deichgrafen Delf Jans und an den Hauke Haien, der eigentlich Zahnarzt ist, an Dr. Klaus Jork. Auch er gehört zu den frühen Förderern von Jens Rusch. Später dann, eine Spätfolge von "Auf eigene Faust radiert", das Zusammentreffen mit Jens Rusch und dem großen Will Quadflieg im Theater Itzehoe. Das von Jens entworfene Etikett auf der Weinflasche, die der Schauspiellegende überreicht wurde, gefiel ihm sehr. Den Wein charakterisierte er mit der großen Mimik eines Bühnenschauspielers verachtend als Bonschewasser. - Verlassen wir die Hochliteratur.

Meine Damen und Herren, erleichtert war ich, als ich die erotischen Arbeiten von Jens vor Augen bekam. Da musste ich nicht gleich ganze Bücherschränke durcharbeiten. Die verstand ich so. Sie brachten mich nur ein wenig in Verlegenheit, weil meine Töchter irgendwann im zarten Alter von acht oder neun Jahren überraschend nach Erklärungen der abgebildeten Handlungen verlangten. Also, eines kann ich Ihnen versichern, zur Aufklärung taugen die Arbeiten von Jens auch.

Also: Jens kam mit immer mehr um die Ecke: Radierungen aus der spanischen Phase, Exlibris für Sammler in aller Welt, Bücher, Bücher, Bücher... Häufig verließ ich ihn reichlich beschenkt. Auch dafür gilt es zu danken. Und eines will ich gerne anfügen, weil es mir sehr wichtig ist: Wer sich mit Storm, Goethe, Arno Schmidt, Melville und Panizza so künstlerisch gekonnt auseinandersetzt wie Jens Rusch, der verfügt über tiefgehende Kenntnisse der Kultur- und Geistesgeschichte. Anders ist das nicht möglich. Ein Hoch auf alle Autodidakten! Und es ist eben Jens Rusch, der es nicht bei Goethe und Co. belässt. Nein, einer wie er wird zum Wacken-Maler. Kein offizieller Titel, aber ein schöner, den ihm Holger Hübner und Freunde vom Wacken-Team zurecht verliehen haben. Kraftvoll wie beim Faust geht es später bei den Wacken-Bildern zu.

Bleiben wir noch ein wenig beim Werk. Da sind die Auftragsarbeiten: Einiges sehen wir ja hier in der Ausstellung. Kaum eine Persönlichkeit aus der Region und gerne auch darüber hinaus, die sich und die Familien- und/oder Unternehmensgeschichte nicht zeichnerisch portraitieren ließ. Das war für Jens (und auch für Suse, der Taschenrechner an seiner Seite) sehr wichtig. Diese Auftragsarbeiten schufen das sichere wirtschaftliche Fundament für die freien Arbeiten des Künstlers, wenn ich es mal so formulieren darf. Und zur wirtschaftlichen Absicherung haben nicht nur die Auftraggeber dieser gezeichneten Familien-Geschichten beigetragen. Sondern schon ganz früh zu Beginn der Karriere von Jens Rusch, der ja heute auch anwesende Günter Ahlf. Sie, lieber Herr Ahlf, haben Jens in der Anfangsphase sozial abgesichert und an ihn geglaubt. Das war nicht selbstverständlich und soll an einem Tag wie diesem nicht vergessen werden. Dafür hat Jens sich nicht nur mit wunderbaren Werken revanchiert, sondern wie Sie in Ihrem Grußwort schreiben, es ermöglicht, dass ein leibhaftiger Ministerpräsident Sie in den Arm nahm. Das ist doch was.

Durch Auftragsarbeiten und Förderer konnte sich Jens Rusch immer stärker den freien Arbeiten widmen: Und diese haben es in sich. Klar, alle Arbeiten von Jens Rusch haben ihre Geschichten. Häufig sind es zeichnerisch umgesetzte Wortspiele aus dem großen Schatz der Gebrüder Grimm. In den Worten stecken für Jens Rusch die Bilder. Sprache und Texte sind für ihn Inspiration. Das hat auch immer und stets was mit der ständig anhaltenden Befriedigung des Bildungshungers bei Jens zu tun. Da sitzen Vögel plötzlich auf einem Zug. Klar: Zugvögel. Banal. Muss man nur drauf kommen und es dann auch noch so umsetzen, dass es gelungen wirkt. Surrealismus soweit das Auge reicht. Nicht umsonst entstanden Schlagzeilen wie der "Dali vom Deich". Vogelmenschen, Stelzkühe und und und.

Zu gemeinsamen Weggefährten, wenn ich das so bezeichnen darf, gehört der ehemalige Landtagspräsident Martin Kayenburg. "Beton ... was man draus macht," hieß das Symposium, was unser Jubilar 1990 mit dem damaligen Alsenchef organisierte. Jens stand für den Dialog zwischen Künstlern und Beton. Und Du lieber Jens, warst neben all dem anderen, was so eine Begegnung verlangt, mit dem Zeichenstift dabei. Ich war inzwischen in leitender Funktion bei RTL in Kiel und habe eine hoffnungsvolle Nachwuchsjournalistin samt Team gen Lägerdorf in Marsch gesetzt. Bleiben wir beim Zement. Im stillgelegten Werk in Itzehoe. Hier im von Martin Kayenburg zur Verfügung gestellten Atelier tobtest Du Dich großformatig zu lauter Musik aus. Kraftvoll und ungestüm. Wurzeln für die Wacken-Arbeiten späterer Zeit. Es ist also fast schlüssig, dass sich diese Riesengemälde heute in der Wacken-Foundation (Stiftung) befinden.

Es folgte eine Zeit gemeinsam mit den Norddeutschen Realisten. Ich organisierte ja einige Symposien und konnte irgendwann den Begründer Niko Störtenbecker dazu bewegen, dass Du mittun konntest. So landetest Du plötzlich im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Als langjähriges Mitglied der Landespressekonferenz wollte ich gerne einmal Parlamentsgeschichte schreiben. Und so zogen die Malerinnen und Maler fröhlich in das Landeshaus ein, ergänzten die Arbeiten der Parlamentsstenografen mit Pinsel & Leinwand. Wir nannten das "Farbige Debatten". Jens war begeistert und begeisterte. Landtagspräsident Heinz-Werner Arens fand lobende Worte. Ganz nebenbei wurde so nicht nur Parlamentsgeschichte, sondern auch Kunstgeschichte geschrieben. Denn dass mehr als eine Handvoll Künstler eine Woche lang hautnah in einem Parlamentssaal und den angeschlossenen Fraktionsräumen malen konnten wie sie wollten, so etwas gab es bisher nicht und hat es auch so nicht wieder gegeben. Der Deutsche Bundestag übrigens lehnte ein entsprechendes Ansinnen von mir ab. Es folgten dann noch mehrere Symposien mit den Norddeutschen Realisten.

Vielleicht weiß der eine oder andere es: Ich befasse mich ja intensiv mit der Gedenkarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus. Es geht mir dabei um das erste Mahnmal für die NS-Opfer in Nordeuropa. Es steht in Itzehoe. Auch hier hat Jens in den 1990er Jahren künstlerisch gewirkt. Er hat ein ergreifendes Bild gemalt, dass das Mahnmal mit seinem Initiator Prof. Gyula Trebitsch und seinem Architekten Prof. Fritz Höger zeigt. Am Fuße des Bauwerks sind gequälte KZ-Häftlinge halb verhungert zu sehen und Soldaten, die sie befreien. Als wir damals dieses Bild Prof. Trebitsch zeigten, der ja mit viel Mühe und nur durch Zufall die deutschen KZs überlebt hatte, war er sichtlich ergriffen. Und Jens ist mir auch jetzt wieder bei meinem aktuell in Arbeit befindlichen Buch zum Thema eine Stütze bei der Gedenkarbeit. Übrigens genauso wie der wertgeschätzte Martin Kayenburg.

Springen wir noch mal zur Landespolitik. Im schmucken Haus B, ein von Regierung und Parlament genutztes repräsentatives Haus neben dem Landtag an der Kieler Förde, hängt ein Monumentalgemälde von Dir, lieber Jens. Als zum Abschluss des vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages initiierten Projektes "Schleswig-Holstein Topographie" sich 2008 mehr als tausend Bürgermeister auf Gut Schierensee trafen, hast Du - nach der berühmten Vorlage des Hambacher Festes - diese alle in einem Gemälde zusammengefasst. Großartig. So etwas kannst eben nur Du. Und natürlich der damalige Chefredakteur des sh:z Stephan Richter, der sich ja dieses riesige Projekt, alle Orte des Landes journalistisch zu portraitieren, ausgedacht hatte. Brunsbüttler halten eben auch mal zusammen, könnte man meinen. Schön, lieber Herr Richter, dass Sie gleich auch noch ein paar Worte an uns richten.

An diesem von Freude bestimmten Tag will ich gar nicht so sehr auf Deine fürchterliche Krebserkrankung eingehen. Nur so viel: Ich bekam eines Tages einen Anruf von Jens, der ungefähr so lautete: "Ich bin hier in Kiel, ganz in Deiner Nähe!" Ich sagte: "Mensch Jens, dann komm doch vorbei." "Nee geht nicht, ich bin hier in der Hals-, Nasen- Ohrenklinik und werde morgen operiert. Wie das ausgeht weiß ich nicht." Na, was soll ich sagen. Solche Anrufe braucht man. Ich bin dann in die Klinik gefahren und habe einige Stunden mehr oder minder hilflos bei Jens am Bett gesessen und dummes Zeug geredet. Ich weiß nicht, wer hilfloser war. Der Patient oder der Freund, der daneben saß. Nach der gelungenen OP habe ich von den postoperativen Beschwerden viel erfahren. Schön, dass Du zusammen mit Suse gekämpft hast. Es hat sich gelohnt und begründet ja Dein unglaubliches soziales Engagement. In wenigen Jahren haben Du und Deine Mitstreiter fast 500.000 € gesammelt. Wer kann das schon von sich sagen. Respekt. Du hilfst vielen unglücklichen Menschen. Das ist wunderbar. Hut ab!

Neben den Arbeiten als Maler, Zeichner, Radierer bestichst Du ja auch mit Deinen Plastiken. Auch das ist ein weites Feld, um einmal Günther Grass zu zitieren, der ja auch als Plastiker unterwegs war. Auch mit diesen Arbeiten hast Du Dir einen Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus erworben. Wolfgang Kubicki hat ja längst nicht immer recht. Aber wenn der Vizepräsident des Deutschen Bundestages in Zusammenhang mit Deinem Werk von einem "kuriosen Facettenreichtum" spricht, ist dem wenig hinzuzufügen.

Meine Damen und Herren, wenn ich von gelegentlichen Garstigkeiten gegenüber Jens gesprochen habe, dann gibt es natürlich die andere Seite. Als die ersten Meldungen in der Lokalpresse standen, dass ich für die Bilderauswahl die Verantwortung trage, kamen prompt Anrufe auf meinen Anrufbeantworter. Aus den Kögen schallte es mal auf hochdeutsch mal auf platt, wir haben dieses, wir haben jenes bei uns zu Hause hängen. Gerne stellen wir das Bild für die Ausstellung zur Verfügung. Das zeigt a) lieber Herr Chefredakteur a.D., die Zeitung wird gelesen und b) die Besitzer dieser Werke sind stolz und bekennen sich zu "ihrer" Kunst.

Diese Ausstellung zeigt einen Querschnitt des Schaffens und wahrlich nicht alles. Das geht schon allein von der Zahl der Arbeiten und der Vielfältigkeit der Interessenlagen des Künstlers nicht. Jens hat allein rund 1.500 Radierungen geschaffen. Aber es sind etliche Arbeiten hier, die Brunsbüttel zeigen. Das muss wohl auch so sein. Schließlich ist dieser Ort die engere Heimat von Jens und wenn die Stadt Brunsbüttel diese Retrospektive dem Meister zum Geburtstag schenkt, ist ja wohl klar, dass Brunsbütteler Motive dazugehören. Bonn oder Berlin würden nicht so viel Sinn machen. Überhaupt muss ich sagen, großartig lieber Herr Bürgervorsteher, lieber Herr Bürgermeister, das Sie Jens Rusch dieses Geburtstagsgeschenk hier machen. Auf der einen Seite könnte ich sagen, es ist selbstverständlich. Ist es aber wahrlich nicht. Neben dem Nord-Ostsee-Kanal, der chemischen Industrie steht aber schon Jens Rusch als Sohn und Botschafter dieser Stadt, mit seiner Kunst und mit seinem sozialen Engagement. Schön, dass die Kommunalpolitik beides heute zu würdigen weiß. Respekt!

Auch Künstler gehen gelegentlich nicht immer so miteinander um, wie es vernunftbegabte Menschen tun sollten. Künstlerkollegen wissen schon, wo es wehtut, wenn man treffen will. Aber es gibt natürlich jede Menge wohltuende Gegenbeispiele: Lassen Sie mich hier mal beispielsweise von dem großen Friedel Anderson sprechen. Viele wissen es vielleicht gar nicht. Friedel hat vor 34 Jahren bei Jens Geduld und Demut gelernt, wie er heute schreibt. Und er sei nachhaltig mit dem Tiefdruckvirus infiziert. Ohne die damals von Jens Rusch ausgegangenen Impulse hätte es wohl das grafische Werk von Friedel Anderson nicht gegeben. Anderson bezeichnet Jens Rusch als Meister, der weiß, dass ohne Handwerk, Disziplin, Fleiß und Ausdauer nur das Scheitern bleibt. "Für Dein Vertrauen und Deine Großzügigkeit bleibt Dir immer mein Dank", sagt Friedel Anderson und meint damit die vor mehr als drei Jahrzehnten stattgefundene einjährige radiertechnische Zusammenarbeit.

Und der Großmeister der Radierung schlechthin, Wolfgang Werkmeister, spricht Jens "verblüffende Fähigkeiten" zu. Er beherrsche die Radiertechnik ebenso brillant wie die transparente Ölmalerei. Jens Rusch habe sich nie dem Zeitgeist gebeugt, sondern als eine Art Solitär seine Bildwelten gestaltet. Was Beachtung fand und findet.

Und die Legende unter den Marinemalern schlechthin, Kapitän Hans-Peter Jürgens, stellte einst in der von mir schon erwähnen IHK-Galerie in Kiel zum Thema Walfang aus. Zusammen mit Jens, der seine Moby Dick-Arbeiten präsentierte. Der schon sehr betagte Seemann, der in jungen Jahren das Kap Horn mit Segelfrachtschiffen umfahren hatte, kam meist täglich mit einer wechselnden Fanschaar in die Ausstellung. Ich dachte mir so, mein Gott, was ist der alte Herr eitel. Als ich ihm mal freundlichst auf die häufigen Besuche in der Merkur-Galerie ansprach und ihn fragte, ob er nun bald alle seine Werke an die mitgebrachten Fans verkauft habe, antwortete er lachend. Nein, ich komme hier nicht wegen meiner Bilder her. Ich zeige meinen Freunden die Arbeiten von Jens Rusch. So etwas an großartiger Technik habe ich noch nie gesehen. Das können nicht viele. Glauben Sie einem alten Pinselquäler. Tat ich! Drei Beispiele, dass Künstler nicht nur das eigene Werk loben können.

Meine Damen und Herren, ich könnte noch viel zitieren. Auch aus der unendlichen Flut der beeindruckenden Grußworte. Es ließe sich viel über Wacken sagen. Da bin ich auch anfällig. Ich habe ja in meinem Buch über den Verleger Alexander Jahr dazu geschrieben. Zu Santiano könnte ich mich äußern, zu Prof. Joachim Krause, dessen politischen Analysen ich nicht immer teilte, jedoch seine Worte über Jens gefielen und gefallen mir stets gut. Die Wattikan-Freunde nicht zu vergessen oder Helmut Schramm, auch ein Förderer von Jens. Auch will ich jetzt hier und heute nicht alle Prominenten, die in Eurer Galerie zu Gast waren, liebe Suse, lieber Jens, aufzählen. Das ging ja von Hellmut Karasek, Rüdiger Nehberg über Ralph Giordano bis hin zu Uwe Friedrichs und vielen mehr.

Es gäbe noch so viel zu sagen. Aber diese kleine Rede soll ja nicht in so eine Art Christenverfolgung der Neuzeit ausarten. Eines möchte ich gegen Ende meiner Worte hier gerne noch loswerden. Lieber Jens, Du gehörst ja heute zu den wenigen Künstlern, die im Alter gut leben können. Das ist ja nicht die Regel. Wirtschaftlich unabhängig zu sein, ist ja ein Wert an sich. Das alles hast Du Dir, lieber Jens, erarbeitet. Das war nicht immer so. Ich habe ja von frühen Förderern gesprochen. Aber es gab auch die anderen. Du musstest schon gewaltig gegen den stürmischen Wind in Dithmarschen ankämpfen. Aber als Fischerjung' war und ist Wind ja Dein Element. Du bist nicht untergegangen. Ganz im Gegenteil. Und Deinen Zopf trägst Du auch nicht ohne Grund. An dem hast Du Dich symbolisch oft genug aus diesem Sumpf ziehen müssen.

Mich erinnert an diese Zeit und an die damit gelegentlich verbundenen Unbotmäßigkeiten Dir gegenüber ein Gemälde, was einst im fernen Spanien entstand. Und als Kurator dieser Ausstellung habe ich darauf bestanden, dass es hier ausgestellt wird. Es heißt "Dithmarscher Pils" und zeigt eine am Boden liegende zerdepperte Bierflasche aus dem Hause Hinz. Das passt! Treffender kann man es nicht erschaffen. Da ist sie wieder, so eine kleine Geschichte auf der Leinwand. Und weil es so schön passt und ich den großen Staatsmann Winston Churchill so gerne zitiere: "Alle verdienstvollen Männer haben Feinde".

Lieber Jens, liebe Suse, ich bin sicher, dass ich im Namen aller hier sagen kann: Wir wünschen Euch noch viele gemeinsame und schöne Jahre. An Jens sei die Bitte gerichtet, schenke uns noch möglichst lange Deine wunderbaren Arbeiten. Hör nicht auf zu Schaffen. Viele Ideen im Kopf und auf Papier!

Ich verneige mich in Respekt vor Dir und Deinem Lebensweg, vor Deiner Kunst und Deiner Persönlichkeit. Danke, dass es Dich gibt, alter Freund! Und warum setze ich jetzt diesen ollen Zylinder von Opa auf? - Ist doch klar: Damit ich den Hut vor Dir ziehen kann.


Grußwort Bildungsministerin Karin Prien

Die Kunst von Jens Rusch ist so facettenreich wie sein Leben – und wie seine Heimat Schleswig-Holstein. Letzterer schuf der norddeutsche Surrealist mit seinen Kunstwerken eine ungewöhnliche Hommage. Der „Wacken-Zyklus“ ist dabei ebenso ein Zeugnis nord-deutscher Kultur wie auch seine Illustration von Theodor Storms Schimmelreiter. Einige Schulbuchverlage übernahmen diese Illustrationen und man findet sie auch in englischen und koreanischen Schulbüchern. Dort prägen sie das Bild norddeutscher Kultur und Lebensweise. Ein Verdienst von Jens Rusch.

Am 26. April wurde der „Botschafter Dithmarschens“ 70 Jahre alt. Eigentlich hatte die Stadt Brunsbüttel aus diesem Anlass eine Ausstellung im Elbeforum vorgesehen. Durch das Coronavirus ist das nun leider nicht mehr möglich.

Dem Lebenswerk von Jens Rusch wird das nicht gerecht. Aber aus seiner Lebensgeschichte können wir in dieser Situation eine Lehre ziehen.

Kunst und Kultur sind Lebensretter in schweren Zeiten. Sie helfen uns über Krisen hinweg und geben uns Kraft. Wir brauchen die Kultur nicht nur in schönen Stunden, sondern immer und überall. Jetzt braucht die Kultur uns – und wir müssen hinter ihr stehen.

Als Jens Rusch 2001 an Krebs erkrankt, gibt ihm seine Kunst genau die Kraft, die er braucht. Seitdem ist der Kampf gegen Krebs – auch mithilfe der Kunst – zu einer wichtigen Facette seines Lebens geworden. Er engagiert sich unermüdlich für die Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein.

Ich danke Jens Rusch für dieses Engagement und für seine vielfältigen künstlerischen Tätigkeiten für das Land und über das Land hinaus. Zu seinem Geburtstag gratuliere ich ihm von Herzen und wünsche ihm für die Zukunft und die weitere künstlerische Tätigkeit alles Gute!

 

Herzliche Grüße
Karin Prien

Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein


Grußwort Björn Engholm

Ein Meister

Jens Rusch zum „70.“

Man hat ihn „Dali vom Deich“, „Dithmarscher Dürer“ oder schlicht „Farbenflüsterer“ genannt – und keine dieser Bezeichnungen geht am Kern der Arbeiten des in Vielem kongenialen Künstlers Jens Rusch vorbei.

Der einstige Schüler seines grossen Meisters Eberhard Schlotter, über die Jahre seines Schaffens selbst zum Meister geworden, gehört zu den herausragenden künstlerischen Persönlichkeiten nicht nur unseres Landes: als Maler, Zeichner, Illustrator, Plastiker und exzellenter Radierer hat er sich einen Ruf weit über unsere Grenzen hinaus erworben.

Ob feine Exlibris, treffsichere Porträts, satte Stillleben oder saftige Landschaften, ob opulent-phantastische Weltenbilder, ob figürliche Objekte – seine eigenständige (und eigenwillige) Handschrift ist unverkennbar. Und viele seiner Arbeiten über und zu literarischen und philosophischen Vorlagen, u. a. Storm, Goethe, A. Schmidt, Melville, Panizza, weisen neben künstlerischer Finesse auch auf profunde Kenntnisse der Kultur- und Geistesgeschichte hin.

Besonders faszinierend ist seine fast spielerische Fähigkeit, sämtliche stilistischen Varianten des Realismus in sein Bildschaffen zu integrieren: Surreales zur Visualisierung des Traumhaften und Unterbewussten; Phantastisch- Realistisches, um Übersinnliches, Visionäres zu fixieren; magisch-realistische und symbolistische Stilelemente zur Verarbeitung von Träumen und Halluzinationen sowie der bildhaften Umsetzung von Themen der Mythologie, der Schöpfungs- und Evolutionsgeschichte...

Jens Rusch schafft damit aus seiner Phantasie geborene Bildwelten, die jedoch nie zusammenhanglos, nie pur erfunden sind, sondern in Geschichte, Kultur, Geist und Psyche des Realen wurzeln. Ihm gelingt, fast im Sinne des Surrealisten Andre´ Breton, die Auflösung der scheinbaren Gegensätze von Wirklichkeit und Traum in einer neuen, absoluten Realität.

Ich gratuliere Jens Rusch zum 70. Geburtstag – mit Respekt vor seinem künstlerischen Werk (ebenso wie für sein unermüdliches gesellschaftliches Engagement an der Westküste). Und wünsche Kraft und Leidenschaft und Phantasie für viele weitere Jahre kreativen Schaffens!

Björn Engholm, Lübeck


Grußwort Martin Kayenburg

Lieber Freund,

Dein bewegtes, von ständiger Suche geprägtes und zugleich unglaublich erfolgreiches Künstlerleben durfte ich mal näher, mal aus der Ferne, aber immer mit großer Zuneigung und Bewunderung begleiten. Und in diesem Jahr ist schon Dein 70ster Geburtstag, zu dem ich Dir mit lieben Wünschen und guten Gedanken herzlich gratuliere. Mögen die vor Dir liegenden Jahre weiterhin Glück, Harmonie, Zufriedenheit, Erfolg und die verdiente Anerkennung für Dich bereithalten.

Manche Höhen und das erfolgreiche, Dich weiterführende Überwinden der Tiefpunkte zeigen Deine innere Stärke, Deinen Mut und auch Deinen kopfgesteuerten Über-Lebenswillen. Dies meine ich wörtlich und im übertragenen Sinne, und ich bin überzeugt, dass diese Eigenschaften Dich auch weiter tragen und beflügeln werden; denn mit diesen Wegbegleitern hast Du Dein Künstlerleben gegen alle Widerstände gestalten können.

So viele Stationen Deines Lebens sind es wert, endlich auch öffentlich mehr gewürdigt zu werden. Ein Glückwunsch bietet jedoch kaum den Raum für eine umfängliche Laudatio. Wenige Schlaglichter aus unseren Begegnungen auf Dein Leben, das von Suchen und Finden bestimmt ist, und auf Dein Künstlerleben wirst Du mir aber gestatten.

Du selbst hast einmal geschrieben, Geister werden nicht sichtbarer, wenn man Licht macht, aber ohne Licht, ohne Interpretation wird es nicht gelingen, den Geist hinter den Werken zu erkennen. Und dies ist der Schlüssel für die Einordnung vieler Stationen Deines Lebens.

Brunsbüttel – Galerie Stücker – der Beginn. Unsere erste Begegnung liegt schon mehr als vierzig Jahre zurück. Gerne erinnere ich mich noch an die frühen 70er in der Galerie Stücker in Brunsbüttel. Und bis dahin war es schon ein langer, oft steiniger Weg, den der Sohn des Fischers gegen den stürmischen Wind in seiner Heimat Dithmarschen, der Natur und Menschen geprägt hat, bestehen musste.

Fasziniert hat mich damals das Wattpsychologische Institut mit den skurrilen Ideen, das Dir „offiziellen Freiraum für Nonsens, Blödeleien und Phantasiespiele“ wie „Strandgut“ oder, „So funktioniert Dithmarschen“ gegeben hat.

Auf das Studium als Meisterschüler bei Deinem verehrten Lehrer Eberhard Schlotter, der Dich „in die Zucht und Lehre einer strengen naturalistischen Bildauffassung einführte“ und die Zeit in Altea folgte eine lebhafte, intensive Zeit in Barlt und Gudendorf, in der mich der hintersinnige Spökenkieker begeistert hat mit seinen handwerklich und technisch perfekten Graphiken, Zeichnungen, Bildtiteln und Texten.

Suchend, kritisch und voller Selbstironie – und manchmal belastet von tiefen Zweifeln - hast Du alle Herausforderungen angenommen und Dich selbstbewusst trotz aller materiellen Risiken in Deiner Kunst verwirklicht. In dieser Zeit sind mit Deinen Illustrationen und Radierzyklen zu Goethes Faust, dem Schimmelreiter, mit Mundus Pictus, dem Liebeskonzil oder der Schule der Atheisten, die ersten Werke entstanden, die internationale Anerkennung gebracht haben.

Lägerdorf - Beton … was man draus macht. Eine besondere Freude war es mit Dir 1990 ein Bildhauersymposion zu dem nicht unumstrittenen, sperrigen Baustoff Beton zu organisieren, das Du zudem mit dem Zeichenstift begleitet hast. Die großformatigen Skulpturen von Pierre Schumann, Walter Arno und anderen geben heute noch beredtes Zeugnis von dem großen Erfolg. So wurde der Dialog der Künstler mit dem Material Beton und auch untereinander, der Austausch mit den Handwerkern und das abendliche Beisammensein für alle unvergesslich. Und immer warst Du der “gute Geist“, der auch alle schwierigen Situationen zu überwinden geholfen hat.

Itzehoe - Ruinen als Atelier. Zeitweilig war später auch das stillgelegte Zementwerk in Itzehoe für Dich Atelier und Fluchtort, in dem Du mit manchem Zweifel und großformatigen Gemälden (keine Leinwand war kleiner als 2x3 Meter) kraftvoll gekämpft hast. Es waren damals intensive Diskussionen über Sinn und Erfolg eines nicht durch staatliche Apanage abgesicherten Künstlerlebens, über Unabhängigkeit und Anerkennung in der Heimatregion, – und vielleicht wurde hier der Grundstock zu den späteren Arbeiten gelegt, wie den Werken zu Carmina Burana und den ebenso kraftvoll und ungestüm „gemalten Feldstudien“ des Heavy-Metal-Festivals in Wacken.

Kiel - Realisten im Parlament. Und Anfang dieses Jahrtausends habe ich im Landtag dem „Parlamentsmaler“ bei „Stenographie mit Pinsel und Ölfarbe“ über die Schulter schauen und mit Dir auch manchen Disput über parlamentarische Diskussionen und das Selbstverständnis von Abgeordneten führen können. Dies war ein „reizvolles Spannungsfeld“, weil für Dich und auch für die anderen vier Realisten die „Mal“-Zeit im neuen gläsernen Plenarsaal an der Kieler Förde Beleg für die Transparenz der Landespolitik werden sollte.

Schierensee - Schleswig-Holstein Konvent. Politik hat Dich auch weiter fasziniert. Und so hast Du Dich an ein Monumentalgemälde herangewagt, das Dich allen Besuchern des Hauses B in Kiel, das von Regierung und Parlament für Veranstaltungen genutzt wird, präsent sein lässt. Zur Veröffentlichung des Abschlussbandes der „Schleswig-Holstein Topographie“ hatten sich 2008 mehr als tausend Bürgermeister auf Gut Schierensee versammelt, die Du nach dem berühmten Motiv des Hambacher Festes in dem Gemälde arrangiert hast. Ich freue mich immer noch, wenn ich bei der Betrachtung des Bildes die unübersehbaren Dithmarscher Fahnen zwischen den Schleswig-Holstein-Fahnen entdecke. So kenne ich Dich, Deinen unabhängigen Geist - in jedem Deiner Gemälde soll man die Botschaft hinter der Darstellung erkennen, sich damit auseinandersetzten.

Geschenkte Zeit – der viel sagende Titel einer großen Retrospektive. Das Jahr, in dem Du von den Bürgern der Westküste zum Menschen des Jahres 2011 gewählt wurdest, markiert die weitgehende Überwindung Deiner Krebserkrankung. Der Kampf hat Dich gestärkt und neben der Kunst Dein soziales Wirken für die Mitbürger der Region zum Mittelpunkt Deiner Aktivitäten werden lassen. Dies ist mit dieser Auszeichnung zu Recht gewürdigt worden, denn allein durch die von Dir initiierte Wattolümpiade sind der Krebsgesellschaft mehr als einhunderttausend Euro zugeflossen.

Die Kunstwerke aus dieser Zeit zeigen Dich als perfekten Graphiker, aber auch Aquarelle, Gemälde und Bronzearbeiten – erwähnt sei nur die lebensgroße „Neocorus“-Bronzeplastik – beweisen Dein Können, das Berufenere würdigen werden.

Wenn das soziale Engagement der Kitt ist, der unsere Gesellschaft zusammenhält, dann ist die Kunst das Elixier, das unseren Alltag lebenswert macht. Und Du hast uns von beidem reichlich geschenkt. Dafür gilt es Dir, lieber Freund, herzlich zu danken und Dir und uns zu wünschen, dass unser Weg weiterhin von geschenkter Zeit geprägt sein möge.

So wünsche ich Dir vor allem gute Gesundheit, viel Schaffenskraft und Erfüllung bei all Deinen Vorhaben.

Sei mit allen guten Wünschen herzlichst gegrüßt
Dein Martin


Grußwort Stephan Richter

Lieber Jens,

wir teilen den Geburtsort, das Geburtsjahr und die Nachkriegsjahrzehnte in Brunsbüttel. Alles nahm hier irgendwie seinen Gang. Schleusen auf, Schleusen zu. Der sogenannte Mainstream schien in der Kanalstadt bestens aufgehoben. Nomen est omen. Nichts mäanderte, alles schien von Zeitgeist und kultureller „Hauptströmung“ kanalisiert zu werden.

Bis Du – sozusagen aus dem ästhetischen Underground - mit Deiner Kunst, mit Deiner schöpferischen Kreativität eine Schneise schlugst für uns weniger phantasiebegabte Brunsbütteler, die wir angesichts der Enge zwischen Koogstraße und „Kippe“ das Weite suchten. Du bliebst. Du hattest den sicheren Blick, Du beherrschtest das Handwerk wie kaum ein anderer. Also nahmst Du die Herausforderung an.

Mit Deinem künstlerischen Schaffen, mit Deinen Projekten – voran die Erfindung der Wattolümpiade – hast Du das kleinstädtische Biotop durchgepustet und die Perspektive geweitet. Deine Bilder öffnen die Schleusen in eine andere Welt, in der wie alles im Leben (wem schreibe ich das?) nichts gradlinig verläuft und nichts eintönig ist. Der Tidenhub muss nicht ausgeglichen werden. In Deinen Werken löst sich der verengte, nivellierende Blick. Viel mehr, als Du geschafft – und geschaffen! - hast, lässt sich in 70 Lebensjahren kaum erreichen. Okay, der Kanal prägt immer noch die Stadt.

Aber nun gibt es neben der Wasserstraße einen mächtigen Strom, in dem Reales und Surreales verschmelzen. Dein Werk!


Grußwort Wolfgang Werkmeister

 

Der Zeitgeist der 60ziger und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts animierte und versprach angehenden bildenden Künstlern eine Karriere, wenn abstrakt gemalt wurde. Gegenständliche und narrative Alternativen hatten wenig Chancen im Kulturbetrieb wahrgenommen und ausgestellt zu werden. Aber da wir ein liberales Land sind, gab es Künstler, die sich diesem Zeitgeist nicht beugen wollten oder konnten, hartnäckig und fleissig waren, quasi als Solitäre ihre Bildwelten gestalteten und ebenfalls Beachtung fanden.

Allerdings war es nur denen vergönnt, die ein starkes Talent hatten und verblüffende technische Fähigkeiten aufwiesen. Einer von ihnen ist Jens Rusch, der ein breites Panorama von Themen aufbietet, ein Realist eigener Art ist und Tendenzen zu surrealistischen, fast traumartigen Figurationen, teils naturalistisch präzise und mit gekonnten Trompe`l oil - Effekten aufwartet.

Die Radiertechnik beherrscht er ebenso brillant, wie die transparente Ölmalerei. Zu seinem 70ten Geburtstag wird ihm in Brunsbüttel eine grosse Ausstellung seiner Werke eingerichtet. Neugierige Kunstfreunde können auf Wikipedia eine ausführliche Auflistung von den Unternehmungen eines langen Künstlerlebens von Jens Rusch studieren.

Wolfgang Werkmeister.


Grußwort Friedel Anderson

Bellerkrug, 9.5.2020

Lieber Jens,

die Einladung, in Deiner Kupfertiefdruckwerkstatt arbeiten zu dürfen, hat mich lange sprachlos gemacht. Wir kannten uns kaum- und Du gabst mir zusammen mit dem Schlüssel alles Vertrauen. Meine Kenntnisse waren so rudimentär, Du öffnetest mir damals, im Wortsinn, eine Tür- dahinter lag das große weite Feld Radierung. Welches Du damals schon virtuos und überaus erfolgreich beackert hast. Wenn Du vorsichtig Hinweise zu den komplexen Abläufen mit den so vielen Arbeitsschritten einer Aquatinta gabst, wurdest Du der Traum, Wirklichkeit, und Zwischenreich zusammenrührende Alchimist.

Du zeigtest einem jungen, ungeduldigen Maler, der sich damals vor 34 Jahren für Druckgrafik interessierte, welche Grundvoraussetzungen dafür unabdingbar sind: Geduld und Demut. Die Arbeit in der Atmosphäre Deiner Räume hat mich nachhaltig mit dem Tiefdruckvirus infiziert. Ohne Deine Impulse gäbe es mein grafisches Werk in der jetzigen Form wohl nicht.

Damals wie heute bewundere ich, wie sicher Du Dich in allen Radiertechniken bewegst, und verdienten Erfolg damit hast. Ein Meister eben, dazu einer, der weiß, daß wir ohne Handwerk, Disziplin, Fleiß und Ausdauer scheitern müssen. Daß es Hochachtung und Respekt braucht vor all den Großen, die uns vorangingen, der sich gewiß ist, dass Alles auf Allem aufbaut, nichts nur aus sich selbst entsteht, daß wir alle fest auf den Schultern unserer Vorgänger stehen.

Das alles geht einher mit überbordender Phantasie, Experimentierfreude und grenzenloser Energie und Neugier auf die Welt. Was ich aus dem intensiven Jahr bei Dir mitnehmen durfte, ist groß, und ist geblieben.Für Dein Vertrauen und Deine Großzügigkeit bleibt Dir immer mein Dank.Zu Deinem 70sten wünschen Marlies und ich Dir nur das Beste.

Herzlich, Friedel

postscriptum: Vor ein paar Tagen fand ich beim Aufräumen in einem Karton eine kleine Ölskizze. Links unten ist eingekratzt: „ Guadalest 8.5.87 “ Fast auf den Tag genau vor 33 Jahren standen wir da an unseren Staffeleien, und ich erinnere Deine Worte: „hätte ich doch jetzt grundierte Radierplatten dabei...“


Grußwort Hannes Nygaard

Lieber Jens,

es ist ein besonderes Vergnügen, mit dir die Welt zu entdecken. Du stehst auf der Brücke. Fünf goldene Streifen zieren dein Schulterstück. Fünf? Vier wären zu wenig. Nicht auslaufen wegen des Sturms? Das ist für dich keine Option. Du steuerst dein Schiff zielgerichtet, ohne den Orkan zu umschiffen. Während andere die Klippen meiden, nimmst du den direkten Kurs. Und jeder, der sich deinem Schiff anvertraut, kann sich sicher sein, du kennst den Weg durch alle Untiefen.

Viele der dich begleitenden Seeleute nennen sich Brüder. Und an Bord nimmst du auch jene mit, denen das Schicksal viel Gepäck in den Lebensrucksack geladen hat. Durch dichten Nebel navigierst du sie zu neuen Ufern, die zu erreichen sie oft aufgegeben hatten. Der Kurs heißt Hoffnung, Mut und Zuversicht.

Ich selbst durfte mit dir ins Land der Literatur reisen und ein gemeinsames Buchprojekt entwickeln. Das war ein weiteres Beispiel deiner Vielfältigkeit. Es war keine Arbeit, sondern ein pures Vergnügen.

Mit dem Pinsel, der Feder und deinen Händen modellierst du Gedanken und Träume und fängst sie meisterhaft für die Ewigkeit ein. Du kannst aber auch eine andere Waffe führen. Mit geschliffenen Worten setzt du das Florett des Geistes ein.

Mit Siebzig, lieber Jens, bist du wie ein sehr guter Tropfen. Gut abgelagert. Mit Tiefgang und Nachhall. Perfekt für den Augenblick. Aber durchaus noch lange exquisit zu genießen.

Wir brauchen dich. Als Künstler. Als Mensch. Als Freund.

Ich wünsche dir und deiner M(S)use von Herzen alles Liebe und Gute, Glück, Gesundheit und weiterhin kreative Schaffenskraft.

Herzlichst Hannes Nygaard

 


Grußwort Holger Hübner, Thomas Jensen und das WOA-Team

 

Lieber Jens,

zu Deinem siebten runden Jubiläum gratulieren Dir Holger, Thomas und das gesamte Team des Wacken Open Air von ganzem Herzen!

Ehre, wem Ehre gebührt: Zu Deinen zahlreichen Titeln und respektvollen Beinamen, welche Dir Dein herausragendes künstlerisches Schaffen über all die Jahrzehnte eingebracht hat, gehört noch ein kleiner Ausdruck tiefer Wertschätzung hinzu, auf den niemand anderes mit vollem Recht einen Anspruch erheben könnte: der Wacken-Maler!

Es ist ein riesiges Glück, wenn ein großer Künstler das, was einem besonders am Herzen liegt, zu seinem Sujet erklärt. Das Auge des Malers sieht mehr. Gerade Deine Bilder zeigen der Welt den Geist der Freude und der Gemeinschaft, die dem Heavy Metal innewohnt. Wir sind Dir mehr als dankbar, dass Du uns diese Ansichten und Einsichten so oft zum Geschenk gemacht hast und unser Festival in eine Reihe mit den vielen anderen großen Themen stellst, die Du der Beachtung für wert gefunden hast.

Doch Du bist uns stets mehr als ein reiner Kunst- und Kulturschaffender gewesen, nämlich ein großer persönlicher Freund und vorbildlicher Mensch. Dein kraftvolles Engagement für „Lautstark gegen Krebs“ sowie nebst der Watt-Olympiade, hat uns immer wieder inspiriert und zahlreichen Hilfsbedürftigen neue Hoffnung gespendet.

Freundschaft fußt auf Gemeinsamkeiten und davon haben wir im Laufe der Jahre viele entdecken dürfen: Du bist unzertrennbar mit Deiner Heimat im Norden verbunden. Die Freunde und das Glück anderer Menschen liegen Dir stets am Herzen. In der Not reichst Du eine helfende Hand. Deine Beharrlichkeit und das Streben nach Perfektion treiben Dich stets zu neuen Ufern. Trotz all dem Ruhm stehst Du mit beiden Beinen fest auf dem Boden und gehst unbeirrbar Deinen eigenen Weg.

Lieber Jens nebst Family , wir wünschen EUCH Alles Liebe und Gute, Gesundheit und Glück und noch viele Jahre voller freudiger Schaffenskraft!

Möge Dich die Metal-Muse weiterhin überkommen!

Holger, Thomas & das Wacken-Team

P.S.: Wir erwarten Dich dann beim Wacken Open Air 2021.


Grußwort Helmut Schramm

Lieber Jens

Wir gehören in unserer Heimatstadt wohl zu den wenigen Wegbegleitern, die Deinen gesamten Lebensweg mitverfolgen konnten. Viele waren es ja nicht, die sich damals vorstellen konnten, dass Deine Suse und Du es wohl jemals schaffen würden, auf dem unsicheren Feld der Kunst ihr Auskommen zu finden.

Wir freuen uns, dass wir mit kleinen Starthilfen und Aufträgen dazu beitragen konnten, Dir diesen Weg ein wenig zu ebnen. Deine maritimen Motive passten gut in unsere Verwaltungsräume und Deine realistische Arbeitsweise führte zu unserer passend bebilderten Firmen- und Familienchronik über drei Generationen. Solche erste Impulse ziehen ja im günstigsten Fall Folgeaufträge nach sich. Wir freuten uns über jeden weiteren Auftrag, den Du dann von größeren Reedereien erhieltest.

Als Ihr dann Spanien zu Eurer zweiten Heimat machtet und uns davon erzähltet, dass man länger und gesünder leben würde, wenn man der Sonne näher käme, erwachte auch bei uns der Wunsch, uns dort im Mittelmeer-Raum umzusehen. Gerne denken wir an unsere Gespräche bei Paella und Sangria in Alicante zurück. So wurde dann Portugal für uns, was Spanien für Suse und Dich bedeutete.

Die neuen Einflüsse durch Deine spanischen Kollegen und Deinen Lehrer Professor Schlotter veränderten Deine Sichtweise und Deine Bilder. Und sie änderten auch die Distanz zu Deinem gewohnten norddeutschen Lebensraum. Vieles wurde für uns und Deine bisherigen Wegbegleiter immer unverständlicher. Lediglich in den Illustrationen zum "Schimmelreiter" beispielsweise, fanden wir uns noch wieder. Was aber blieb, war der stets freundschaftliche und vertrauensvolle Dialog.

Wer Dich kennt, weiß auch um Deinen Spaß und Deine klammheimliche Freude an Provokationen und Rätselstellungen. Kaum jemand in unserer Stadt kannte Deinen Plan, durch ein ausgeklügeltes Benefiz-Konzept die Strukturen für Krebsbetroffene in unserer Region nachhaltig zu verbessern. Der tiefere Sinn Deiner Wattolümpiade erschloss sich vielen erst, als Ihr neue Palliativ-Zimmer in den Kliniken geschaffen hattet und ein professionelles Krebsberatungszentrum einrichten konntet. Das Überleben Deiner schweren Krebserkrankung hat Dich verändert und das konnte hier bald niemand mehr übersehen.

Deine künstlerischen Erfolge blieben irgendwann auch nicht mehr unbemerkt, lediglich in dieser, unserer Heimatstadt tat man sich schwer damit. Während Gemälde von Dir den Weg ins Landeshaus in Kiel fanden und lebensgroße Bronzeplastiken vor dithmarscher Kirchen und im internationalen Kunsthandel landeten, versagte man Dir eine Würdigung durch die städtische Galerie. Wir haben die Auseinandersetzungen immer mit großem Unverständnis verfolgt.

Umso erfreulicher ist es, dass neue und unvoreingenommene Impulse in unser Rathaus eingezogen sind und man sich entschloss, nach vorne zu blicken und die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Die Corona-Krise macht es zwar nicht gerade einfach, Dein Schaffen so zu präsentieren, wie es angemessen wäre, aber ich bin sicher, dass sich auch hierfür ein kreativer Weg finden wird.

Heidi und ich freuen uns jedenfalls, dass wir ein Stück Deines Weges mitleben konnten.

Dein Helmut


Grußwort Jörn Klimant

 

Wenn ich an Jens Rusch denke........

Lieber Jens,unglaublich aber wahr, wir kennen uns mehr als zwei Jahrzehnte.

Angefangen hat es mit einem ersten Galeriebesuch nicht lange nach meinem Dienstantritt als Landrat des Kreises Dithmarschen.

Geblieben ist eine langjährige Freundschaft.Dabei habe ich Dich stets als streitbaren Geist empfunden, der neben seiner künstlerischen Tätigkeit, die weit über die Kreisgrenzen hinaus Anerkennung gefunden hat, nie das „Drumherum“ in seinem Kreis vergessen hat. Die Entwicklung der kulturellen Landschaft aber auch der scharfe Blick für Unterstützungs- und Entwicklungsbedarf im Kreis jenseits der Kulturszene haben Dich immer umgetrieben.

Zahlreiche Galerieveranstaltungen sowie die Initiative „Lyra“ haben das kulturelle Leben bereichert und Dithmarschen „kulturelle Sahnehäubchen“ verliehen, immer kompetent und liebevoll unterstützt von Deiner Frau Suse. Wie schön, dass diese Seite Deines Schaffens mit dem Dithmarscher Kulturpreis eine angemessene Würdigung erfahren hat, eine Würdigung, die Du häufig vermisst und auch immer wieder eingefordert hast.

Dein soziales Engagement in Einzelaktivitäten zu zerlegen würde den Rahmen dieser kleinen „Laudatio“ für den „Botschafter Dithmarschens“ sprengen. Vielleicht beschreibt die von Dir ins Leben gerufene „Wattolümpiade“ diesen Teil Deines Schaffens besonders prägnant: Die Region und Ihre Menschen im Mittelpunkt, die Bereitschaft, neue Aktivitäten zu starten gepaart mit dem Mut, auch etwas Verrücktes zu tun und dabei Originalität mit Hartnäckigkeit und Ausdauer zu verbinden. Zehntausende Euros hat Du auf diese Weise für die Schleswig Holsteinische Krebsgesellschaft bereitgestellt und dabei ein ernstes Anliegen auf bewundernswerte Weise mit „originellem Blödsinn“ verknüpft; den Mut muss man erst einmal haben.

Dank und Anerkennung für Dich und Dein Wirken im Kreis Dithmarschen mit Resonanz weit über die Kreisgrenzen hinaus. Wie schön, dass die Ausstellung ermöglicht, tiefer einzutauchen in die Person und Persönlichkeit Jens Rusch. Mögen Dir die vielen Besucherinnen und Besucher der Werkschau ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Dein langjähriger Wegbegleiter und Freund!

Jörn


Grußwort Kim Schmidt

 

Lieber Jens,

vor einiger Zeit (ups, ich glaube es ist nun auch schon über 10 Jahre her) lernten wir uns auf dem WOA kennen.

Zusammen mit einigen Künstlern hatte ich die Möglichkeit, auf dem Festival meine Cartoons im Artist-Tent ausstellen. Eine große Ehre für mich, meine bunten Bilder mal neben echten Kunstwerken präsentieren zu dürfen.


Deine Werke fand ich gleich ziemlich cool: Natürlich vom Thema her, und dann diese Lebendigkeit, die Genauigkeit, der Ideenreichtum, die Details, die Farben, das hat mich schon echt beeindruckt.

Noch mehr aber der Mann dahinter: Mit den Jahren haben wir uns ja immer wieder getroffen und uns so ein bisschen näher kennengelernt.

Ich war und bin immer wieder einfach nur erstaunt und fasziniert von deiner Kreativität und was für Projekte du noch so nebenbei stemmst, mal ganz abgesehen von deinem Feldzug gegen den Krebs, den ich sehr gerne unterstütze.

Die Treffen mit dir sind für mich immer sehr interessant und anregend und ich freue mich darauf, dass wir uns bald mal wieder sehen – vielleicht beim nächsten WOA? Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und auf dass du viele deiner Ideen weiterverfolgen und umsetzen kannst.

 

KIM


Grußwort Edgar "Eddi" Huhn

“Am Anfang war das Watt”

Die Klänge der Toccata und Fuge d-moll, von Bach, waren über dem Elbewatt noch nicht verklungen, da wussten wir: "Im Watt liegt die Wahrheit", lieber Jens.

Du bist ein Wahrheitssucher und hast uns Wattikanos zu der Wattolümpiade zusammengerufen. Denn, als Persiflage offenbaren Wattfussball, Tour de Watt und andere Sportarten die Wahrheit und Echtheit ihrer Publikumswirksamkeit. Die Suche nach der Wahrheit ist dein eigentliches Lebenselement. Und Du entlarvst viele Dinge des Alltäglichen und besonderen Events ihres trügerrischen Scheins.

Was steckt hinter den Dingen?

Was steckt hinter der scheinbaren Echtheit? So hast Du die Begeisterung der Massen mit den Wasteland Warriors in Wacken auf das Bild gebannt. Deine Figuren zeigen mir die Echtheit der menschlichen Gefühle, bei den Teilnehmern. Alles, was Du malst, führt mich hinter den realen Gegenstand hinaus, in eine Welt des Überirdischen. Es sind Erfahrungen der Tiefe, des Herzens, die Du mit Deinen Gemälden festhälst und weitergibst.

Mit Deiner “Creatio ex nihilo” – mit Augustin zugleich, lässt Du Dich ins Unsichtbare führen. Surrealismus pur. Das Kennzeichen des Mystikers. Und das Transzendente, was über das Gegenständliche und Irdische hinausführt, wird sichtbar.


Viele Wege bin ich mit Dir gegangen. Von der Ausstellung Tandem, bei uns im Haus, über den erotischen Hexentanz mit Walpurga und dem Besen. Über das Hambacher Fest (blau-weiß-rot) - ein tolles Erlebnis mit Astrid und der Friedensfahne auf dem Deich, bis zu deinen Logenbrüdern. Hier zeigt sich, daß du, als Mystiker, die Geheimnisse der Welt aufs Bild bannen möchtest.

Deine Wege waren gefährlich und sind es auch noch. Wiederum mit Hölderlin:

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

Gefährlich in deiner Malerei, unkoventionell, hintergründig herausfordernd. Gefährlich, weil sie gleichzeitig ein Sturm gegen festgelegte und fixierte Antworten sind. Ein Magier – wie Du einer bist – lebt wohl gefährlich. Großartig,wie Du immer wieder die Entstehung des Gemäldes, ja schon des Gedankens Form gewinnen lässt und jeden Pinselstrich mit dem Betrachter zusammen – nachdenklich – vollziehst.

Gefährlich auch im persönlichen Bereich, weil Du immer an die Grenzen deiner verfügbaren Kräfte gehst. Wir freuen uns auf die Vollendung des Corona-Bildes. Nicht umsonst haben wir das Watt zur Kathedrale ernannt. Ebbe und Flut – Wasser kommt, Wasser geht! Ewige Wiederkehr des Gleichen – Hinweis auf die Ewigkeit.

Dein Eddi


Grußwort Prof. Dr. Joachim Krause

 

Lieber Jens,

ich glaube das erste Mal sind wir uns im King George in Heide am Markt begegnet, Ende der 60er Jahre. Da sahen wir noch wild und unfertig aus und hatten große Ideen im Kopf. Richtig aufmerksam geworden bin ich auf Dich erst 1975, als Du das von meinem Vater (Waldemar Krause) verfasste Buch „Alte Geschichten aus Dithmarschen“ illustriert hattest. Mein Vater hielt große Stücke auf Dich, nicht nur, weil Du talentiert warst, sondern auch weil er Deinen Eigensinn schätzte. [...] Talent und Hintersinn sind wesentliche Eigenschaften, die Dich seither auszeichnen. Und beide hast Du in einem bemerkenswerten Maße perfektioniert. Dein Talent hast Du als Meisterschüler von Eberhard Schlotter zur eigenen Meisterschaft entwickelt – und zwar in einem Feld, wo die Malerei am schwersten ist: bei der gegenständlichen, realistischen Wiedergabe von Personen, Gegenständen, Räumen, Bewegungen oder Lichteinfällen. Sie ist die Voraussetzung für guten Surrealismus, den Du perfekt beherrscht – und für modernen Realismus, der auch Dein Metier ist und den Du viel zu wenig auslebst. Dein Hintersinn beinhaltet den Blick hinter die Dinge und das Spiel mit der Sprache. Dabei hast Du eine Kreativität entwickelt, die ihresgleichen sucht. Ich habe in meinem Leben selten einen so kreativen Menschen erlebt wie Dich – und diese lässt auch im Alter nicht nach.

In den 80er Jahren hat es uns beide in die große Welt getrieben, Dich nach Spanien, mich nach München, New York, Genf, Bonn, Berlin und Bologna. Aber wo immer ich war, irgendwie blieb Jens Rusch präsent. So bot die Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt in den 80er Jahren Deine hervorragenden Graphiken an, die mich faszinierten. Ich habe mir damals die illustrierte Fassung von Theodor Storms Schimmelreiter gekauft und war erstaunt zu sehen, auf welch hohem Niveau ein Künstler aus meinem Dithmarschen diesen Klassiker neu aufgelegt hat. Noch beeindruckender fand ich die Illustrationen zu Goethes Faust, mit dem schwungvollen Titel „auf eigene Faust radiert“. Das war hohe Kunst und ein faszinierendes Spiel mit der Grauzone zwischen Realität und Fiktion.

Wir beide sind zur Jahrtausendwende ein wenig zeitversetzt nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt und seitdem haben sich unsere Wege vielfach gekreuzt. Daraus ist eine tiefe Freundschaft entstanden. In dieser Zeit habe ich erst die ganze Breite Deines künstlerischen Werkes zu verstehen gelernt. Die vielen Schaffensperioden, die schiere Breite der Themen von Carmina Burana bis Wacken, von Arno Schmidt zu Vogelmenschen, von Stelzkühen, maritimem Surrealismus und Freimaurerthemen bis in die Landespolitik. Auch Symbolgemälde mit religiösem Hintergrund waren darunter sowie weitere Fabelwesen wie Walschiffe und diverse, hochwertige Stillleben und surrealistische und realistische Graphiken. Zudem hast Du Dich auch als Bildhauer bewiesen: man muss sich nur den Neocorus in Büsum anschauen.

Daneben hat mich Dein Engagement für kulturelle und soziale Dinge sehr beeindruckt. Die Leichtigkeit, mit der Du lange den Kulturverein Lyra aufgebaut und geführt hast und die hohe Qualität der Künstler, die in Deiner Galerie aufgetreten sind, fand ich ganz bemerkenswert. Daneben hast Du Dithmarschen-Wiki ins Leben gerufen und die Wattolümpiade eingeführt und zu einer Geldmaschine für soziale Zwecke werden lassen – neben weiteren, teilweise großen Events, die alle das Ziel hatten, Mittel für den Kampf gegen den Krebs einzuwerben. Auch hier galt und gilt meine Bewunderung Deiner Kreativität sowie der Ausdauer und Beharrlichkeit, mit der Du diese Projekte initiiert, organisiert und durchgezogen hast – obwohl Du selber durch eine Krebskrankheit gezeichnet und geschwächt bist.

 

Der 70. Geburtstag sollte Anlass zum Anhalten und Zurückschauen sein. Ich denke Du kannst stolz auf das sein, was Du in den fünf vergangenen Jahrzehnten geschaffen hast. Es ist ein Oeuvre im wahrsten Sinne des Wortes von einem Maler, der nicht den gerade aktuellen Publikumsgeschmack sucht, sondern der das malt, was ihn umtreibt. Und von einem Menschen, der sich mit außerordentlicher Energie sozialen Projekten widmet. Du bist ein Künstler und Mensch, zu dem nicht nur Dithmarschen, sondern ganz Schleswig-Holstein heraufschauen sollte und dessen Freund zu sein mich stolz macht. Bleib wie Du bist – und zwar noch recht lange.


Grußwort Michael Thomas Holstein

 

Jens Rusch, ein Künstler, ein Maler, ein Gestalter und vor allem ein Mensch, Freund und ein Bruder dem ich vor Jahren persönlich begegnen wollte.

Seine Werke hatte ich im Internet gesehen und diese haben mir sofort gefallen. Jens hat das Handwerk der Gestaltung sehr gründlich erlernt und zu seinem Lebensweg gemacht. Er drückt mit seiner Arbeit aus, was er fühlt und was ihn bewegt. Das macht Jens präzise und in einer symbolträchtigen Art, wie ich es bei kaum einem anderen Künstler kennengelernt habe. In seinen Bildern spricht er zu mir, er zeigt Situationen und erzählt Geschichten in denen ich lesen kann.

Als Mensch und Freund sehe ich Jens als ein Vorbild. Er gibt unerschöpflich, er sorgt sich und hilft in allen Bereichen seiner Möglichkeiten, oft ohne jeden Eigennutz oder Erwartungen. Ein multitalentierter Künstler, der die Gestaltung und sein künstlerisches Schaffen als Therapie für sich sieht. Die Ergebnisse seiner Arbeit faszinieren viele, die nicht nur die Bilder sondern auch den Künstler als Mensch kennen. Von Kunst allein kann der Mensch nicht leben. Das habe ich für mich schon lange erkannt. Daher gab es für mich nur eine Konsequenz. Einen Rusch zuhause und einen Jens im Herzen.

Zu deinem 70. Geburtstag und zu deiner Retrospektive wünsche ich dir lieber Jens alles Gute und das deine Wünsche in Erfüllung gehen.

Herzlichst, Michael Thomas Holstein



Grußwort Katharina Papke [Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft]

Lieber Jens,

zu Deinem 70. Geburtstag wünsche ich Dir von Herzen das Allerbeste, Gesundheit, Frohsinn und weiterhin Deinen Humor und Deine unbeschreibliche Kreativität, die Du in Dir trägst und in jeder Begegnung und jedem Gespräch zum Ausdruck bringst.

Du engagierst Dich seit 2004 in allerhöchstem Maße für die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft und für Betroffene im ganzen Land. Ich erlebe Dich in unserem Arbeitsalltag als einen in höchsten Maße engagierten ehrenamtlichen Helfer der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, der die Versorgungsstrukturen für Krebsbetroffene im ganzen Land in den letzten Jahren maßgeblich mit gestaltet und gefördert hat.

Dass wir an der Westküste die ambulante Krebsberatung für Familien mit Krebs stetig weiter ausbauen und anbieten dürfen, haben wir zu großen Teilen Dir und Deinen Freunden und Förderern der Wattolümpiade zu verdanken. Du setzt Dich beispiellos für Krebsbetroffene und ihre optimale Versorgung ein und Du warst stets durch Deine eigene Betroffenheit ein Sprachrohr und ein Botschafter für die Bedürfnisse von Patienten und Angehörige. Es ist eine große Freude und Inspiration mit Dir zusammen arbeiten zu dürfen.

"Wie schön, dass Du geboren bist"! Wie schön, dass es Dich gibt!

Ich sende viele Glückwünsche, auch im Namen aller zahlreichen Menschen, die mit Dir und durch Dich mit der Krebsgesellschaft verbunden sind.

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem 70. Geburtstag, lieber Jens!

Katharina Papke

Geschäftsführerin

Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft e.V.


Grußwort Rainer Keiemburg

Ich möchte diesen besonderen Anlass nutzen, um mich bei dir zu bedanken. Nicht nur für unsere Freundschaft und die vielen interessanten Gespräche welche ich mit dir führen durfte und die mich immer wieder zum Nachdenken bewegt haben, sondern auch weil du mir immer wieder zeigst, dass es Menschen gibt, welche sich für andere einsetzen. Humanität und auch altruistisches Verhalten sollten in jedem Menschen tief verankert sein. Da dies leider nicht der Fall ist, freue ich mich immer wieder, wenn Menschen wie Du dieses nicht nur leben, sondern durch ihre vorbildliche und ansteckende Lebensweise andere motivieren auch in diesem Sinne zu Leben und zu Handeln. Ich bin sicher, dass nicht nur dein eigenes Handeln sonder auch deine Art dafür gesorgt haben, dass viele ungewöhnliche Projekte erfolgreich umgesetzt werden konnten und dadurch die Welt ein wenig besser wurde. Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr deinem Vorbild folgen. Was wäre dann möglich, wenn sich alle diese Tugenden zu eigen machen würden.

Bewundert habe ich dich immer für dein Talent, deine Gedanken in großartige Kunstwerke zu verarbeiten. Mit einer Detailtiefe aber auch deiner Ausdruckskraft, schaffst du es immer wieder mich in deinen Bann zu ziehen. Ich bin dankbar, dass ich ein paar kleine Werke von dir bei mir habe. Vor allem das Bild, welches du zu meinem Abschied gemalt hast und die wunderbare Bronze werden mich für den Rest meines Lebens begleiten. Nicht nur die Bilder, sondern auch die Erinnerungen die ich damit verbinde, sind für mich eine große Bereicherung. Als Beispiel möchte ich nur den Moment in deinem Zelt auf dem WOA nennen, bei dem Jutta, du und ich auf dem Boden saßen.

Du, aber auch deine liebe Frau Suse die ich nicht unerwähnt lassen möchte, sind maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass ich in Brunsbüttel eine zweite Heimat gefunden habe. Dafür möchte ich mich aus tiefstem Herzen bedanken.
Ich danke dir, dass ich dich meinen Freund nennen darf und freue mich auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen.

Herzliche Grüße

Rainer


Grußwort Wattikan

Der Groß-Vater aller Wattolümpiaden wird 70!

Man darf wohl von Fügung, Schicksal, vielleicht sogar von einem Tag für die Geschichtsbücher sprechen. Als wäre es gestern gewesen, ist uns dieser Abend des 21. Januar 2004, als sich unsere Wege zum ersten Mal kreuzten, noch bildhaft in Erinnerung. Du hattest Dir ein paar Wochen zuvor, frisch dem Sensenmann von der Schippe gesprungen, in den Kopf gesetzt, die alte Idee von der „Wattolümpiade“ wiederzubeleben.

Nun also dieses Planungstreffen im noch jungfräulichen Jahr 2004. Der eine von uns, Olli, kam an jenem Abend ins altehrwürdige Sportcasino an der Goethestraße, um seine „JuLis“ als Mannschaft anzumelden. Der andere, Michael, weil er eine Internetseite für die Wattolümpiade bauen wollte.

Wie blauäugig!

Denn wir beiden Mittezwanziger hatten die Rechnung ohne Dich gemacht. Wir wussten damals, noch mächtig grün hinter den Ohren, nicht: Wer auch immer zu Dir mit „klugen“ Ideen kommt, der „hat den Job“.

Der Rest ist Geschichte: Keine drei Monate später waren wir Vorsitzende des frischgegründeten Wattolümpiadevereins. Du hattest Dir an jenem Abend im Januar 2004 klammheimlich „Dein“ Team gebaut.

Das Sportcasino war schon wenige Wochen nach diesem Abend Geschichte, in Schutt gelegt, um Platz für ein Neubaugebiet zu schaffen. Doch schneller als ebendieses wuchs das, wofür Du an jenem Januarabend mit Deinem einnehmenden Wesen den Grundstein gelegt hattest: die „Wattolümpiade der Neuzeit“.

Du sagst es selbst immer mal wieder und, ja, durchaus treffend: Ohne diese Begegnung wäre Deine fixe Idee aus dem Krankenbett wohl eine fixe Idee geblieben und die Wattolümpiade wahrscheinlich nie zu dem geworden, was sie binnen kurzer Zeit wurde und noch heute ist: Deutschlands größtes schmutziges Benefizspektakel.

Es ist – seien wir ehrlich – sonst gewiss nicht Deine Art, aber in diesem Fall bist Du relativ zügig einen Schritt zurück in die zweite Reihe getreten. Du hast uns euphorische Jungen einfach machen lassen, in der Überzeugung, dass Deine Idee bei uns in guten Händen ist: bei Olli als gewitztem Wattkampfleiter, dem es gelang, Wattleten aus aller Herren Länder zu begeistern, sich noch enthusiastischer in den Schlick zu schmeißen, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen ausgemalt hatten (wurden die Wattleten früher bei den Ur-Olümpiaden überhaupt richtig dreckig?); und bei Michael, der zu Deinem Konterpart im Wortsinne wurde.

So durften wir Dir helfen, einen Teil Deines imposanten Lebenswerks mit Elbschlick und einer gehörigen Portion Anarchismus, den Du uns mit der Wattpsychologischen Lehre beigebracht hattest, zu formen. Das erfüllt uns auch heute, 16 Jahre später, mit Dankbarkeit. Denn die Wenigsten hätten die Größe gehabt, ihr „Baby“ in die Hände zweier halbwüchsiger Naseweise zu legen.

Den Freiraum, der sich so ergab, hast Du genutzt, um Teil 2 Deines Plans umzusetzen: mit dem Quatsch, der da aus dem Matsch gestampft wurde, Sinnvolles für Krebsbetroffene zu tun.

Du erinnerst Dich sicherlich noch gut daran, wie regelrecht besoffen wir allesamt waren vom unerwarteten Erfolg und den zehntausend Benefizeuros, die die Premierenolümpiade im Juli 2004 trotz Schietwetters einbrachte. Und nun peilen wir die Halbe-Millionen-Euro-Marke an… In diesem, Deinem Jubiläumsjahr, hätte sie fallen können. Corona kam dazwischen – Schlamm drüber!

 

Über 440.000 Euro seit 2004 – Geld, das segensreicher kaum eingesetzt werden könnte als für jene, die mit oder besser: gegen den Krebs kämpfen müssen. Davon, auch das wurde uns Jungspunden erst nach und nach bewusst, gibt es eine ganze Menge in der Region. Dir war das damals, frisch dem Sensenmann entfleucht, längst offenkundig, ebenso wie die Schwachstellen, mit denen sich Betroffene hier herumschlagen mussten.

Kaum bewusst dürfte Dir jedoch gewesen sein, dass Du mit Deiner Idee, Strukturen für Krebsbetroffene in Dithmarschen nachhaltig zu verbessern, zum Magneten für all jene werden würdest, die sich mit dieser Sch… Krankheit plagen, nicht selten den Tod vor Augen. Ganz ehrlich: Diesen „Job“ hätten wir nie machen können! Für Dich jedoch wurde er zur Lebensaufgabe, der Du Dich mit einer Leidenschaft und Vehemenz widmest, wie sie, da sind wir sicher, kein Zweiter an den Tag legen würde.

Da hinterherzukommen, ist für uns und andere, die Deine Taktung nicht kennen, manchmal nicht ganz einfach. Denn wenn Dir etwas in den Sinn kommt, dann bist Du nicht zu bremsen. Magst Du hin und wieder auch übers Ziel hinausschießen mit Deinem Tatendrang: Am Ende zählt das Ergebnis, und das gibt Dir meistens recht.

Lieber Jens,

wir ziehen den Hut vor Dir

als unermüdlicher Kämpfer für jene, denen das Schicksal übel mitspielt – ob Krebskranke, Tsunamiopfer oder Refugees; als kreativer Kopf, ohne den die Wattolümpiade ein Event wie jedes andere wäre, austauschbar und wahrscheinlich schon in der Versenkung verschwunden;

als Mensch, der sich nicht verbiegen lässt, aber die Größe hat, auch mal Widerspruch zu ertragen, um daraus schlussendlich Gutes zu formen, und als Freund, der Du uns in den zurückliegenden 16 Jahren warst und hoffentlich noch lange bleiben wirst.

Alles Gute zum Siebzigsten!

 

Michael und Olli


Grußwort Dr. Thomas Thomsen

Lieber Jens.

Heute ist dein 70. Geburtstag. Du musst ihn wahrscheinlich in ganz kleinem Kreise feiern, möglicherweise virtuell. Viele Menschen denken heute an dich, unzählige Menschen! Auf diesem Wege möchte ich dir ganz herzlich zum Geburtstag gratulieren und dir alles Gute für die kommenden Jahre wünschen, vor allem eine stabile Gesundheit. Wir wissen beide nur zu gut, um welch hohes Gut es sich handelt.

Du bist seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert. Du hast unsere Palliativmedizin und unsere Hospizarbeit in nicht messbarem Maße unterstützt. Dafür danke ich dir persönlich ganz herzlich, aber auch im Namen meiner Mitarbeiter und der uns anvertrauten Patienten.

Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag im Kreise deiner Lieben.

Herzliche Grüße,

Dein Thomas

Dr. med. Thomas Thomsen

Chefarzt der Inneren Abteilung

Ärztlicher Direktor

 

Westküstenklinikum Brunsbüttel


Grußwort Jens Binckebank

Mein lieber Jens, ich freue mich, dass Du mich gefragt hast, Dir einige Zeilen zu Deinem Geburtstag zu schreiben. Dass diese ausgedrückte Freude nicht nur eine Floskel ist, sondern tief aus meinem Herzen rührt, zeigen Dir die nachfolgenden Zeilen.

Ich hatte als Kind und Jugendlicher ein ganz besonderes Verhältnis zu meiner Tante Renate Binckebanck und ihrem Sohn Werner, die nur zwei Häuser entfernt von meinem Elternhaus entfernt auf unserem Firmengrundstück wohnten. Wie sicherlich nicht selten, so empfand auch ich mich von meinen Eltern häufig unverstanden und von meinem älteren Bruder drangsaliert. So oft ich konnte, „flüchtete“ ich mich zu meiner Tante und meinem Cousin, bei denen ich mich behütet, verstanden und angenommen wie ein zweiter Sohn und ein Bruder fühlte. Wir verbrachten so viele gemeinsame glückliche Stunden, mit lautem Lachen in deren Wohnzimmer, an dessen Wand rechts neben meinem gewohnten Stuhl zwei Bilder hingen. Zwei kleine Zeichnungen von Dir, mein lieber Jens, aus den Jahren 1983 und 1984. Die eine Zeichnung zeigt einen alten knorrigen Baum und die andere Zeichnung ein Stillleben mit zwei Flaschen, einem Glas und einem Stück Brot.

Da meine Familie nach dem Krieg eine neue Heimat zunächst in Windbergen gefunden hatte, bevor sie 1970 nach Meldorf verzog, kamen auch häufig Windbergener Freundinnen meiner Tante zu ihr zu Besuch, die mittlerweile durch ihre schwere Rheumaerkrankung an einen Rollstuhl gefesselt war. Und ich kann mich noch erinnern, die Anlässe waren wahrscheinlich Zeitungsberichte über Dich, dass die Windbergener Damen sich anlässlich dieser Berichte über den „schmucken Rusch“ unterhielten, der Du damals warst und heute noch bist. Heute Jahrzehnte später, da ich diese Zeilen schreibe, sehe ich mich auf meinem Stuhl bei meiner Tante, neben Deinen Bildern.

1989 starb mein geliebter Cousin mit nur 24 Jahren und das gemeinsame Lachen im Haus erstarb. Nun saß ich häufig auf meinem Stuhl, rechts neben mir, Deine Zeichnungen und vor mir in ihrem Rollstuhl und mit den Jahren immer gezeichneter, meine geliebte Tante, die ich dann bald häufig von ihrem Rollstuhl abends ins Bett brachte. Die Besuche der alten Bekannten und Freunde wurden mit der Zeit weniger. Aber ein Gast kam nun hin und wieder ins Haus, wenn es meiner Tante besonders schlecht ging - meine Tante bat mich dann, sie alleine zu lassen - Pastor Dietrich Stein.

In den Semesterferien im Herbst fuhr ich in den nächsten Jahren mit meiner Tante in die Türkei, da ihr die Wärme und die andere Umgebung „gut“ tat. Hier im warmen Süden gelang es meiner Tante und mir abends noch so manche Stunde, den schweren Verlust zu vergessen und wie früher gemeinsam herzlich zu lachen. Diese Momente der Unbeschwertheit der Seele meiner Tante hielt dann noch wenige Tage nach der Rückkehr nach Meldorf an, an diesen Tagen konnte ich wie früher auf meinem Stuhl neben Deinen Bildern sitzen und laut mit meiner Tante über die Urlaubserlebnisse lachen.

So vergingen die Jahre und an ihrem 58. Geburtstag am 16. Dezember 2000 starb meine Tante plötzlich. Ich nahm Deine beiden Zeichnungen aus ihrem Wohnzimmer an mich und seitdem hängen diese Bilder neben meinem Schreibtisch, in Erinnerung an die glücklichen und traurigen Stunden, die ich mit meiner Tante und meinem Cousin verbringen durfte.

Nun kannst Du vielleicht im vollen Umfang verstehen, was es mir bedeutet, dass Dieter, Du und ich uns in der Auseinandersetzung über das Bürgermeisterbild in Marne angefreundet haben. Ihr habt mich bereits über Jahre für Euch unbewusst und unabhängig voneinander begleitet und dann durfte ich Dieter und Dich als wunderbare Menschen persönlich kennenlernen. Und dies, obwohl unsere, Deine und meine, ersten virtuellen Zusammentreffen nicht gerade auf eine dereinstige Freundschaft hätten schließen lassen. Aber dies zeichnet Dich besonders aus, Deine Offenheit, Deine Hilfsbereitschaft und Deine Zugewandtheit den Menschen gegenüber. Ich habe Dir bei allen meinen Projekten so viel zu verdanken, dass ich gar nicht wüsste, wo ich anfangen sollte und daher möchte ich mich einfach nur für Deine Freundschaft von ganzem Herzen bedanken. Auch dies möchte ich an dieser Stelle noch betonen: Ich bin froh, Suse an Deiner Seite zu wissen.

Mit folgendem Eindruck möchte ich schließen: als ich das erste mal die Treppen hoch zu Eurer Wohnung ging, sah ich links ein Bild, das so viele Erinnerungen in mir wachrief und jedesmal wachruft, wenn ich es sehe, das Bild eines alten knorrigen Baumes …

 Danke für alles, mein lieber Freund!

Dein Jens


Grußwort Dr. Bernd Schmude

Im Geiste sind wir Brüder. Du hast damals, bei deiner Diagnosestellung „Krebs“ sicher auch nicht daran gedacht, dass du einmal deinen 70sten erreichen wirst. Zum Glück bist du ein sehr positiver Mensch und hast dich nie aufgegeben. Wir beide sind „Longtime Survivor“ und stehen an vorderster Front im Kampf gegen den Krebs.

Mit deinem „Kind“ der Wattolümpiade; hilfst du in vielfältiger Form Menschen und Kliniken, auf den Palliativstationen und Hospizen. Mit dem Krebsberatungszentrum Westküste in Brunsbüttel hast du eine Einrichtung geschaffen betroffenen Krebspatienten und Angehörigen eine Anlaufstelle zu geben.

Deine Veranstaltungen „STARK gegen KREBS“, welche im Rahmen der jährlich stattfindenden Wattolümpiade immer in deiner Galerie stattfanden und zu dem du mich am 24.08.2012 zu einem Vortag in deine Galerie geholt hast, hat dann bei mir den Funken gezündet, dass es gut wäre einen bundesweiten Verein STARK gegen KREBS ins Leben zu rufen. Und so geschah es dann, dass am 16.02.2013 von mir der gemeinnützige Verein STARK gegen KREBS e.V. in Frankfurt gegründet wurde, dessen 2ter Vorsitzender du seitdem bist. Bei unserer Gründungsgala am 20.04.2013 mit vielen Künstlern kam zum ersten Male eine nicht unerhebliche Spendensumme dafür zusammen.

Mein lieber Jens, ohne dein Engagement für Krebspatienten in und um Brunsbüttel würde es den Verein nicht geben. Du bist ein unermüdlicher Kämpfer für unsere Sache, was leider nicht immer von allen gesehen wird. Die Gelder, welche du bisher mit den Veranstaltungen für diverse Projekte gesammelt hast, können sich sehen lassen. Manch eine Veranstaltung von Prominenten kommt nicht an deine Leistungen heran.

Jens, wir beide bleiben STARK gegen KREBS und werden sicher noch viele Jahre an vorderster Front weiter kämpfen für die gute Sache! Lass dich schön feiern, leider durch ein Virus etwas eingeschränkt, aber in Gedanken bin ich an deiner Seite!

Dein dir treu verbundener Bruder Bernd


Grußwort Rainer Schmidt-Arkebek

Künstler, Wegbegleiter, Freund

Unsere Wege, lieber Jens, kreuzten sich in Heide. Wir waren jung und beeinflusst vom Geist der 1968er Jahre, eine besondere Zeit in jeder Hinsicht, die geprägt war von Fragen, Plänen und Ideen. Und wir teilten schon damals unser tiefes Interesse an der Malerei.Mit großem Talent und intensiver sowie konzentrierter Auseinandersetzung mit der Malerei hast Du es nun weit gebracht. Und eben dazu gehörten vielerlei Fragen, Pläne und Ideen. Vieles, wenn nicht schon alles, was du geleistet, angestoßen oder geschaffen hast, wurde andem heutigen Tage beschrieben und benannt.Deine Biografie ist ein Teil Deines Wirkens, und Deine Werke sind ein Zeugnis Deines Schaffens.

Dazu wurde bis heute in verschiedenen Medien Vieles geschrieben und berichtet.Mein persönlicher Blickpunkt, gestatte mir dies, richtet sich zu diesem Anlass auch auf die Frau an Deiner Seite, die hochgeschätzte liebe Suse. “Ich war wohl klug, dass ich Dich fand“, so lautet der Titel einer Buchausgabe des Briefwechsels zwischen dem gebürtigen Meldorfer Dichter Heinrich Christian Boie (1744-1806) und seiner ersten Frau Luise Mejer, die die große Liebe des späteren Landvogts von Süderdithmarschen war. Diese Worte dürfen wohl auch wir unseren Frauen widmen, wenngleich das Zitat eigentlich von Matthias Claudius stammt, der diesen Satz wiederum an seine Frau richtete.

In den dunkelsten Tagen Deines Lebens durfte ich erleben, wie fürsorglich und zärtlich Suse um Dich bemüht war. Die wunderbare Verlängerung Deines Lebens verdankst Du der Kunst, der Medizin, Deinem trotz schwerster Krankheit ungebrochenen Lebenswillen, aber ganz sicher auch der großen Liebe Deiner Frau. Dem Künstler ist sie Partnerin und dem Kranken liebender Beistand. In diesem Zusammenhang habe ich die Musik Beethovens, das Finale des „Fidelio“ im Ohr: “Wer ein solches Weib gefunden, stimm ́ in unsren Jubel ein, nie wird es zu hoch besungen, Retterin des Gatten sein. “Und wirklich, lieber Jens, wie der Phönix aus der Asche wurdest Du neu geboren und bist erstarkt.

Du bist weiterhin der Initiator, Motor und Teilhaber bedeutender kultureller bzw. gesellschaftlicher Vorhaben. Dein soziales Engagement im Kampf gegen den Krebs ist beispielhaft und vorbildlich.

Meine uneingeschränkte Bewunderung gilt dem Künstler, dem charismatischen Menschen und dem Humanisten, meinem Freund Jens Rusch.

Ich wünsche Dir Kraft und Erfolg bei all Deinen Aufgaben bzw. Arbeiten mit Suse an Deiner Seite. Mögen zudem weiterhin Fragen, Pläne und Ideen Dich im positiven Sinne beschäftigen oder gar stärken. Auch seien Dir weiterhin Lebensfreude und das Gefühl wahrhaftigen Glücks bei Deiner künstlerischen Arbeit bestimmt.

Dies wünscht Dir Dein Malerfreund Rainer Schmidt-Arkebek mit Ehefrau Uschi.

P. S.: Brunsbüttel, Dithmarschen und Schleswig-Holstein haben Dir zu danken, ich danke auch Dir!

Arkebek, den 26. April 2020


Grußwort Gerd Scherm

 

Lieber Jens,

man muss sich nicht in die Augen schauen, um sich nahe zu sein.

Wir beide sind zusammen aufgewachsen, obwohl wir immer hunderte und tausende Kilometer voneinander getrennt waren. Wir sind uns in all den vielen Jahren nie persönlich begegnet, und doch haben wir die gleiche Musik gehört, die gleichen Träume geträumt, die gleichen Hoffnungen gehegt.

Es ist dieses Denkfühlen, das uns verbindet: Weiter als die Realität gedacht und gefühlt. Diese Art zu sehen, wohin uns die Gedanken führen, wenn wir nur mutig genug sind. Wenn man sich beim Erinnern lächeln kann, hat man nicht alles falsch gemacht. Und ich lächle oft, wenn ich an unsere gemeinsamen Projekte denke – von der Pegasus-Anthologie über das Manifest der Stelzvögel bis zum Wasteland Warriors Art Calender 2017.

Oder auch an Situationen denke, in denen Dir Herz und Mund und die Finger auf der Tastatur übergegangen sind. Zu Deinen vielen Talenten zählt Deine Fähigkeit, Dich rigoros zu ärgern. Und dazu hat Dir das Leben wahrhaft häufig Anlass gegeben. Manchmal, wenn Du wieder einmal die Kartoffeln mit dem Presslufthammer ausgegraben hast, konnte ich Dich „einfangen“ und beruhigen, obwohl ich doch der Jüngere von uns beiden bin – ein halbes Jahr!

Das Gute bei solchen unerfreulichen Anlässen war, dass Du Dich immer hast „einfangen“ lassen. Ich weiß nicht, ob Du nach den Stoppzeichen mit Deiner lieben Suse geredet hast oder mit Deinen Jiaogulan-Pflanzen. Auf jeden Fall warst Du jedes Mal wieder sehr schnell in der Spur und hast mit bewundernswertem Elan weitergemacht.

Bleib mir weiterhin erhalten, mein Bruder von einer anderen Mutter und einem anderen Vater. Du bist noch nicht reif für die Unsterblichkeit!

Sei umarmt von Deinem Wegbegleiter

Gerd Scherm


Grußwort Frank D. Müller

Ein großes Datum, und bei deiner Krankheitsgeschichte ein umso größerer Grund zur Freude! Du warst immer ein Kämpfer, der sich auch von einer Krankheit nicht unterkriegen lassen wollte. Ein stolzer, beharrlicher Kämpfer. Von Konstantin Wecker gibt es die schöne Zeile: Freiheit, des hoaßt koa Angst ham, vor nix und neamands. Und ich denke,das passt auch zu dir. Dich konnte nie etwas unterkriegen, sonst wärst du auch nicht da, wo du heute bist.

Wir wissen beide, dass dort, wo der Himmel so unendlich weit ist, der Horizont dennoch gelegentlich sehr begrenzt sein kann. Von einem Kind aus einem kleinen Fischerdorf in Dithmarschen bist du zu einem ungeheuer vielschichtigen, sich gedanklich, technisch und thematisch ständig weiter entwickelnden und neu erfindenden Künstler geworden. Der sich auch von Anfeindungen nie hat unterkriegen lassen und gar nicht anders konnte, als seinen Weg zu gehen.

Es gibt wenige Menschen, die ich so lange kenne wie dich, Jens. Wer wie ich damals mit 16 in Brunsbüttel lebte und mit wachen Augen unterwegs war,der musste früher oder später auf dich stoßen. Sei es die “Ur-Wattolümpiade des Altertums“, sei es das intensiv violett gestrichene Haus im alten Ortskern von Brunsbüttel, wo du damals mit Suse gelebt und gearbeitet hast, oder die gelben Auto-Scheinwerfer, mit denen du einige Monate lang durch Dithmarschen fuhrst, weil deine Lampen in Frankreich kaputt gegangen waren und es dort nur gelbe gab. Und du fandst sie einfach schöner, als grelle, weiße Scheinwerfer.

Oder seien es Autoren, Denker und Künstler, die für mich neu waren. Wer hatte in Dithmarschen schon von Carlos Castaneda gehört? Und wer hatte Arno Schmidt gekannt, und auch gelesen? Und das ist im Fall von Arno Schmidt nun wahrlich keine geringe Herausforderung.

Du warst, so scheint es mir, schon damals ein Wanderer zwischen den Welten, und hast überall etwas gefunden, was dich weiter brachte. Die eine Hälfte des Jahres im spanischen Altea, die andere im norddeutschen Brunsbüttel. Du brachtest aus Spanien aber nicht nur neue Radierungen mit–noch heute erwähne ich in meiner Vita mit einem gewissen Stolz, dass ich bei dir das Handwerk des Kupfertiefdruckers gelernt habe -sondern vor allem immer jede Menge neuer Ideen.

Die Wattpsychologie war, so glaube ich, schon immer ein kreatives Spielfeld, um hinter der Oberfläche der Dinge nach einer Wirklichkeit zu suchen, die andere nicht sahen. Dein unermüdlicher Geist wollte erfahren, was “die Welt in ihrem Innersten zusammenhält“, und du hast immer tiefere und vielschichtigere Antworten gefunden. Sicherlich manchmal auch dort, wo du sie selbst nicht vermutet hättest. Das ist etwas, was mich bis heute fasziniert: Dein nie versiegender Reichtum an neuen Gedanken und Ideen. Es ist mir noch nie –oder nur selten...–gelungen, bei einem nächsten Treffen mit dir unmittelbar an etwas anzuknüpfen, wovon du mir einige Monate zuvor begeistert erzählt oder es mir gezeigt hattest. Denn du hast dann immer längst etwas anderes gefunden, was deine Leidenschaft und Fantasie inzwischen entfacht hat. Dass dieses mitreißende Feuer einfach nicht aufhört, in dir zu lodern –großer Respekt.

Jens, du hast ein wahrhaft beeindruckendes künstlerisches Werk geschaffen, aber (dank der vielen Mitstreiter) mit den Erlösen aus der Wattolümpiade auch ein anderes Werk von enormer Bedeutung und Ausstrahlung: die Beratungsstellen für Krebserkrankte. Auch hier ist es euch mit enormer Beharrlichkeit gelungen, etwas zu schaffen, was vorher kaum vorstellbar war: Über diese Beratungsstellen ein Netzwerk aufzubauen, in dem Betroffene eine Anlaufstelle finden und weniger allein gelassen sind. Auch dafür großen Respekt.


Grußwort Stephan Mohrdieck

Jens Rusch gibt als Kulturpreisträger und Botschafter des Kreises Dithmarschen nicht nur seiner Heimat eine unverwechselbare kreative Stimme, sondern er steht mit seinem ehrenamtlichen Engagement besonders im Kampf gegen Krebs auch für die Menschen ein. Sowohl als Künstler als auch ehrenamtlich Engagierter ist er weit über Dithmarschen hinaus bekannt und geschätzt.

Kunst und Leben – Arbeit und Ehrenamt – für Jens Rusch gibt es keine Trennung. Universell ist seine Schaffenskraft und ungebrochen ist sein Lebenswille.

Sein unverwechselbares Werk zeigt einen facettenreichen Künstler: Seine Porträts von Menschen, von Landschaften und Orten in Dithmarschen, Themen wie das Wacken Open Air, Bücherillustrationen wie zu Theodor Storms „Schimmelreiter“ oder zu Arno Schmidts Werk, Radierungen zu Goethes „Faust“ sowie die Plastik des Neocorus an der Büsumer Kirche. Diese Vielfalt und sein Können lassen uns auch Jens Ruschs Werk stets neu entdecken.

Jens Rusch geht es auch darum, Menschen für eine Sache zu begeistern und zusammenzubringen wie als Initiator der Wattolümpiade. Dabei bewegt er mit seiner Kunst und seinem Engagement sehr viele Menschen.

Die Retroperspektive zum 70. Geburtstag im Elbeforum kann wegen der Corona-Pandemie leider nicht stattfinden. Aber auch in dieser besonders schwierigen Lage lehrt uns sein Werk – Kunst überwindet Grenzen und verbindet die Menschen – auch in Zeiten des Social Distancing. Kreativität und Lebensmut finden immer einen Weg und überwinden Hindernisse. Das lebt Jens Rusch vor und ermutigt dabei andere.

Dankeschön, lieber Jens, für Deine unerschöpfliche Kreativität und Energie. Daraus sind großartige Werke entstanden und ein tolles Engagement ist gewachsen.

Ich gratuliere Dir sehr herzlich zum 70. Geburtstag. Vor allem wünsche ich Dir alles Gute und Gesundheit sowie weiterhin unerschöpfliche Kreativität und viel Erfolg für Deine Kunst.

Liebe Grüße

Stefan Mohrdieck

Landrat


Grußwort Sönke Dwenger

Jens Rusch ist ein Mann voller Geschichten. Klar, dass ich als Redakteur der Brunsbütteler Zeitung/Dithmarscher Landeszeitung unzählige Male über ihn geschrieben habe.

Kennengelernt habe ich Jens im Herbst 1987. Meine damalige Chefin, Christiane Sengebusch, schickte mich nach Brunsbüttel-Ort, um ihn zu befragen, welche Projekte er denn in jenem Sommer in seinem spanischen Atelier beackert und welche neuen Bilder er im Kofferraum mit nach Hause gebracht hatte. So traf ich den Künstler in seiner urigen Kupfertiefdruckwerkstatt, der ehemaligen Tischlerei von „Opa Meier“, wie der Besitzer liebevoll genannt wurde.

Dies war eine neue Welt für mich - der durchaus charismatische Maler mit dem langen, dünnen Zopf wirkte wie von einem anderen Stern. Beeindruckend sein Allgemeinwissen, seine Ausdrucksweise und Umgangsform, sein facettenreiches Werk, seine Schaffenskraft und vor allem sein Ideen-Reichtum und seine oftmals ungewöhnlichen Marketing-Strategien und Denkansätze.

Noch einmal ganz anders kennengelernt habe ich Jens Rusch gut zehn Jahre später. Fast jeden Tag auf dem Weg zum Mittagstisch fuhr oder ging ich in der Koogstraße an seinem Atelier vorbei. Irgendwann ließ mich ein für die Brunsbütteler Einkaufsstraße ungewöhnlicher Sound aufhorchen: Der Meister nutzte die „Siesta“ dazu, seine blaue Elektro-Gitarre aus Jugendtagen jaulen zu lassen. Ich erinnere mich vor allem an „All along the watchtower“ von Bob Dylan.

Gleich beim nächsten Pressetermin sprach ich Jens darauf an, denn ausgerechnet zu der Zeit hatte auch ich meine alte E-Gitarre abgestaubt und wieder Interesse am Musizieren gefunden, damals zusammen mit meinem Brunsbütteler Freund und Keyboarder Uwe Hermann, der zufällig auch ein alter Kumpel des Malers war. Damit begann im August 1998 eine unglaublich spannende, aufwühlende und prägende Zeit, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat: die schönen Jahre unserer Rock-Band „Rust Never Sleeps“ (RNS), inspiriert von Neil Young.

Jens und ich fuhren zusammen los, um neue Gitarren und Verstärker zu kaufen und feierten dies mit einem gemeinsamen Essen. Unser allererster Auftritt – nur mit geladenen Gästen – am Sonnabend, 22. Juli 2000, in der Galerie Rusch war ein für mich unvergessliches Erlebnis. Seine damalige Druckerei am Gutenbergring funktionierte Jens schnell zu einem tollen Probenraum und musikalischen Schmelztiegel der Schleusenstadt um.

[...]

„Rust Never Sleeps“ existierte in unterschiedlicher Besetzung weiter bis September 2015. In meinem Herzen bis heute.

Alles Gute im neuen Lebensjahr, lieber Jens! Long may you run.

Dein Freund Sönke


Grußwort Björn Both

Ich habe mich seit unserer ersten Begegnung immer gefragt, wo nimmt dieser Mann das nur her? Dieses Talent, die Genauigkeit und nicht zuletzt diese unfassbare Akribie, die Du in Bilder steckst, für die Andere ein ganzes Leben bräuchten. Dieses sich Hineingucken in die vielen Ebenen, Schichten und Geschichten deiner Bilder, die immer was sollen - oder besser - wollen, zeichnet deine Bilder aus. Sie tragen immer eine Geschichte in sich, einen philosophischen Überbau, den in seiner Gänze zu erklären, wahrscheinlich genauso so lange dauert, wie die Erschaffung des Werkes selbst.

An unsere erste Begegnung erinnere ich mich noch sehr genau. Es war im August 1996 im Haus von Andrea und Holger Krehky. Wir waren dort im Studio gerade mit unserer Band „Late September Dogs“ eingezogen und konnten von dort aus für die nächsten Jahre wunderbar agieren. Und in einer für mich neuen Umgebung, nämlich Dithmarschen, warst Du, als Freund von Holger, dort zu Besuch. Mir schwirrte zu der Zeit gerade für einen Song, der Begriff des „stirntätowierten Wahrheitswächters“ im Kopf herum. Nur hatte ich noch keinen solchen gefunden, ohne das Klischee eines alten Indianers zu bedienen. Und dann begegnete ich Dir und ich sah Dich. Ich meine, ich sah Dich. Und wir sprachen. Und ich sah Dich immer mehr. Und am Abend wusste ich: Ich war einem begegnet. Und nicht nur einem Sucher nach Wahrheit. Und dem Wächter über das, was sich dann finden lässt. Ich hatte den Verdacht, auch einem Zauberer begegnet zu sein.

Schon unsere zweite Begegnung war ein Schock. Es war das wohl mittlerweile berühmte Foto, welches zeigte, was Du damals im wahrsten Sinne des Wortes am Hals hattest. Mit welcher Kampfkraft und mit welchem Humor Du dem Krebs bis heute in die Parade gefahren bist, ist eben nicht nur ein Wunder, sondern zutiefst auch in Deinem Wesen begründet, ein Freigeist zu sein, der den Kampf aufnimmt, körperlich und auch intellektuell, gegen Mächte, die größer sind als wir selbst. Dieser Kampf und Alles, was Du ab dem Zeitpunkt gemacht, getan und erschaffen hast, hat mich bis heute sehr beeindruckt. Und ich traue mich zu wissen, dazu gehört in erster Linie ein tapferer Partner, eine starke Liebe, die diesen Kampf mit durchsteht und, nicht nur manchmal, die fehlende Kraft gibt.

Und deshalb darf, meines bescheidenen Erachtens nach, in keiner Laudatio, keinem Grußwort wie diesem, Deine Frau Suse unerwähnt bleiben. Ob nun Dein Leben und Schaffen als Künstler, oder darüber hinaus das Wattikan-Team, mit seiner Wattolümpiade, Deine STARK gegen KREBS Organisation, überhaupt Euer gemeinsames hingebungsvolles Engagement rund um die Krebshilfe, nicht zuletzt Eure Galerie mit allem, was dazu gehört - ohne Suse wahrscheinlich nicht mal ansatzweise denkbar.

Um zu guter Letzt, noch einen - zugegeben, etwas konstruierten - Abstecher zur Musikwelt anzustellen: Ein Bild von Dir ist nicht vergleichbar mit einem Popsong. Deine Bilder sind eher große Symphonien. Sie sind Werke, die sich einen Dreck darum scheren, gefallen zu wollen. Sie wollen verdammt nochmal gemalt sein. Die Geschichten wollen erzählt sein und zwar genau auf diese Weise. Auch wenn es nie einen Betrachter geben würde. Und da sitzt vielleicht eine Parallele. Denn das will ein guter Song auch. Gesungen sein. Auch ohne das ihn jemand hört.

Deine Bilder sind große Handwerkskunst, was sie allein aber noch nicht zur Kunst macht. Dorthin erhebt sie erst die Tatsache - so habe ich bis heute jedenfalls immer den Eindruck - dass Deine Bilder, als Träger einer Wahrheit, auch so funktionieren, dass sie eben auch Dich diese Wahrheit im Prozess des Zeichnens und Malens erst finden lassen. Das Du Dich rasend in die Erkenntnis hinein malst. In die Wahrheit. Und das, mein Lieber, ist dann definitiv große Kunst.

Todesangst in soviel Entschlossenheit, Engagement und eine Schaffenskraft und zu transformieren, die so schier unerschöpflich ist, dass Du wahrlich sieben Leben bräuchtest, dass ist zutiefst beeindruckend und weißt Du, lieber Jens? Spätestens da kommen Suse und der Zauberer ins Spiel .. Simsalabim…

Wir sind uns in den letzten Jahren dann glücklicherweise immer mal wieder in verschiedenen Projekten begegnet, meistens über unseren gemeinsamen Freund Jürgen „Marcator“ Petersen. Auch durfte ich mit meiner damals neuen Band auf Deiner Wattolümpiade spielen und darüber hinaus, hat der gemeinsame Draht zum Wacken OA unseren Kontakt nie abreißen lassen. Gleichwohl er sicherlich über die Zeit hier und da hätte mehr sein können. Aber gute Freunde fangen da an, wo sie neulich aufgehört haben. Und Du, mein lieber Jens, bist ein Freund, mit dem ich genau das kann ..

Dein alter Freund Björn Both  | Santiano


Grußwort Dr. Klaus Jork

 

(Freund und engster Vertrauter)

Humadevillapiperadiknulla Intebrá lieber Jens

sehr oft habe ich gemeinsam mit Dir unsere Freundschaft leben und Dir dabei zur Seite stehen dürfen.

Dafür danke ich und wünsche Dir viel Kraft für zukünftige Vorhaben.

 

Viel Erfolg,

Dein Klaus


Grußwort Michael Kunkowski

Mein lieber Jens,

Zu Deinem runden Geburtstag gratuliere ich nicht nur als Bürgervorsteher Deiner Heimatstadt ganz offiziell, sondern auch als ein Bewunderer Deiner Kunst und Fertigkeit Menschen mitzunehmen und sie zu begeistern.

All das hast Du, in Deiner langen Schaffenszeit bis weit über die Grenzen der Stadt hinaus, getan.

Gerade die Vorbereitung für Deine Retrospektive hat mir gezeigt, wie trefflich man über die Kunst diskutieren – ja sogar streiten kann.

Ich, als absoluter Laie, finde entweder Bilder schön, Objekte faszinierende oder Techniken bewundernswert. Andere Bewertungskriterien stehen mir nicht zur Verfügung. Ich möchte in der Kunst etwas erkennen, dass mich fröhlich macht. Durch Deine Kunst kannst Du mir diese Fröhlichkeit vermitteln.

Immer wieder staune ich über die Art, wie Du Dich mit Dingen auseinandersetzt und sie dann für jeden verständigen Betrachter erkennbar machst.

Auf einer leeren weißen Leinwand etwas entstehen zu lassen, dass einen Teil Deiner Verarbeitung mit einem bestimmten Thema wiederspiegelt zeugt von hoher Empathie und Wissen über Vorgänge in unserer Welt.

Ich bin mir auch in dieser „Coronazeit“ ziemlich sicher, dass der Überblick über Dein künstlerisches Schaffen im August dieses Jahres „live“ im Elbeforum möglich sein wird.

Hier können die Besucher im gesamten Ausstellungsbereich die von Dir ausgewählten Kunstwerke betrachten und auf sich wirken lassen. Was mich besonders freut ist, dass sich dort sicherlich das eine oder andere Brunsbütteler Gesicht wiederfinden wird. Gerade die Szenen aus und um Deine Heimatstadt herum, die Du so trefflich wiedergegeben hast, werden die Menschen anlocken.

Zu den vielen Besuchern werden sicherlich nicht nur die „Sehleute“ zählen, sondern bestimmt auch die Menschen aus Nah und Fern, denen Du ihre eigene Kreativität entlockt hast. Für Dich und alle Interessierte soll die geplante Retrospektive im Elbeforum Brunsbüttel ein Highlight in diesem außergewöhnlichen Jahr 2020 sein. Ich freue mich darauf.

 Herzlichst Michael Kunkowski

Bürgervorsteher der Stadt Brunsbüttel


Grußwort Günter Ahlf

Verbindungen schaffen - das ist wohl Dein Leitmotiv, unter das ich heute gern mein Grußwort stelle, welches ich zu Deinem 70. Geburtstag an Dich richten darf.

Dabei fing es äußerst bodenständig an. In Deinen jungen Jahren standest Du bei mir vor der Tür: Nach Deiner Ausbildung zum Elektroinstallateur bei einem Unternehmen hier in Brunsbüttel suchtest Du um eine Anstellung an. Und gute Leute wurden nicht nur heute, sondern schon auch damals gesucht! Insofern waren wir froh, Dich bei der Ahlf Elektrotechnik zu unseren Mitarbeitern zählen zu dürfen.

Schon früh haben wir - neben Deiner handwerklichen Seite - auch von Deinem künstlerischen Geschick erfahren dürfen. Und auch dies zählte zum obigen Leitmotiv: An Deiner Schaffensstätte lernten wir über Dich weitere Kreative von großem Rang kennen: so geriet das „Verbindungen schaffen“ für uns zu einer aufregenden Kombination von Handwerk (aus dem die Kunst zu einem Gutteil ebenso besteht) und einem Blick über die Dithmarscher Deichlinie, weit über den malerischen Horizont von Schleswig-Holstein hinaus!

Danke dafür, dass Du uns so in Dein kreatives Netzwerk integriert hast. Wer hätte schon gedacht, dass selbst Ministerpräsidenten in der Rusch´schen Galerie uns in den Arm nehmen, allseits verbunden in einem musischen Miteinander! Ja, das „Verbindungen schaffen“ ist Deine Art, den Horizont zusammenzuhalten.

Lieber Jens, unser Lebensweg stellt schon so lange eine besondere Verbindung dar. Denn selbst mit Aufbau Deiner kreativen Dependance unter Anleitung von Professor Schlotter in Altea, Spanien, wussten wir, das wir in Kontakt bleiben. Die Impressionen, die Du uns seither in vielerlei Formaten hast zukommen lassen, stärkten unsere Gemeinsamkeit.

Nun sind 70 Jahre vielleicht nur eine kleine Station auf einem hoffentlich noch langen, und gerade in diesen Corona-Zeiten möglichst gesunden Lebensweg. Dennoch lässt uns dieser Anlass innehalten, um uns wieder darauf zu besinnen, wie wichtig es ist, dass wir zueinander - ganz unabhängig ob handwerklich oder künstlerisch, sondern vor allen Dingen menschlich - einen Draht, eine Verbindung zueinander haben und halten.

Meine Frau Marita und ich danken Dir dafür, dass wir unsere Lebenswege so miteinander teilen können. Das ist immer ein Geschenk, für das dieses Grußwort einen passenden Rahmen geben mag. Bleib gesund, bleibe kreativ, und bleiben wir alle in herzlicher Verbindung!

 

Günter Ahlf


Grußwort Christoph Bosbach

Jens Rusch zum „70.“

Die Freimaurerei versteht sich als hohe Schule der Toleranz und Brüderlichkeit und eint in diesem Ideal alle Maurer der ganzen Welt. Jedem lässt sie seine eigene Überzeugung und Lebensweisen, aber jeden verpflichtet sie auf die gleichen ethischen Normen. Freimaurerei ist dabei kein philosophisches System, sondern ein Verhaltensmuster für die menschliche Gemeinschaft.Nach diesem Muster und in diesem Muster tief verwurzelt lebend und agierend… so habe ich Dich kennen und schätzen gelernt. Immer agil für die Sache, stets enthusiastisch und niemals resignierend, wie groß der Gegenwind auch manchmal gewesen sein mag.

Mein lieber Jens, Du bist eine Bereicherung für unseren Bund und sicherlich auch für alle weiteren Felder, die sich Deines Engagements erfreuen dürfen.

Alles Liebe und Gute zum 70. Geburtstag!

Christoph Bosbach, Köln


Grußwort Thorsten Wingenfelder

 

Für meinen Freund Jens zum unfassbaren 70ten Geburtstag,

manchmal, sehr selten fürwahr, gibt es Menschen mit seltenen Fähigkeiten und gesegneten Begabungen, auf die wir dann schicksalhaft auf unseren Autobahnen, Feldwegen oder Trampelpfaden des Lebens treffen.

Manche öffnen unsere Augen weit, helfen uns unseren Blick neu auszurichten und oft einen anderen Anlauf auf das Leben zu nehmen.

Manch andere sind Kreuzungen mit vielen Ein-und Ausfahrten, auf denen sich Menschen verschiedenste Art und Weise kennenlernen und kommunizieren. Menschen und Charaktere, die sich ohne diese „ Kreuzungen“ möglicherweise nie so begegnet wären. Nicht selten wird aus diesen Begegnungen heraus eine wunderschöne neue Geschichte geschrieben.

Und so ein Mensch, lieber Jens, neben all deiner wunderbaren Kunst und Magie, warst und bist du für mich. Für all das vermittelte Wissen, die Weisheit und all unsere Gespräche bin ich zutiefst dankbar. Und ja: auch einige erste Begegnungen mit gemeinsamen Freunden, welche auf deinen „Kreuzungen“ stattfanden, haben mein Leben wahrlich sehr nachhaltig bewegt. Das alles macht dich für mich genauso aus, wie dein großartiges künstlerisches Lebenswerk. Und all das, was du auf die eine und auch andere Art geschaffen und bewegt hast, wird wohl die Zeiten überdauern.

Wir sehen uns auf Wacken 2021….lass uns die Unperfekten sein… ; )

Thorsten Wingenfelder


Grußwort Jürgen Petersen

 Es begann alles bei einer Ausstellungseröffnung Mitte der achtziger Jahre in Brunsbüttel. Ich wollte dich fragen, ob du Bilder für die Veröffentlichung einer ‘symphonischen Dichtung’ zu Storms Schimmelreiter malen könntest. Du meintest, schau mal um die Ecke, da hängen sie schon.

Anlass war das bevorstehende 100jährige Jubiläum des Werkes und der hundertste Todestag Theodor Storms. So begann ein künstlerischer Dialog, der viele Jahre andauerte und schöne Ergebnisse zeitigte.

Ich (monsieu le compositeur, wie du immer sagtest) schuf Musik zu deinem wunderbaren Bildband ‘Mundus Pictus’, meiner ersten CD, es folgte die ‘Eiderland Suite’, eine Landschaftsbeschreibung, die dich auch nach Tellingstedt und wieder zu Arno Schmidt führte, und weitere Alben zu denen du Cover gestaltetest.

Ein Höhepunkt für mich war die CD ‘Necromantra’, wo durch die gemeinsame Beschäftigung mit den Negromanten, Alchemisten, der surrealististische und psychedelische Charakter in unseren Werken in Bildern und einem tollen Booklet zur CD zum Ausdruck kommen konnte. Die Auseinandersetzung mit Darwin und der Evolutionstheorie war wieder eine starke Möglichkeit der Kooperation, ebenso die Geschichte der ‘Cimbria’, eines 1883 untergegangenen Auswandererschiffes.

Du warst und bist ist immer der ‘grosse Kommunikator’, der Menschen mit Menschen zusammenbrachte. Ein besonderes Beispiel dafür ist die Talkshow, die ich 10 Jahre lang mit dir moderierte und viele interessante Begegnungen ermöglichte. Ich konnte mich auch revanchieren, indem ich dich mit der Stadt Heide und dem Marktfrieden zusammenbrachte und dein Bild bis heute als Plakat benutzt wird.

Es sollte auch deine Arbeit mit ‘Lyra’ gewürdigt werden und die vielen Konzerten, auch die meinen, die in so intimem Rahmen möglich wurden. Ich denke gerne zurück an die häufigen Gespräche und befruchtenden Diskussionen, besonders auch bei meinen Besuchen bei dir in Spanien. Ich wünsche dir alles Gute und noch viele gesunde Jahre und kreative Momente.

 

Dein Jürgen