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Es scheint an der Zeit. Nach zehn Jahren Bildnerei in der Tradition alter Schlachtenmaler auf dem Holy Ground scheint eine würdige Publikation angemessen. Corona hat jedoch bei uns, wie bei vielen anderen Künstlern ebenfalls, wesentliche Rücklagen aufgefressen.

Weil eine Buchproduktion im Selbstverlag  ein erhebliches wirtschaftliches Risiko in sich birgt, ist es wohl gut, sich nun an eine gute alte Tradition zu erinnern: Ohne die sogenannte "Subscription" wären große Enzyklopädien, Zyklen oder Mappenwerke nie erschienen. Der einst geläufige Ausdruck für eine verpflichtende Vorbestellung ist heute moderneren Bezeichnungen wie "Crowdfunding" oder "Startup" gewichen, meint jedoch das gleiche. Auf Deutsch: Ohne DEINE Unterstützung durch eine Vorbestellung kann dieses Buch nicht entstehen. So einfach ist das.

"Crowdfunding" ist "Subscription"

Glücklicherweise verfügen wir über einige Erfahrung, weil wir auch unsere vorgehenden Bücher im Selbstverlag herausgebracht haben. Beim derzeitigen Kostenstand für ein vergleichbares Buch könnten wir ein Hardcover-Buch mit weit über 100 Seiten auf bestem Papier im Format DIN A4 als Querformat für 29,80 € für Vorbesteller anbieten. Dieser Preis würde dann bis zur Drucklegung gelten.

Da gerade im Druckwesen die Kosten, nicht zuletzt auch die Papierpreise, erheblich anziehen, gehört nicht viel Weitsicht dazu, dass mit der Drucklegung dann der Verkaufspreis erneut kalkuliert werden muss - und der wird dann voraussichtlich deutlich höher ausfallen müssen.

Ohne DEINE Unterstützung durch eine Vorbestellung kann dieses Buch nicht entstehen.

Vorbesteller, also "Supporter" werden im Buch aufgeführt. Sie tragen einen wesentlichen Teil zur Realisierung bei. Wer ausdrücklich nicht genannt werden will, möge es uns per mail bitte rechtzeitig (also vor Drucklegung) unbedingt mitteilen. (Diese Abbildung wird sporadisch aktualisiert.)


Das W:O*Art - Buch

Hardcover auf gutem Papier gedruckt.
Format DIN A4 quer, handsigniert.

Subscriptionspreis

für Vorbesteller / Innen

Dieser Vorzugspreis gilt nur bis zur Drucklegung !

ACHTUNG: Die Auslieferung erfolgt erst nach der Zustellung durch die Druckerei. Die hier automatisch angezeigte Lieferzeit kann ich leider nicht umprogramieren. Einfach nicht ignorieren !

Das W:O*Art - Buch Subscription !

29,80 €

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Screenshots

Die nachstehenden Schnappschüsse zeigen völlig ungeordnet den Layout-Prozess. Anstelle des späteren Textes sieht man lediglich den universellen Blindtext und einige Bildfolgen der Workshops müssen noch ergänzt werden. Die Bildzusammenstellung ist beileibe noch nicht komplett. 

Leseproben

Vor Lektorat !

Faster, Harder, Bunter

Als Jens unseren Holy Ground mit Skizzenblock und Palette betrat, war uns seine Welt noch fremd. In einem Interview, in dem es um seine Tätigkeit bei den „Norddeutschen Realisten“ ging, sprach er damals davon, er fühle sich in der Tradition der Schlachtenmaler aus einem längst vergangenen Jahrhundert. Das machte uns vorsichtig ausgedrückt, zunächst eher skeptisch. Natürlich kannten wir andere Künstler und Illustratoren, die überwiegend Cover für Metal-Bands entwarfen, die auf unserem Festival auftraten, waren auch mit vielen von ihnen in Kontakt. Aber irgendwas war hier anders.
Wir beschäftigten damals wie heute selbst durchaus großartige Künstler und Grafiker, die das Erscheinungsbild des WOA sehr mit geprägt haben. Ohne sie wäre das Festival kaum vorstellbar. Auch war uns durchaus bekannt, dass viele von ihnen Metal-Musik als Inspiration nutzen, ja geradezu benötigen. In den Bildern, die wir von Jens kannten, war davon zu dem Zeitpunkt wenig zu erspüren. Vielleicht haben wir es auch einfach übersehen, denn seine völlig eigene Form eines „norddeutschen Surrealismus“ erschien uns zunächst verwirrend und bizarr. Es hatte schlicht wenig mit unserer Welt zu tun. Dachten wir zumindest.
Aber das sollte sich ändern.
Er begann, uns mitzunehmen. In unserem „Artists Village“ suchte er den Dialog mit Dirk Illing, mit dem er schnell auf einer Wellenlänge war. Beide dachten sich unser heutiges W:O*Art aus und fanden zaghaft einen Weg, die bildende Kunst zu einem festen Bestandteil des Wacken Open Air zu machen. Heute ist diese große Ausstellung auf dem Holy Land ein wichtiger Treffpunkt im Zentrum unserer sozial engagierten Wacken Foundation, mit der wir den Nachwuchs von Metal-Musikern fördern.
Jens suchte also einen völlig eigenen Weg, kehrte den Bühnen zunächst den Rücken und begann, sich die Festival Besucher genauer anzusehen. Er lernte den geistigen Freiraum dieses Festivals zu schätzen, knüpfte freundschaftliche Kontakte und bemerkte etwas, was bislang unbemerkt geblieben war: Unsere Inklusions-Arbeit vollzieht sich weitgehend im Hintergrund, ist dezent und unterstützend, aber keineswegs plakativ. Eigentlich sind Teilbereiche auch gar nicht so richtig darstellbar.
Das war auch für Jens zunächst ein Problem. Wie kann man Gehörlose in einem Ölgemälde darstellen? Ihre Hörhilfen sind bewusst unscheinbar und dezent und von absolut keinem Reiz für einen Kunstmaler. Wie er seine Bildlösungen fand, stellt er in diesem Buch ausführlich dar, da wollen wir nicht vorgreifen.
Ganz ähnlich verhält es sich mit blinden Festival-Besuchern. Wäre da im Hintergrund nicht der Stage-Aufbau von „Blind Guardian“, käme man vielleicht gar nicht darauf, dass er hier Blinde dargestellt hat. Erst auf den zweiten Blick erkennt man dann die Blindenstöcke. Und genau das machte er sich zur Aufgabe: Diesen zweiten Blick beim Betrachter zu provozieren.
Eines seiner ersten Bilder zeigt eine Gruppe von Rolli-Fahrern. Als dann im Jahr drauf diese Gemälde im W:O*Art vorgestellt wurden kamen viele der Dargestellten in die Ausstellung und die Gespräche und Sichtweisen vertieften sich. Aus diesen Inspirationen und Facebook-Workshops und Chats entstanden wieder neue, tiefgreifendere Bildinhalte, aber diesmal im Dialog mit Betroffenen und demzufolge auch weit nachvollziehbarer.
Das Chairwheel-Crowddiving von Lucas war der Zündfunke für eines seiner größten Inklusions-Gemälde in diesem Zyklus. Wären uns vor einigen Jahren die aus hilfreichen Händen geformten Flügel, die die Rollis über die Menge tragen noch spinnert vorgekommen, so erscheint uns heute seine Bildsprache verständlich und nachvollziehbar.

 

Wir sind also wie selbstverständlich miteinander in eine völlig eigene Welt hineingewachsen. Eine Bildwelt, die ohne Wacken nicht entstanden wäre.

Mit diesem Schlüssel zu seiner Bildwelt „erschlossen“ sich auch die bizarren Endzeitstimmungen seiner Freunde der Wasteland-Warriors oder die Unmengen an „Wal-Schiffen“, die er für Sea Shepherd anfertigte und spendete. Sein einziger Lohn war ein ausführlicher Kommentar von Paul Watson, aber der war ihm wohl auch durchaus Honorar genug.
Viel leichter sind Bilder zu verstehen, deren Texte wohl jeder von uns verinnerlicht hat. „Schools out“ von Alice Cooper beispielsweise, wären da nicht diese eigenartigen Schul-“Tüten“. Sein Humor erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick. Martialische Gemälde wie „Sabaton“ sind ja auch eigentlich gar nicht lustig gemeint, dafür haben Metalheads ihre eigene Ausdrucksweise und eine Welt von Metaphern entwickelt. Das erkennt man auch in seiner Hommage an Lemmy, womit wir beim Thema Krebs wären.

Zunächst kaum bemerkt zog er uns in ein zweites seiner kleinen aber für ihn lebensbestimmenden Universen hinein. Erst als er uns bat, seine Wattstock-Konzerte mit unseren Möglichkeiten zu unterstützen, gewann dieser Aspekt auch für uns an Bedeutung.
Für seinen Charity-Einsatz an der Krebs-Front erhielt er nicht ohne Grund das Bundesverdienstkreuz und wurde zum Ehrenmitglied des onkologischen Arbeitskreises der Westküstenkliniken ernannt. Auch in der Metal-Szene gibt es wohl kaum jemanden, in dessen Freundeskreis oder Familie sich dieser verfluchte „Warlord, der seine Gefangenen grausam zu Tode foltert“, wie er es ausdrückt und auch malt., nicht auf irgendeine Weise sein Unwesen treibt. Grund genug für uns, mit ihm gemeinsam in Netzwerk für Patientenautonomie unter dem Label „LAUTSTARK gegen KREBS“ aufzubauen. Auch hierfür hat sich unsere Wacken-Foundation als hervorragendes Kraftfeld erwiesen.

Es gäbe noch so Vieles anzumerken, was sich durch diese ganz besondere Freundschaft auf dem Holy Land entwickelte,. Das meiste davon findet Ihr aber ganz sicher in den Bildern auf den folgenden Seiten.

Mach einfach weiter, lieber Jens - Faster, Harder und Bunter.

Deine lauten Freunde Holger und Thomas


Das Motiv "Wackinger" ist hier für nur 24,90 € im Format DIN A1 erhältlich.

Wackinger

Als uns die gewaltige Horde nordisch anmutender Schildmaiden und schwer bewaffneter Recken auf dem Wackener Waldweg entgegen kommt, ist mir sofort klar: hier drängt sich ein weiteres Motiv auf. Der inszenierte Vorgeschmack auf das Festivalthema für 2023 mit seinen Äxten, Speeren, Schildern und Schwertern marschiert wie selbstverständlich auf das Infield, um den Auftritt ihrer Landsleute und anderer Gruppen aus ihrem Formenkreis zu unterstützen. Das Thema „Vikings“ gehört latent schon lange zum WOA-Flair. Schließlich ist das Wackinger Village die beliebte kulinarische Vergnügungsmeile neben dem Geschehen auf den Hauptbühnen.

Das Thema hatte mich bereits in den zurückliegenden Jahren vor Corona beschäftigt. Meine Gemälde „Bullship“ mit dem Bullenstreit darüber, ob die Wikinger nun Hörner an ihren Helmen trugen, oder nicht und „Odins Kinder“ mit dem Rabennest im Kinderwagen kann man in diesem Buch nachschlagen. So entwickelt sich in den Monaten nach dem Festival mit dem neuen Motiv auch die Idee zu diesem Buch. Als Titelmotiv, und weil es so prächtig zum kommenden Festival passt, kann ich es also sogar formatmäßig in aller Ruhe anpassen.

Während ich die ersten Skizzen erstelle, drängt sich unweigerlich die Netflix-Serie „Vikings“ in meinen Erinnerungs-Fundus. Kein Wunder also, dass Floki und Ragnar Lothbrok irgendwie hindurch schimmern. Rückgreifend auf die tieffliegenden Feuerdrachen im Gemälde „Odins Kinder“ kommt mir dann die Idee, den brennenden Bullhead von einem dieser Feuerdrachen entfachen zu lassen. So ähnlich wie das olümpische Feuer auch bei unserer Wattolümpiade immer von einer kleinen Geschichte umsponnen wird, kleide ich den Grund für das rituelle Entfachen des Bullheads zwischen den Hauptbühnen nun endlich in eine halbwegs plausible Legende. Was liegt da näher, als auch gleich das riesige Gerüst im Zentrum des Festivals zum Katalysator für die anstehende Zeitreise in die Zeit Odins, Thors und Freyas zu bestimmen? Ein gewaltiger Beamer, der das Wacken Open Air zu einem norddeutschen Walhalla werden lässt.

Die Langboote im Hintergrund drängen sich als schwimmende Nightliner auf, als die Wickinger-Shuttles zwischen dem Holy-Ground und Walhalla. Ein perfektes Phantasiegebilde, zu dem nur noch der passende Metalsound fehlt. Auf diesen dürfen wir uns im nächsten Jahr freuen, denn an nordischem Heavy-Metal-Bands herrscht kein wirklicher Mangel.

Ich liege gut im Zeitplan, denn ich habe bereits das erste Gemälde für die W:O*Art Ausstellung im nächsten Foundation-Camp fertigstellen dürfen. Ich bin immer wieder dankbar für die Inspirationen, die mir dieses Festival bietet.

Künstler bedürfen einer unbestimmbaren Fülle an Inspirationen. Musiker schöpfen dabei aus ganz ähnlichen Brunnen am Wegesrand, wie wir Maler. Daher mag es nicht verwundern, dass wir bisweilen durchaus ähnliche oder gleiche Themen mit unserem ureigenen Instrumentarium bearbeiten. Gemeinsam erreichen wir dann die Ohren und die Augen von Menschen, die sich diese Aufnahmefähigkeit bewahrt haben. Illustratoren haben sich dieser Aufgabe ständig zu stellen. Ganz egal, ob es sich um Cover oder Veranstaltungsplakate, ob um Bühnenbilder oder Inszenierungen handelt. Bei Videos oder Filmen wächst dann dieses Konglomerat ganz ähnlich zusammen, wie im Empfinden der Festival-Besucher. Bei mir ist der Weg etwas freizügiger definiert, denn ich habe keine Auftraggeber und kann selbst bestimmen, wie ich etwas interpretiere. Auch deshalb ist mir das WOA ein so willkommener Tummelplatz geworden. Mein Schild ist meine Palette und mein Schwert ist der Pinsel. Auf dem Schlachtfeld der Phantasie kämpfen wir Seite an Seite.

Es ist nicht wichtig, ob der breite Pinsel kraftvoll den raumgreifenden Hintergrund bewältigt wie ein schweres Schwert, oder die filigranen Details im Vordergrund mit feinem Florett geführt werden. Bedeutend ist es auch hier, dass man sich nicht alleine weiß. Jede Schlacht auf der Leinwand ist erst beendet, wenn das Bild signiert wird.

Blind Guardian

Zunächst hatte ich Skrupel, den Hintergrund durch die Symbolik der Metal-Band Blind Guardian zu gestalten. Da drängten sich spontan einige negativ konnotierte Assoziationen wie „Blind man leading blind man“ auf. Als ich dann in der Band-Biographie aber las, dass man tatsächlich Benefiz-Konzerte für Blinde veranstaltet, war die Welt für mich wieder in Ordnung. Solch ein Bandname verpflichtet eben wohl doch.

Den teils unwegsamen Holy Ground mit einem Blindenstock zu ertasten, das war die erste Beobachtung, die mir großen Respekt abnötigte. Aber offensichtlich unterstützt man sich hierbei sehr freundschaftlich. So näherte ich mich also meinen Hauptdarstellern. Beim Malen an der Staffelei bemerkte ich einen winzigen Gegenstand, den ich für eine kleine Taschenlampe hielt, den sich meine Hauptdarstellerin um den Hals gehängt hatte. Das Sehvermögen ist ja nicht bei allen Blinden gleich stark eingeschränkt, dachte ich mir. Möglicherweise unterstützen weniger stark Eingeschränkte auf ihre Weise völlig Erblindete. Da kann dann auf dem Campground ein wenig Licht vielleicht doch noch nützlich sein.

Als diese kleine Gruppe dann im darauffolgenden Jahr meine Ausstellung im Foundation Camp besuchte, wurde ich eines Besseren belehrt. Meine Darstellerin führte uns vor, wie sie mit dem Monokular, denn als solches entpuppte sich die vermeintliche Taschenlampe,

scannte sie in Zickzack-Bewegungen eines meiner Bilder von oben nach unten ab. Dann erläuterte sie uns, dass sich diese einzelnen Scans in ihrem Kopf zu einem Gesamtbild zusammensetzen würden. Das hätte sie in fortwährendem Training von Kindheit an erlernt. Dann erklärte sie uns und ihren blinden Freunden mein Gemälde und mich erstaunte ihre bemerkenswert präzise Schilderung. Die war so ganz anders, wie die eines oberflächlichen Betrachters, der ein Gemälde in der Fülle anderer Eindrücke lediglich „überfliegt“ und schon zum nächsten Bild eilt, ohne eines auch nur annähernd erfahren oder gar verstanden zu haben. Ihre Interpretation war wesentlich näher an dem, was ich eigentlich mit diesem Bild ausdrücken wollte, als ich es gewohnt war. Diese Begegnung hat meinen Respekt vor Menschen, die einen ganz eigenen Weg suchen, sich in dieser Welt zurechtzufinden, erheblich beeinflusst.


Musik für die Tauben

Das gutturale Gekiecher hörte sich fremd an, sehr fremd. So, als sei es völlig egal, wie Andere es wahrnehmen könnten. Irgendwie klingonisch, außerirdisch. Auf dem Metal-Market stand eine kleine Gruppe zusammen, wild gestikulierend und eben auf diese Weise „kiechernd“. Anscheinend hatten sie sich einen Witz mitgeteilt. „Erzählt“ wäre nicht der richtige Ausdruck, denn ich merkte schnell, dass es sich um Taubstumme handelte.

Wenig später sah ich die Gruppe auf dem Infield wieder. Wild tanzend und headbangend, die Gruppe war gewachsen. Ausgelassen „lachend“ und mit frohen Gesichtsausdrücken.

Aber wie konnte das sein? Nun wusste ich ja, dass es sich um Taubstumme handelte. Wie konnten sie die Musik wahrnehmen? Spontan viel mir Grönemeyers „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ und „Der Mann ihrer Träume muss ein Bassmann sein“. Und natürlich war mir auch klar, dass es wohl kaum ein lauteres Festival auf deutschem Boden geben dürfte, als unser WOA.

Einige Tage später hatte ich eine meiner Krebs-Nachuntersuchungen im Uni-Klinikum in Kiel. Eine große Informationstafel im Wartebereich fixierte meine Aufmerksamkeit. Sie zeigte sogenannte Cochlea-Implantate. Das sind winzige Verstärker, die auf den Schädelknochen hinter dem Ohr aufgesetzt oder eingefräst werden. Für sehr tiefe Töne kann diese Art der Schallübertragung nämlich das fehlende oder beschädigte Trommelfell ersetzen. Das erklärte mir so ganz beiläufig, weshalb meine Metalheads einen Teil der segensreich lauten Musik durchaus wahrnehmen konnten.

Ich wollte diese Beobachtung in einem Gemälde ausdrücken. Aber wie stellt man implantierte Teile oder mikrowinzige Hörgeräte dar. Und ist das optisch überhaupt attraktiv? Das ewige Dilemma eines Illustrators. Du willst etwas ausdrücken, was am Ende niemanden interessiert.

Die Idee und die damit verbundenen Unlösbarkeiten schlummerten lange in meinem mentalen Hinterstübchen. Dann stieß ich auf ein digitales Museum mit uralten Hörrohren. Kurioseste Erfindungen. Lederne Steampunk-Helme mit angebauten Höhrrohren, damit Fließbandarbeiter die Hände frei behielten. Ausladende Rohre, die wie die Hörner unseres Bullheads daherkamen und als Gipfel ein militärischer Aufmarsch mit hunderten auf Lafetten montierten, fahrbahre Hörtrichter mit einem Durchmesser von ca. 6 Metern. Die hatte man in Wäldern versteckt, um auf die Geräuschen von Panzerketten aufmerksam zu werden, bevor der Feind einen selbst entdeckte. Ein Universum von Kuriosa also und allesamt bildhaft und darstellbar. Das Bild entwickelte eine Eigendynamik.

 

Gebärdensprache kam nun plausibel hinzu. Als ich dem tauben Beethoven in dieser Symbolsprache unser WOA aufs T-Shirt malte, fiel mir sein Zitat ein: „Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich mehr für die Tauben tun“. Damit stand dann auch das Hintergundmotiv fest und ich konnte meine „Salto de palomas“-Skizzen aus meiner Spanienzeit wunderbar verwenden. Ein Doppelsinn, wie ihn nur unsere schöne deutsche Sprache für denkende Künstler bereithält.


 Rollis

Man darf bei einem Open Air-Festival keine Illusionen haben. Hier werden keine Teppiche ausgelegt oder Sonderwege gepflastert. Es geht über Ackerboden und Wiesen und das ist bereits an trockenen Tagen und für halbwegs rüstige Künstler recht strapaziös. Als ich diese Skizzen anfertigte, habe ich mich mal probeweise in einen Rollstuhl gesetzt. Ich bin mühsam zwanzig Meter vorangekommen um zu erkennen, dass das alleine kaum zu bewältigen ist. Und Wacken ist beileibe nicht immer trocken! Durch Ron Paustian lernte ich damals freiwillige Inklusions-Aktivisten kennen und schätzen, die heute auf fast allen Festivals aktiv im Einsatz sind. Als dieses Bild entstand, war noch vieles im Argen. Stehende Metalheads, die Rolli-Fahrern vor den Bühnen unsolidarisch die Sicht nahmen, sind großen Extra-Podesten mit schrägen Rampen gewichen. Die müssen heute bereits durch die Security verteidigt werden, weil diese Plattformen oft begehrlich von Fotografen erklommen werden. Heute stellen Hersteller gern ihre landroverartigen Prototypen auf diesem Testgelände vor. Aufwändige Rollstühle die fast schon militärisch anmuten, mit Kettenlaufrädern und geländefähigen Rädern. Zudem hat sich die Betreuung durch die Inklusions-Aktivisten auf dem WOA äußerst bemerkenswert entwickelt. Wenn man auf den Wheel-Shields liest „You´ll never roll alone“, kann man nur beifällig nicken.

Oft werde ich gefragt: „Wer um alles in der Welt kauft Dir denn solch ein Gemälde ab?“. Dann muss ich eine Antwort schuldig bleiben, weil ich mir darüber bislang überhaupt keine Gedanken gemacht habe. Das Thema berührt mich, und das ist für mich Grund genug, es auf die Leinwand zu bringen. Es hat mich auch nie losgelassen. Das kann man wohl besonders gut auf dem großen Gemälde „Wheelchair crowddiving“ auf der Seite XX sehen, das 10 Jahre später entstand.


Wheelchair crowddiving

Keines meiner Wacken-Gemälde hat mich mehr in Anspruch genommen, als dieses. Das liegt nicht nur am Format, denn immerhin ist es 200 cm breit, sondern auch inhaltlich. Der Auslöser war eine Aufnahme, die Vincent in einem begnadeten Moment von einem Rolli-Fahrer namens Lucas beim Crowddiving gemacht hatte. (Kleine Abbildung oben rechts) Beide fragte ich nach der Erlaubnis für die Verwendung dieser sensationellen Aufnahme, ganz wie es sich gehört. Bei der Suche nach ergänzenden Szenen dieser Art stieß ich auf ein für mich bis dahin völlig neues Universum: Eine Welt der Ungebrochenen.

 

Ich lernte eine Lebenseinstellung, die ein Erstarken am ungewollten Schicksal zeigt, wie es sich ungeschädigte Menschen wohl kaum vorstellen können. Diese kämpferische Einstellung erweckte in mir ein Gefühl großer Solidarität, denn als Krebs-Betroffener ist mir dieser vehemente Kampfgeist nicht fremd. Wir begannen, einige Szenen nachzustellen. Die durch die Lebensfreude meines Hauptdarstellers Lucas vorgegebene Hauptthematik des Gemäldes, musste nicht inszeniert werden. Sie schien ansteckend zu sein. Und der Nährboden wurde durch tausende von Händen gebildet, die die Rollstühle über ihre Köpfe hinweg zur Bühne hin bewegen. Der wichtigste Booster ist jedoch die laute, definitiv emotionale Musik, laut und eindringlich wie kein anderes Genre. Ich musste mir Gedanken machen, wie man diese Emotionen in Symbole kleiden könnte, in Metaphern, die für Uneingeweihte plausibel erscheinen würden.

 

Wie also mochten sich Rolli-Fahrer in einer solch außergewöhnlichen Situation fühlen und welche Symbole wären in der Lage, dieses ausdrücken? Ich erinnerte mich an eine Empfindung, ein Hochgefühl, das ich immer dann empfand, wenn ich mit meinem geliebten alten Hochrad hoch oben auf unseren Deichen fuhr. Ich nannte das immer „Fliegen für Arme“. Ein unbeschreibbares Bauchgefühl. So oder ähnlich könnten sich meine Protagonisten wohl fühlen, wenn sie von tausend Händen über die Köpfe hinweggetragen werden.
Als ich meine ersten Skizzen in einem Workshop bei Facebook gepostet hatte, erreichte mich eine Kurznachricht: „Lieber Jens, wir sind eine kleine Gruppe von Rolli-Fahrern, die sich einmal in der Woche trifft. Alle sind völlig unterschiedlich beeinträchtigt, einer ist sogar ungehörig gesund. Er ist der Außenseiter unserer Gruppe. Seit Jahren drehen sich unsere Gespräche überwiegend darum, wieviel Bier jede/r von uns verträgt und die kuriosesten Unfälle auf Festivals und andere Banalitäten. Seit wir die Fortschritte an Deinem Bild bei Facebook verfolgen, haben wir endlich ein gemeinsames Thema. Dir müssten die Ohren klingeln, so oft bist Du mit Deiner Kunst Thema unserer Runde. Dafür wollte ich Dir nur kurz mal danken. Auch im Namen unserer Rolli-Truppe.“

Diese und weitere Anmerkungen „beflügelten“ mich an der Staffelei. Man muss Facebook nicht lieben, aber manchmal kann es ganz dienlich sein. Meine erste Metapher hatte ich also alsbald gefunden: Die Flügel, um das Bauchgefühl auszudrücken. Da diese Flügel von tragenden Händen gebildet werden, erschien es mir naheliegend, wenn auch meine Flügel aus Händen gebildet würden. Die Crowd, die Metalheads, die der Bühne zunächst noch mehr Aufmerksamkeit schenken, als dem Geschehen über ihren Köpfen, bildete ich aus Freunden, die ich auf dem Festival kennengelernt habe. Mein bajuwarisches Einhorn Greimi ist darunter zu erkennen und Ana Paulina Araujo die den weiten Weg aus Brasilien jedes Jahr auf sich nimmt, erkennt man sicher unter wieder..

 

Soweit also die Aufschlüsselung der Darstellungsversuche meiner vorgestellten Emotionen der Rollifahrer. Aber auch aus meinem eigenen emotionalen Fundus wollte ich gern eine Metapher in das Bild einfügen: Lemmy, dessen Leben ich seit Hawkwind bis hin zu Motörhead verfolge, wollte ich längst in ein passendes Umfeld einfügen. Seine Lebensweisheit You know I’m born to lose and gambling’s for fools/ But that’s the way I like it, baby/I don’t wanna live forever.“ hatte ihn auf seinen schnellen Krebstod 2015 einigermaßen vorbereitet. Mein Untertitel „Lemmy ist unter uns“ ist also meine Reminiszenz an einen der gradlienigsten und ehrlichsten Heavy Metal-Musiker, dem ich auf dem Festival nur kurz und oberflächlich begegnen durfte.

 


Christina, die auch in unserer Arbeitsgruppe LAUTSTARK gegen KREBS mitwirkt, ist keineswegs die Quotenfrau in meinem Bild. Auch sie drückt mit ihrer Gestik Lebensfreude und Lebensmut aus.

Wie gefährlich das Tragen der Rollis beim Crowddiving ist, wollte ich auch anmerken. Auf der linken Seite sieht man, was passiert, wenn Räder nicht genügend arretiert sind und den helfenden Händen entgleiten. Abreissende Stoma-Behälter können zusätzliche Schreckmomente verursachen.

Eine Sisyphos-Arbeit stellten dann für mich die Unmengen von Händen dar, die symbolhaft wie eine beidseitige Welle die hochhebende Wirkung untermalen sollten. Dabei habe ich tatsächlich manchmal geflucht: „Verdammt noch mal, weshalb suchst Du Dir nicht einfachere Motive“. Solche Momente überwindet man am Besten mit extrem lauter Musik. Auch im Atelier gilt das.


Von Manson zu Cemican

Manchmal nehmen die Dinge einen seltsamen Verlauf. Ich denke, dieser Vorgang ist es wert, einmal etwas ausführlicher nacherzählt zu werden. Er begann mit einem Gemälde über Maryllin Manson (oben links) über das ich mich nach seinem kümmerlichen Auftritt auf dem WOA sehr geärgert hatte. Er war es einfach nicht wert, mit Ölfarbe auf Leinwand glorifiziert zu werden.. Als ich dann 2019 die fabelhaften „Guerreros“ der mexikanischen Metal-Band „Cemican“ kennenlernte, reifte der Entschluss, Manson zu übermalen und mit den prächtigen Ausstattungen dieser Gruppe eine völlig andere Richtung zu geben.

Es kam mir zugute, dass ich noch ein wenig von meinen sprachlichen Kenntnissen herübergerettet habe. Unsere 17 Jahre im spanischen Atelier in Altea schufen aber nicht nur eine sprachliche Brücke. Die Bandmitglieder waren überaus erfreut, dass ich auch ihren kulturellen Hintergrund recht gut verstand. Die Maya-Kultur, die nicht nur ihr Outfit bestimmt, sondern auch ihre Pseudonyme und Text-Inhalte liegt ihnen am Herzen.

Während ich zunächst nur auf die Bühnen-Attribute und Kostüme geachtet hatte, machten sie nun selbst Vorschläge und am Ende landeten alle Mitglieder irgendwie im Bild. Dass ihre Kultur den Manson-Schund nach und nach verdrängte, war uns allen sehr bewusst und wir betrachteten auch diesen marginalen Aspekt als kulturelle, ja kriegerische Kulturleistung. Sicherlich etwas überzogen, aber wir begannen, diese Sichtweise auf spielerische Weise in unsere Dialoge einzubeziehen. So wurde ich ein malender Guerrero.

Ein weiterer Seiteneffekt sollte sich einstellen. Ein anderer Künstler und Herausgeber hatte bereits mit einer Cover-Illustration für das anstehende Cemican-Album begonnen. Jesus Lhysta machte sich Sorgen, dass daraus ein kleiner Konflikt zwischen zwei Metal-Künstlern entstehen könne. Aber das Gegenteil entwickelte sich. 2022 stellten wir sogar gemeinsam in der Wacken Foundation aus.

2020 hätte das WOA eigentlich unter dem Thema „Mayas“ gestaltet werden sollen, aber Corona machte uns allen einen Strich durch die Rechnung. Der signierte Kunstdruck, der ursprünglich für eine Krebs-Charity gedacht war, wurde von uns für die Opfer der Ahrtal-Katastrophe gestiftet. Auch das war ja nicht vorhersehbar gewesen. Das Schicksal nimmt manchmal seltsame Konturen an. Gut ist aber, wenn alle Beteiligten im Willen zu helfen übereinstimmen. Fotos: Henryk Michaluk


Veröffentlicht 2018 auf facebook

Jens Rusch

 

Ein offenes Wort an all jene Bedenkenträger, die hier permanent allen auf den Geist gehen, die sich bemühen, ihre Freude am W:O:A-Festival zu wahren und zu verteidigen.

Ich bin ein Vertreter Eures menetekelartig dahergebeteten Feindbildes- einer, der Eure Murmeltiere täglich grüssen lässt.

Ich bin nicht das ganze Jahr schwarz gekleidet, auch nicht bis hinter die Ohren tätowiert und mag ein ganzes Spektrum an Musik. Großgeworden bin ich eher mit Black Sabbath, Geatest Show on earth, und ja - auch mit Frank Zappa und Bruce Springsteen.

Ich delektiere mich beim W:O:A auch eher an der Vielfalt, als an den ganz harten Jungs. Ich mag Judas Priest und Sabaton (die ich gerade gemalt habe), auch Axel Rudi Pell und Fish. Ich kann aber auch Apocalyptica genießen und habe diese auch aus diesem Grund gemalt.

Kurzum, ich verkörpere die Generation, die Ihr für artfremd haltet, eben jene Vertreter des degenerativen Prozesses, den ihr gern aufhalten möchtet.

Dabei habt Ihr eines aus den Augen verloren: Nicht wenige Metalheads gehören ebenfalls zu meiner Altersgruppe. Und ganz und gar nicht wenige haben dieses Alter gar nicht mehr erreicht. Man kann sich also an wenigen Fingern abzählen, dass die Hardliner unter Euch unaufhaltsam aussterben. Es ist eine Frage der Zeit. Ihr habt mitgetrauert, als Lemmy an Krebs starb, auch über all´ die Anderen habt Ihr mitgetrauert, die die Bühne wechseln mussten. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass einer Eurer Helden den Löffel abgibt - und es werden immer schneller immer mehr.

Aber Metall-Musiker wachsen nicht auf Bäumen. Da muss so eine Art Nachwuchsförderung doch eigentlich ganz in Eurem Sinne sein. Aber genau das passiert vor Euren trüben Augen, liebe Freunde. Die Veranstalter offerieren Euch ein ganzes Bündel unverbrauchter, junger Musiker. Und was macht Ihr ? Ihr schreit nach reanimierten Halbtoten, aber Euch unauslöschlich eingebrannten Headlinern - die Euch Unbekannten lehnt Ihr schon deshalb ab, weil Ihr sie nicht kennt.

Ihr sagt, es wäre meine Generation, die den Wacken-Spirit zu Eurem Opfergang gemacht hat. Aber das ist so nicht. Es sind die Intoleranten, denen es an Weitsicht fehlt und die nicht erkennen, dass man ein solch einmaliges Festival mit sehr viel Verstand zukunftsfähig lenken und auch entwickeln muss.

Seid so klug und gebt Eure Karten denen, die nicht mit dem Rücken zur Zukunft stehen. Dann wird Euer Leiden ein Ende haben und diese Gruppe gehört wieder denen, die Gleichgesinnte treffen möchten, denen eine Ausnahmezeit Anfang August ein schrankenloses, wertvolles Refugium in einer ansonsten durch und durch misanthropischen Gegenwart bedeutet.