Gemalte Tierversuche


Vorwort

von Dietmar Wischmeyer

(alias Der kleine Tierfreund)

 

Der Mensch zu Beginn seiner Erfolgsgeschichte auf diesem Planeten sah sich noch als ein Teil der Fauna, versuchte sich sogar mittels bewußtseinsvernebelnder Substanzen in ein Tier zu verwandeln. Schamanen wurden zu Adlern und Löwen - seltsamerweise nie zu Ratten und Kakerlaken. Der christliche Gott setzte diesem Hokuspokus ein Ende, denn er schuf „Mensch und Tier“, zwei dadurch scheinbar gegensätzliche Spezies. Wie sich spätestens seit Charles Darwin herausstellte, ein nicht minder großer Hokuspokus. Erst in der Spätphase seines Verweilens auf der Erde merkt der Affe mit dem Smartphone, daß mehr Tier in ihm steckt, als ihm lieb ist. Und er ist sogar bereit, seinen Vettern aus der Säugetierabteilung „menschliche“ Eigenschaften wie Trauer und Eifersucht zuzubilligen.

In einer älteren über alle Jahrhunderte dagewesenen Tradition stehen seit jeher die Bilder von Jens Rusch: Tiere nehmen dort menschliche Gestalt an, handeln wie diese und stehen archetypisch für menschliche Charaktere. Am deutlichsten wird das in den Märchen und Fabeln. So ist Meister Reineke, der Fuchs ein Hallodri, die Eule stets weise und Isegrimm, der Wolf, ein Krimineller. In Zeichnung und Malerei setzt sich die Archetypisierung fort: von Hans Huckebein bis Donald Duck, von Baghira und Balu bis hin zum außerirdischen Alf und Paulchen Panther spielen Tiere uns Menschen nach. Sie halten uns den Spiegel vor, ohne daß wir uns allzu deutlich darin sehen.

Die menschlichen Tiere von Jens Rusch sind keine Fabelwesen mehr und auch keine Trickfilmhelden. Seine „Vogelmenschen“ zeigen uns radelnde Schnepfen, einen Hühnerhof beim letzten Abendmahl oder einen Storch mit der Bassgeige. Die Vögel haben es dem Maler angetan und bei Jens Rusch haben sie ihre eh schon vorhandene Musikalität weiter entwickelt, die Blaumeise am Akkordeon, der Rabe am Dirigentenpult. Hier sind die Tiere keine Abziehbilder menschlicher Charaktereigenschaften, kein mürrischer Grimbart oder eitler Henning. Ruschs Tiere bleiben Tiere, gerade weil sie sich wie Menschen kleiden und sich in dessen Zivilisation bewegen. Dahinter steckt die Vorstellung, ob nicht auch sie eine ähnliche Entwicklung hätten nehmen können wie wir. War es nur ein Zufall der Evolution, daß wir zu dem wurden, was wir sind, und hätte es nicht auch ganz anders kommen können? Dann würde heute die Amsel die E-Gitarre in Händen halten und wir säßen draußen am Menschenhäuschen und warteten frierend auf Futter.

In seinem neuen Werk zusammen mit Oliver Kieser und Markus Tönnishoff weitet sich die tierische Menschenwelt des Jens Rusch noch einmal aus. Wale haben den Fernverkehr übernommen und segeln durch die Lüfte, eine kreischende Menge Weißkopfadler steht hinter einer Absperrung und reckt menschliche Hände zur Pommesgabel von Wacken. Die Tierwelt von Jens Rusch wurde endgültig zu einer eigenen Schöpfungsgeschichte und hat sich von allem Irdischen gelöst. Wer dieses Buch zur Hand nimmt, wird schnell merken, daß hier drei Phantasten im ursprünglichen Sinn des Wortes am Werk sind. Und nach Ende der Lektüre wird er ahnen, daß die Phantasie weit mehr ist als die Extrapolation des Bekannten, sie ist ein eigenes spannendes Universum, das sich zu betreten lohnt.

Und nun hinein ins Vergnügen!

 

Buchvorstellung voraussichtlich am 12. 9. 2021 am Tag des offenen Denkmals in Tetenbüll / Nordfriesland im Haus Peters.

Dieses Buch erscheint während der Corona-Pandemie und bildet somit ein Konglomerat innerer Migrationen ab, das bunte Dokument einer Flucht. Es sind Bilder, die in einer Zeit entstanden, in der wir begreifen mussten, dass diese Welt nicht immer so ist, wie wir sie gerne hätten.

Aber dieser phantastische Ausflug in der Tradition der Tiernovellen und anthropomorphischen Entsprechungssuche ist keineswegs vorbildlos. Die "andere Welt" eines Grandville delektierte literarische Entsprechungen, sog Kraft aus "Gargantua und Pantagruel" und selbst Rabelais baute seine Phantasien bereits auf Vorbildern auf.

Auch Grandville stellte einer Pandemie seine Phantasien entgegen. In einer Lithographie heißt es: "der Volvox lief vorüber- wie die Cholera von 1833 die Welt aufzehrend."

Honoré Daumier stellte in seiner "Londoner Konferenz" alle beteiligten Politiker durch Tiere dar, denen er entsprechende Charaktereigenschaften zubilligte.

A. Paul Weber konnte seinem Entsetzen über die Machtergreifung der Nationalsozialisten kaum besser Ausdruck verleihen, als durch antropomorphische Entsprechungen. Die Sprachwelt dieser Bilder ist also latent - und begegnete einmal dem politischen Frust, wie auch dem Entsetzen über Kriege und Unrecht. Hieronymus Bosch erfand hierfür bereits um 1500 eine surreale Bildersprache, baute ein bizarres Haus, in dem auch Jens Rusch seine Einsamkeit möblierte.

Grandville lebte nur 44 Jahre und schuf in dieser kurzen Zeit über 3000 Zeichnungen. Eine Explosion phantasievoller Protuberanzen, die nicht verstanden werden konnten. Seine Fluchten und seine Angriffe, seine lithografierten Verzweiflungstaten wurden erst hundert Jahre nach seinem Gang in die Seine einem historischen Kontext zugeordnet. Daran Schuld waren auch destruktive Kritiken von Kollegen und Schriftstellern, beispielsweise von Baudelaire, der mit Daumier befreundet war, den er weit höher einschätze. Ihn nannte er ein "Genie" .Grandville hingegen war für ihn „ein auf krankhafte Weise literarischer Geist, der immer um unzulängliche Mittel bemüht war, mit denen sich seine Gedanken in den Bereich der Bildenden Kunst übertragen ließen."   Der marxistische Philosoph Ernst Bloch  wiederum bezeichnete Grandville als einen „schizophrenen Kleinbürger“, dessen Spott nur „utopischen Unsinn“ hervorgebracht habe.

Irgendwie gehört also das Nichtverstandenwerden zu den Grundvoraussetzungen, denen sich ein Künstler auch heute noch stellen muss. Daran haben Grimms Märchen, Walt Disney und Rudyard Kippling kaum etwas ändern können. Das wusste auch Markus Tönnishoff, als er begann, den "Schöpfungen" von Jens Rusch und Oliver Kieser kurze Parabeln und Satiren an die Seite zu stellen. Ganz ähnlich wie Grandvilles großer aber unbekannter Dichter Kacatogan. So entstand der Buchtitel "Schöpfungsgeschichten" mit dem Untertitel "gemalte Tierversuche". Die Hoffnung, verstanden zu werden, gehört bei keinem der drei Autoren zu einer tatsächlichen Motivation. So sollten denn die "gemalten Tierversuche" auch als Hinweis auf den nicht vorhandenen Anspruch auf Perfektion und Endgültigkeit gesehen werden.

Sehen Sie bitte in dieser Website so eine Art "Sandkiste". Wir erarbeiten ein ungewöhnliches Buchprojekt, zu dem viele Elemente und Fakten zusammengefügt werden müssen. Unser Zeitplan strebt eine Veröffentlichung im Herbst 2021 an.

Unser Bild zeigt die drei Co-Autoren von links nach rechts: Oliver Kieser, Markus Tönnishoff und Jens Rusch.

Schöpfungsgeschichten


Steampunk-Insekten von Oliver Kieser




Wattpsychologische Entomologie


Und dieses geniale Video entwickelte Enza von poliTRON daraus:


Wattpsychologie


Buchprojekt "Schöpfungsgeschichten"

Es gehört zu seinen Wunschprojekten, seit vielen Jahren. Das Universum an Tierphantasien könne nur eine würdige Heimstätte zwischen Buchdeckeln finden. Man solle ein Zirpen vernehmen, wenn man in einer Buchhandlung daran vorbeiginge, Federn und Schuppen sollten hervorquellen wie ein sprudelnder Brunnen nie versiegender Phantasien. So jedenfalls die Wunschvorstellung von Jens Rusch. Auf der Suche nach Partnern, die seinen Kosmos zu teilen in der Lage wären begannen konstruktive Dialoge mit Oliver Kieser und Markus Tönnishoff. So wachsen die Dinge.

Hier eine erste Kostprobe:

Dass Wale sich im Fernverkehr engagieren, wird eher selten beobachtet. Doch in Zeiten des Klimawandels ist das ein löbliches Unterfangen, um im Transportwesen schnell Co-2-Neutralität realisieren zu können. Überhaupt sind Wale überaus sympathische und rücksichtsvolle Schöpfungsteilnehmer: Sie schmutzen nicht, äußern sich selten politisch und singen ausschließlich unter Wasser. Es ist nur schwer nachvollziehbar, dass viele Menschen sich als Haustiere Hunde, Katzen oder mongolische Rennmäuse halten – wohingegen Wale kaum in einem Haushalt präsent sind. Laut aktuellen Umfragen lehnen es selbst Eigenheimbesitzer mit Swimmingpool mehrheitlich ab, sich einen Wal als Haustier anzuschaffen. Unverständlich.                Markus Tönnishoff


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Buchempfehlung

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Pressespiegel


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Mihi quidem Antiochum, quem audis, satis belle videris attendere. Hanc igitur quoque transfer in animum dirigentes.

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Tamen a proposito, inquam, aberramus. Non igitur potestis voluptate omnia dirigentes aut tueri aut retinere virtutem.



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