Eine Kunstausstellung im Rahmen der Heider KulTour Tage in einem Autohaus – geht denn das ?

Und was hat denn das auch noch mit einem Heavy Metal-Festival zu tun? Kunst wirft Fragen auf – und das ist auch eine ihrer Primär-Aufgaben - meint jedenfalls der Künstler Jens Rusch – denn sie stellt Öffentlichkeit her.

Bei dieser Ausstellung wird auch die Neuauflage des Buches W:O*Art vorgestellt, in dem alle Gemälde des Künstlers zusammengefasst werden. Der Reinerlös kommt der Wacken-Foundation in voller Höhe zugute.

So ist denn auch das Festival selbst der große gemeinsame Nenner, denn das Autohaus stellt einen großen Teil des Mobilitätsparks des Festivals. Die Idee zu dieser Ausstellung entstand in einem freundschaftlichen Gespräch zwischen Ulf Jungjohann und Jens Rusch, als dieser um einem Beitrag für die Heider KulTour Tage angesprochen wurde.

Schwerpunkt der akribisch gemalten Bilder des Norddeutschen Surrealisten ist dabei keineswegs ausschließlich das lautstarke Bühnengeschehen, sondern ein wenig bemerkter Aspekt des WOA, der sich kraftvoll im Hintergrund entwickelt hat: die überaus engagierte Inklusionsarbeit.

So zeigt das Herzstück dieser Ausstellung (Foto) mit dem Titel „Lemmy ist unter uns“ beispielsweise Rolli-Fahrer, die sich im beliebten „Crowd-Diving“ über die riesige Menschenmenge auf die Bühne zu tragen lassen. Kein ungefährliches Unterfangen. „Ich habe mich gefragt, wie sich diese Rollifahrer wohl dabei fühlen mögen. Ich selbst bin Hochradfahrer und nenne meine Spazierfahrten auf den dithmarscher Deichkronen „Fliegen für Arme“. Ein ganz ähnliches Gefühl mag auch bei den Rolli-Eskapaden auf dem Festival entstehen. Also malte ich ihnen Flügel. Da sie jedoch von tausenden von Händen getragen werden, stellte ich auch die Flügel aus Händen gebildet dar.“ So entstand also eine der herausragenden Bildideen des Dithmarscher Kulturpreisträgers. Auch den Gehörlosen, die auf dem lautesten Metal-Festival der Welt zumindest die tiefen Schwingungen wahrnehmen können, und den Blinden sind detailierte und inhaltsschwere Symbolbilder gewidmet. Überhaupt scheint es, dass für Rusch der Blick ins Publikum wichtiger war, als das Geschehen auf der Bühne.

Der „Holy Ground“, wie die Metalheads das Festivalgelände liebevoll nennen, ist aber auch noch ein weiterer Nährboden für Rusch geworden. Gemeinsam mit Holger Hübner entwickelte er hier im „Foundation Camp“ die wohl kraftvollste Nachfolge-Organisation für die dithmarscher Wattolümpiade, die am 17 August zum allerletzten Mal stattfinden wird. Unter dem Motto „Wir werfen uns in den Dreck für den guten Zweck“ wurden im dithmarscher Watt in zwanzig Jahren über 600 000.- € erstritten, die sinnvoll für Krebsbetroffene an der Westküste eingesetzt werden. Hierfür wurde Rusch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und zum Ehrenmitglied des onkologischen Arbeitskreises der Westküstenkliniken ernannt. Der Wackener Schulterschluss soll diese Erfolgsgeschichte nun fortsetzen. Das neue Netzwerk Patientenkompetenz wurde bereits von der Stiftung LebensBlicke ausgezeichnet und wird durch zahlreiche „Botschafter“ unterstützt. Der Schauspieler Charly Hübner gehört dazu. Auch diesem Teilaspekt wird in dieser Ausstellung eine gebührende Aufmerksamkeit gezollt.

Eine Ausstellung in einem Autohaus, geht denn das ? Das war die Anfangsfrage. Gemeinsam lässt sich bei uns an der Küste offensichtlich auch Ungewöhnliches organisieren, wenn Empathie ein gemeinsamer Faktor ist.