Sandkiste

Da es sich bei diesem literarischen Projekt um einzelne Zeitsprünge in die gesamte Freimaurer-Geschichte mit all seinen skurillen, mystischen Ausformungen und farbenprächtiger Kuriosa handeln soll, eignet es sich hervorragend für eine Kapitelbildung. Dieses Konzept gibt mir die Möglichkeit, Co-Autoren oder Gast-Autoren hinzu zu bitten oder einzuladen.
Weil es bei Anthologien dieser Art ohnehin auf sehr kleine Honorar-Häppchen hinauslaufen würde, schwebt mir eine  Donation des Reinerlöses für einen karitativen Zweck vor. Beispielsweise für unsere Organisation STARK gegen KREBS e.V.


Bisher haben folgende Co-Autoren ihre Mitarbeit zugesagt:

Gerd Scherm, Jan Gaspard, Werner J. Kraftsik, Robert Matthees


Sator arepo

 

Die Hermetik des kleinen Besprechungsraumes mit der kryptischen Bezeichnung „Sator arepo“ im Hamburger Logenhaus ist vom Publikumsverkehr des Logenrestaurants wohltuend abgeschirmt. Eine wichtige Voraussetzung für alle Interviewpartner des Redakteurs des Magazins „Humus und Humanität“. Bruder Anatol Buchwald tippt die Antworten auf seine Fragen blind in sein Tablet. Er mag keine Voice-Recorder und bevorzugt alte Gewohnheiten. Er gehört einer Generation zwischen Bleisatz und Digitalisierung an, die technische Neuerungen eher den alten Routinen anpasste, als umgekehrt.

 

„Ich habe im Matrikel-Verzeichnis der Vereinigten Großlogen von Deutschland keinen Hinweis auf Eure Magic Carpet Lodge gefunden. Werdet Ihr vom Großsekretariat nicht als regulär zugelassen?“

 

„Das hat andere Gründe“, antwortet  Bruder Fabian Hansen. „Die einfachste Umschreibung wäre vielleicht, dass wir uns genehmigungstechnisch seit Jahren in einer Warteschleife befinden, die unser Logenmeister einmal mit dem Möbiusband verglich.“ Die anderen beiden Interviewpartner lachen kurz auf, wie es Eingeweihte zu tun pflegen, wenn sich eine Frage immer und immer wiederholt.

 

„Dann lasst uns gleich zum Thema kommen. Mein Interesse ist, wie ich bereits telefonisch andeutete, nicht ausschließlich redaktioneller Art. Unsere Freigärtner-Loge  „Aurora florealis“ hat aus einer Insolvenzmasse ein riesiges Areal mit beheizbaren Treibhäusern erworben. In diesen lassen sich computergesteuert die klimatologischen Voraussetzungen aller Weltregionen präzise nachbilden. Nun haben wir Lizenzen erwerben können, die uns erlauben, für Forschungszwecke auch halluzinogene Pflanzen anzubauen.“

 

„Die Importwege sind uns bestens bekannt, dafür konnten wir bislang unsere Netzwerke hervorragend instrumentalisieren. Insbesondere auf unsere niederländischen Brüder war immer Verlass. Aber diese Neuigkeit bietet natürlich auch uns völlig neue Möglichkeiten“. Schwester Gretchen Garbo stellt ein verziertes Kästchen  auf den Tisch, das Buchwald an einen Schuhkarton mit Löwenfüßchen erinnert, auf dessen Deckel zwei geflügelte Frauengestalten knien.

 

„Aber bewegt Ihr Euch damit nicht messerscharf am Rande der Legalität“? will er wissen.

„Die teilnehmenden Brüder ….“ „…. und Schwestern“ wirft Gretchen Garbo ein. „Also, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Reisen versorgen sich völlig eigenverantwortlich, bevor sie das Logenhaus betreten. Damit unterliegen sie lediglich der gesetzlichen Regelung für Eigenbedarf.“

„Es gibt also auch gemischte Logen?“ fragt Buchwald nach.

 

„Es gibt drei Magic Carpet Logen, eine rein feminine, eine maskuline und eine gemischte Loge, aber erst die männerdominierte ist bislang in sich so gefestigt, dass sie auch aktiv arbeiten kann. Die beiden anderen sind noch im Aufbau. Wir tauschen unsere Referenten und Beamten noch untereinander aus. Solch spezielle Brüder und Schwester wachsen nicht auf den Akazien“. Wieder bemüht sich Bruder Fabian Hansen, die leicht verkrampfte Stimmung etwas aufzulockern.

 

„Apropos „Die Akazie ist mir bekannt“ …, nimmt Buchwald die Steilvorlage auf. „es dürfte nur wenigen Freimaurern bekannt sein, dass auch die Akazie, die ja in der Freimaurerei eine sehr bedeutende symbolische Rolle spielt, eines der wirksamsten Halluzinogene enthält, oder?“

 

Nun meldet sich auch Rolf Auchstein zu Wort. Endlich wird das Fachgebiet des Altonaer Apothekers angesprochen. Er öffnet den schuhkartongroßen Kasten und holt einige Blätter heraus:

„Einige Akazienarten enthalten DMT. Dieses wirkt intensiv auf den visuellen Cortex des Gehirns ein und führt zu einer ausgeprägten Veränderung des visuellen Erlebens. Der Konsument bleibt sich in der Regel der Tatsache bewusst, dass er berauscht ist, und unterliegt im strengeren Sinn keinen Sinnestäuschungen, sondern extremen Formen von Pseudohalluzinationen. Höhere Dosierungen führen teils zur Wahrnehmung anderer Realitäten. Der Konsum kann zu Erlebnissen führen, die einer Nahtoderfahrung ähnlich sind.

 

„Ja, das ist uns durchaus aus der Schilderung alter Orakel und Mysterienkulte bekannt. Ich denke nur mal an die Schilderungen der Mysterien von Eleusis. Bei denen wurde nach dem Zug nach Eleusis gefastet und ein spezieller Trank, den man Kykeon nannte, zu sich genommen wurde. Ist Euch diese Rezeptur bekannt?“ Buchwald war das vielsagende Lächeln des Apothekers nicht entgangen.

 

Auchstein weicht aus: „Man hat das meist recht verschleiert dargestellt. Beim Orakel von Delphi heißt es beispielsweise: Die Pythia sitzt auf ihrem Tripod über der Erdspalte, aus der nach dem Mythos die Verwesungsgase des von Apollon getöteten Python hochsteigen. Durch die Gase verfällt sie in eine Art Trance und dient dadurch dem Apollon als Medium. Das mag man glauben oder nicht, niemand kann heute beweisen, was die Gute zuvor getrunken oder inhaliert hatte.

 

„Lasst uns bitte auch über den eigentlichen Sinn und Zweck dieser, sagen wir einmal „Reisevorbereitungen“ reden, kommt Buchwald auf sein Hauptthema zurück. Halluzinogen sind ja, wenn ich das richtig verstanden habe, lediglich als Starthilfe für die beabsichtigten Zeitreisen Eurer Logen zu verstehen? Könnt Ihr mir dazu in komprimierter Form etwas erzählen? Es wäre toll, wenn Ihr das so darstellen könntet, dass unsere lesenden Brüder das auch nachvollziehen können.“

 

Alle Interviewpartner lachen geichzeitig laut und ungehemmt auf.

„Du bist gut. Wir nehmen an vierteljährlichen Seminaren im Kloster Maulbronn oder im Freimaurergarten der Stiftung Luisenlund teil, um uns vorzubereiten. Und Du willst das mühsam Erlernte oder Angeeignete in wenigen Sätzen vermittelt erhalten?“ Fabian Hansen wirkt schon ein wenig empört. "Bitte vergiss auch nicht, dass wir nur Brüder oder Schwestern aufnehmen, die mindestens zehn Jahre dabei sind und an rituellen Meditationen spezieller Tempelarbeiten teilgenommen haben."

 

„Okay, das ist nachvollziehbar, bitte entschuldigt. Aber könnt Ihr mir vielleicht etwas zur besonderen Rolle Eurer doch sehr speziellen Arbeitstafeln sagen?“

 

„Die Arbeitstafeln sind zwar speziell für diese Zeitreisen angefertigt, aber ihre Funktionalität hängt überwiegend bis ausschließlich von der Sehweise der teilnehmenden Brüder ab“.

 

„Du meinst „Sichtweise“?

 

„Nein, keineswegs. Erinnerst Du Dich an die Bilder der Buchreihe „Magic Eye“ aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts? Es handelte sich um sogenannte Stereogramme, die ein gewisser Tom Baccei entwickelt hatte. Nicht alle Menschen sind dazu in der Lage, die 3-D-Objekte in den Magic-Eye-Bildern zu sehen. Die Hauptursache liegt dabei bei einer ungenügenden bzw. fehlerhaften Zusammenarbeit der Augen, etwa bei Sehstörungen wie dem Schielen, einer stark ausgeprägten Augendominanz oder bei einer Hornhautverkrümmung.“

Man merkt, wie sehr sich Gretchen Garbo für das Thema engagiert.

 

„Und so wurde nun also auch Eure Arbeitstafel konstruiert?“

„Ja, wir haben das große Glück, dass zu unseren Mitgliedern ein Künstler gehört, der sowohl die realistische Malerei, wie auch die Nachbearbeitung am Computer beherrscht.“ Unüberhörbarer Stolz klingt in der Stimme des Apothekers mit, dem Paten und Bürgen des genannten Bruders.

„Ihr erlernt also, diese Tafel dreidimensional zu erkennen? Ist dieses Sehtraining Bestandteil Eurer Kloster-Seminare? Und helfen Euch die Halluzinogene denn wirklich dabei?“ Buchwald überprüft mit schnellem Blick die Aufzeichnungen auf seinem Tablet.

 

„Nicht nur. Wenn wir den Blick durch die Arbeitstafel erst einmal eingestellt haben, erfassen wir auch die übrigen versammelten Personen, ja den gesamten Tempelraum auf die gleiche Weise und der jeweilige Wortbeitrag führt uns dann auf fast hypnotische Weise suggestiv und gemeinsam in die ausgewählte Zeitdimension.“

 

Die ernsten Blicke signalisieren Fabian Hansen, dass er nun bereits fast schon zuviel erzählt habe.

Buchwald hätte gern noch gewusst, ob die Namen des Logenmeisters und seines abgeordneten Stellvertreters Pseudonyme oder Echtnamen wären. Stuhlmeister Bruder Timothy Leary und Manley P. Hall klangen in seinen Ohren so überhaupt nicht hanseatisch. Aber da waren seine Gesprächspartner bereits aufgestanden und gesellten sich im Restaurant des Logenhauses zu den anderen Besuchern.


Das freimaurerische Kanonenboot

Der Laderaum für das Heizmaterial ist heiß und stickig. Als Bruder Leif Ullrich und seine beiden mitreisenden Brüder der Loge „Magic Carpet“ den Stereoblick einstellen, können sie sich gegenseitig vor Kohlestaub kaum erkennen. Bengt Erichson und Klaus Meinhardt verstauen ohne zu zögern die weißen Handschuhe und die blitzsauberen Schurze in ihren mitgeführten Umhängetaschen und schmieren sich Kohlestaub in ihre noch leicht schielenden Gesichter. So unterscheiden sie sich kaum noch von der Besatzung des freimaurerischen Kanonenbootes  „USS Baron deKalb“ und reihen sich in die Kolonne der ebenfalls, wenn auch auf völlig anderem Weg eingetroffenen Brüder.

 

Sie melden sich beim Sekretär des Kanonenbootes für den freiwilligen Kriegseinsatz auf dem Mississipi.

Allen ist bekannt, dass der Kapitän des mit schweren Stahlplatten armierten Mississipi-Steamers, der deutschstämmige Baron DeKalb, für seine Besatzung ausschließlich Freimaurer rekrutiert. Er begrüßt jeden einzelnen Neuankömmling mit maurerischem Handschlag und spricht die drei mit deutschem Akzent freundlich an:

„Ah, ich sehe schon, Ihr habt Eure Aufgabe im Heizungsraum bereits gefunden. Achtet bitte darauf, dass wir kaum noch über Kohle verfügen und rechtzeitig in Nebenarmen ankern müssen, um uns mit Brennholz zu versorgen. Es wäre fatal, wenn uns bei einem taktischen Rückzug das Heizmaterial ausgehen würde.“

 

Den Bruder Erichson weist er in die andere Richtung: „Die Munition darf auch nicht annähernd in die Nähe des Heizkessels geraten. Darauf ist ganz besonders beim hektischen Nachladen während eines Gefechtes zu achten, mein Bruder“.

Ein amerikanischer Bruder, der seine freimaurerische Kleidung gegen einen durch langen Gebrauch bereits tarnfleckigen Overall eingetauscht hat, weist die Neuankömmlinge auf wichtige Eigenheiten des Raddampfers hin:

„Durch die Stahlarmierung erhöhte sich das Gewicht unseres Steamers ganz erheblich und wir liegen nun fast zwei Fuß tiefer im Wasser. Die über dem alten Spiegel liegenden Holzplanken mussten wir mit Hanfseilen und Teer nachkalfatern, damit kein Wasser eindringen kann.

Genaugenommen ist diese Höhe nun unser Lindenblatt im Drachenblut. Und das wissen die Konföderierten ganz genau.“

 

„Wieso denn? Haben die Spione in Euren Kolonnen?“ möchte Bruder Klaus Meinhardt wissen.

„Das nicht, aber sie verfügen selbst über ein ganz ähnliches Kanonenboot. Unsere gute alte „Merrimac“, die die Konföderierten in Virginia eroberten, ist fast baugleich. Wir hätten sie zerstören sollen, bevor diese profanen Cowards sie kaperten. Sie haben sie lediglich in „CSS Virginia“ umgetauft und dann ohne Zeitverlust gegen uns eingesetzt.“

 

„Euer Kapitän oder Stuhlmeister …“ Leif Ullrich ist sichtlich unsicher, wie er den Baron deKalb anreden sollte. „… stammt er tatsächlich aus Erlangen in Deutschland?“

„Durchaus. Und wie ich an Eurem Akzent höre, stammt Ihr ebenfalls aus seiner Heimat?

„Na, nicht ganz. Hamburg liegt fast an der dänischen Grenze“. Darüber können aber lediglich die drei neuen lachen.

 

Der „einführende Bruder“, den seine Kameraden „Bob Skeleton“ nennen, weil seine dürre Erscheinung die Probleme der Bordküche am deutlichsten veranschaulicht, ergänzt seine Antwort noch kurz: „Sein Geburtsort heißt soviel ich weiß Hüttendorf. Er trat als einfacher Söldner in unseren Revolutionskrieg ein und bekleidet heute den Rang eines Generals“.

Auf dem Oberdeck fällt den drei Hamburger Brüdern das große Zirkel -und Winkel-Symbol zwischen den beiden riesigen Schornsteinen auf.

 

„Wir sind alle der Überzeugung, dass es eine gute Entscheidung unseres Kapitäns war, eine Mannschaft, die ausschließlich aus Brüdern besteht, zu rekrutieren. Eine eindeutige Hierarchie, wie wir sie aus unseren Tempelarbeiten kennen, ersetzt hier die sonst mühsam und verwirrend anzupassende Befehlsstruktur. Der Schiffskommandant hat naheliegenderweise den Rang eines Stuhlmeisters, der Bootsmaat ist der erste Aufseher und der jeweils Wachhabende wechselt schichtweise.“ Ergänzend fügt Bruder Bob noch hinzu: „Und natürlich weiß jeder, dass er sich auf einen Bruder besser verlassen kann, als auf jeden anderen Soldaten an seiner Seite.“

 

Dann begeben sich alle in den Schiffsrumpf in dem zwischen schweren Kanonen vor den Schießscharten und den Munitionskisten in der Mitte des Laderaumes eine Arbeitstafel ausgebreitet liegt. Deutlich zeichnet sich darauf die Herkunft des Stuhlmeisters ab, denn amerikanische Trestleboards sehen gänzlich anders aus.

Bereits in dieser schlüssigen Metapher erkennt Bruder Leif Ullrich, welche kosmopolitische Bedeutung hier jeder dieser amerikanischen Revolution beimisst.

Auf den beiden dicken Säulen neben dem aus Munitionskisten aufgestapelten „Altar“ mit den in Teerbuchstaben grob aufgepinselten Buchstaben „J“ und „B“ erkennen die Hamburger Brüder die beiden großen Schornsteine des Raddampfers wieder.

 

Als der kleine Rundgang auf der improvisierten Kommandobrücke des Raddampfers endet, entschlüpft es Bruder Erichson spontan angesichts der polierten Messing-Armaturen und des kunstvoll geschnitzten Ruders; „Steampunk pur!“

Dem fragenden Blick Bruder Skelletons weicht er vorsorglich aus. Auskünfte über ihre Herkunft und die Zeitreise würden hier vermutlich niemanden weiterbringen und ihre Zurechnungsfähigkeit nachhaltig infrage stellen. Daran, dass diese wunderbar nostalgische Ausstattung dem Zeitgeschmack und dem technischen Verständnis des Jahres 1863 entspricht und kaum seiner eigenen Vorliebe für nostalgisierende Steampunk-Verklärungen, hat  er einen kurzen Augenblick außer acht gelassen. Auch dürfte es diesen Begriff kaum gegeben haben.  Eine Verunsicherung dieser Art dürfte wohl an jeder Front der Welt reflexartig den Verdacht einer feindlichen Unterwanderung nach sich ziehen.

 

Drei harte Schläge, vermutlich an einen der Schornsteine, dröhnen durch das Kanonenboot. Vor jedem Einsatz nimmt Kapitän Baron DeKalb den symbolischen Hammer des Stuhlmeisters in die Hand, um seine Besatzung zu brüderlicher Besinnung aufzurufen.

 

Auf der Treppe, die in den Laderaum hinunter führt, dreht sich Klaus Meinhardt zu seinen Mitreisenden um und flüstert konspirativ: „Vergesst nicht, dass die Wirkung des Mutterkorns nach neun Stunden nachlässt und wir ohne die Bruderkette zu bilden, nicht zur Magic Carpet-Loge zurückkehren können. Übernehmt also keine Funktion, die nicht auch ein anderes Besatzungsmitglied ausführen könnte. Wir sollten uns permanent in Sichtkontakt aufhalten, also keine einsamen Landgänge und so. Okay?“.

Als alle Brüder auf improvisierten Sitzgelegenheiten, Munitionskisten, Taurollen oder Brennholzstapeln Platz genommen haben, verstummt das Gemurmel und man vernimmt das verhaltene Gestampfe der bereits vorgeheizten Maschine. Es ist laut genug, um den Stuhlmeister deutlich lauter sprechen lassen zu müssen, er muss geradezu rufen, um auch noch ganz hinten im Laderaum Gehör zu finden.

 

Abermals ertönt ein lauter Schlag, diesmal mit einem groben Hammer auf den Munitionskistenaltar geschlagen: „In Ordnung meine Brüder“.

Alle stehen auf, richten noch ein wenig die verschmutzte Bekleidung – in  den meisten Fällen eine vergebliche Mühe.

Als sich dann die Teilnehmer dieser für ein Frontgeschehen merkwürdig anachronistisch anmutenden Zeremonie mit verschränkten Armen die Hände reichen, um die auf allen Kontinenten zelebrierte Bruderkette zu bilden, fühlt es sich einen Moment an, als wären alle gemeinsam der Welt entrückt.

 

Der Stuhlmeister Baron DeKalb beginnt ein agnostisch anmutendes Standardgebet, zunächst in englischer Sprache, dann in deutscher. Deutlich hört man noch den muttersprachlichen Dialekt heraus. Auch das französische Kurzgebet hätte er sprechen können, denn seine Familie hatte viele Jahre in Frankreich verbracht, bevor sie nach Amerika auswanderte. Seine beiden Söhne schlugen dort sogar eine militärische Laufbahn ein. Er hatte es zur Bedingung gemacht, dass sie auf dem Kontinent blieben, bis die Konflikte der amerikanischen Revolution ein Ende fänden. Unvorstellbar, wenn sich die Familienmitglieder an einer Front gegenüber stehen würden. Und leider hat es solche Fälle bereits gegeben.

 

Mit einem Kopfnicken weist er andere Sprecher an, die das gleiche Gebet in ihrer jeweiligen Muttersprache aufsagen. Einen polnischen Dialekt hört Erichson heraus, einen holländischen und einen russischen. Zwei weitere kann er nicht einordnen, ist aber froh, als ein gemeinsames „Amen“ diesen Teil der Zeremonie beendet.

In dieser Andacht wird jedem der Brüder unweigerlich bewusst, weshalb man sich auf neutrale Gottes-Definitionen wie „Architekt“ oder „Baumeister aller Welten“ fast zwangsläufig einigte. Wie sonst könnte man den unterschiedlichsten Abstammungen entsprechen?

 

Als sich die Kolonnen wieder gesetzt haben, berichtet Dekalb von den wenigen verfügbaren Informationen für den bevorstehenden Einsatz.

„Wir befinden uns hier in einem Seitenarm des Mississippi, der auf dem Landwege kaum erreichbar ist. Reitende Kuriere scheiden fast völlig aus und zu Fuß sind die Strecken absurd unwegsam. Keine Nachricht würde unsere Verbündeten so rechtzeitig erreichen, dass sie noch irgendeine strategische Bedeutung hätte. Rauchzeichen erscheinen uns aus verschiedenen Gründen absurd und auf Brieftauben haben sich die Scharfschützen der Konföderierten längst erfolgreich eingeschossen. Da Bleibt dann nicht mehr viel und es ist fast ein kleines Wunder, dass uns die Nachricht über einen bevorstehenden Generalangriff im Yazoo River in der Nähe von Yazoo City durch unsere gesamte Mississippi-Flotte über ein Eingeborenen-Kanu mit nur dreitätiger Verzögerung erreichte.“

Bengt Erichson muss an die strategischen Vorteile einer satellitengestützen Kriegslogistik denken, selbst sein Handy könnte mit Google-Earth das Kriegsgeschehen entscheidend beeinflussen. Aber was nützt ein Smartphone 1863 in einer Welt ohne Internet? Die stummen Blicke seiner Mitreisenden bedeuten ihm, dass ihnen ganz ähnliche Gedanken durch die Köpfe gehen.

 

„Wir werden Seitenarme benutzen müssen, um unser Ziel zu erreichen, deren Wasserstände wir nicht kennen. Einerseits, weil sich diese ständig verändern und zum anderen auch, weil sie noch nie mit Schiffen unserer Größenordnung befahren wurde. Zudem sind sie oft so schmal, dass sie unsere Gegner geradezu dazu einladen, uns zu entern. Wir werden also die Eisenplatten, die eigentlich für Reparaturzwecke gedacht sind, an der Reeling befestigen, um unseren eigenen Schützen eine bestmögliche Armierung zu bieten. Zwei unserer leichteren Reserve-Kanonen werden auf dem Oberdeck montiert.“

 

Er schließt seine Melange aus freimaurerischem Ritual und militärischer Strategie die den Charakter aller Feldlogen zu allen Zeiten geprägt hat, indem er noch ein letztes Mal die Bruderkette bilden lässt, mit den Worten:

„Zieht nun hinaus meine Brüder, seid eingedenk Eurer Familien und Brüder, wehret dem Unrecht wo es sich zeigt, seid barmherzig und gnädig wo es nicht zu Eurem eigenen Schaden ist“.

 

Das Geräusch der Dampfmaschine wird jetzt so laut, dass man sich nur noch durch laute Zurufe und Handzeichen verständigen kann. Schwarzer Rauch steigt aus dem mächtigen Schornsteinen, die eben noch als Säulen im Laderaum-Tempel dienten. Das mächtige Schaufelrad beginnt, sich mittschiffs im Heckbereich zu drehen. Alle Brüder der Besatzung nehmen ihre Posten ein und laden Gewehre und Kanonen.

 

Fortsetzung folgt ... ... ...

On July 13, 1863 Baron De Kalb was sunk by a mine (then called a "torpedo") in the Yazoo River, one mile below Yazoo City, Mississippi.

Wikipedia Baron De Kalb

Wikipedia Mississippi River Squadron


Skylla und Charybdis

 

Liegt Skylla links Charybdis rechts bereit

was kann dem armen Erdenbürger glücken

der falsche Weg ist Meilen breit

der rechte schmäler als ein Messerrücken.

 

Ludwig Fulda

 

Der größte Freimaurertempel Hamburgs ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Einladung des stellvertretenden Stuhlmeisters der neuen Loge „Magic carpet“ durch die gemischte Loge Skylla und Charybdis  hat die beabsichtigte Signalwirkung nicht verfehlt. Manley Palmer Hall hält seine Bauriss-Zeichnung in der freimaurerischen Universalsprache Esperanto. Da aber vorhersehbar ist, dass nicht alle anwesenden Schwestern und Brüder diese noch beherrschen, läuft an der Decke über dem Altar eine sprachsynchrone Leuchtschrift in deutscher Sprache.

„Als Hieronymus Bosch um 1480 in seinen Gemälden den gesamten Surrealismus um fast ein halbes Jahrtausend vorwegnahm, musste er sich in Metaphern flüchten, um nicht auf irgendeinem Scheiterhaufen zu landen. Der Klerus stellte damals wie heute eine Bedrohung für Freigeister und Visionäre dar.“ Hall fuchtelt bei dieser Aussage mit der Faust in der Luft herum und man merkt ihm Wut und Erregung bereits im ersten Satz an. Die Aufmerksamkeit aller Anwesenden ist ihm schon mal sicher.

 

„Es gibt waghalsige Interpretationen seiner Metaphorik. Teilweise mögen sie uns absurd erscheinen, aber wie besser könnte man Wollust ausdrücken, als durch eine Kröte, die auf einem Geschlechtsteil hockt? Und welche Rückschlüsse drängen sich dann auf, wenn weitere Kröten aus Mündern entschlüpfen oder in Ohren kriechen? Richtig, dann werden eben Verdorbenheit und Obzönitäten in Gespräche eingeflochten. Einen Dudelsack nannte man nicht ohne Grund „Sackpfeife“ und der Krug mit dem Stab, das Fass mit dem Spund sind eine hervorragende Projektion für jeden Freudianer. Gott gehörten die Tiere des Tages und dem Satan die Tiere der Nacht, so grobschematisch war damals die Metaphorik, die man den Analphabeten anzubieten hatte. Der Klerus war wie avancierter. Die bleigefassten bunten Bilder in den Kirchenfenstern musste von den Menschen des fünfzehnten Jahrhunderts wie eine Beamer-Show aufgefasst werden. Paradiesische Verklärungen, Auferstehungs-Szenarien als Powerpoint für Arme und Bettler.

 

Keines der Szenarien von Hieronymus Bosch landete jemals auf einem dieser gigantischen Leucht-Panoramen. Man konkurrierte, stand deutlich genug in einem spannungsgeladenen Widerspruch. Grund genug also, sich indifferent zu verklausulieren. Ein hochanspruchsvolles surreales Versteckspiel mit Leinwand und Farbe.“

Ungewöhnlich für einen Freimaurertempel: An einer der Wände erscheinen jetzt Bildprojektionen, die eine Schwester der Loge Skylla und Charybdis auf ein Kopfnicken Halls mit weiteren Bildern bediente. Die „Versuchung des heiligen Antonius“ erschien als erstes, danach der „Garten der Lüste“.

„Bitte beachtet den Trichter, er kann empfangen oder senden, je nach Blickrichtung. Wir werden darauf zurückkommen. Aber seid achtsam. Das gleiche Symbol kann in einem veränderten Kontext seine Bedeutung auch ändern. Der keusche Schwan kann in der Nähe der Jungfrau Maria durchaus noch Keuschheit, Treue oder Reinheit bedeuten, er erhält aber auf der Fahne eines Bordells eine völlig andere Sinnhaftigkeit. „

 

An der Tempelwand erscheint jetzt zum Vergleich die „Versuchung des heiligen Antonius“ von Salvador Dali.

„Auch in seinen Bildern wirkt sich der Einfluss der katholischen Kirche aus. Daher darf es uns nicht wundern, wenn dieser sich ostentativ vom Einfluss des flämischen Künstlers Bosch auf den modernen Surrealismus distanziert und selbst vor drastischen und hämischen Herabsetzungen nicht zurückschreckt. Für Dali liegt die Hauptursache der von Bosch dargestellten Bestiarien und Monster in den kolportierten schrecklichen Verdauungsstörungen des Mittelalters, unter denen dieser seiner Meinung nach wie überliefert litt. An dieser gigantischen Diarrhoe sei er, der geniale Salvador Dali, nicht interessiert. Seine eigenen Monster würden lediglich gelegentlich durch das Übermaß an mediterranem Licht geboren.

Wer sensibel genug ist, dürfte auch hier ein gehöriges Quantum an Hoffahrt und vorauseilendem Gehorsam spüren.“ 

Dann kommt Hall zu seinem eigentlichen Thema.

„Was die Künstler in ihren gemalten Dokumentationen, so möchte ich sie gern bezeichnen, tatsächlich bewogen hat, können wir aber nur authentisch erfahren, wenn wir sie selbst fragen.“

Er lässt eine rhetorische Kunstpause lang die Stille im großen Saal wirken. Dann fährt er geschickt fort: „Bevor wir aber zu unseren Zeitreisen kommen, lasst mich bitte noch erwähnen, dass selbst das Nordbrabantische Museum in s-Hertogenbosch in seinem „Bosch Research and Conversation Project BRCP“ eine habituelle Verwendung von Halluzinogenen in den Ateliers diverser Künstler zu dieser Zeit für möglich bis wahrscheinlich erwähnt.

Selbst in den Klöstern des Mittelalters war die halluzinogene Wirkung von Nachtschattengewächsen, Pilzen und Kakteen jahrhunderte vor der synthetischen Herstellung überaus bekannt. Die bewusstseinserweiternde Verwendung in Orakeln und eleusischen Ritualen würde ja von niemand anderen, als ebendiesen Mönchen in ihren Skriptorien überliefert und vermittelt.

Man war weit entfernt davon, etwas zu maßregeln oder für anrüchig zu halten, was den Weg zwischen Buchdeckel gefunden hatte.

Man kannte durchaus auch bereits andere Rauschmittel, wie Opium, wusste aber bereits zu differenzieren und konzentrierte sich auf Halluzinogene, die eben nicht als suchterzeugend  eingestuft wurden. Aus dieser Zeit stammt übrigens der Begriff „Entheogene“, was soviel bedeutet wie „Mit Gott bewirken“. Es gab also keinerlei Gründe, weshalb Bosch Skrupel gehabt haben sollte, sich dieser fast schon gesellschaftsfähigen Mittel zu bedienen, zumal sie auch in der damaligen Heilauffassung eine nicht unbedeutende Rolle spielten.“

Auf der Projektionsfläche an der Tempelwand erscheint jetzt ein Gemälde von Abdul Mati Klarwein.

„Wir kennen den Einfluss von Mutterkornsubstanzen auf die Neurotransmitter im menschlichen Gehirn. Die Veränderungen an den Synapsen, den Knotenpunkten auf unseren Informationswegen zum kognitiven Verarbeiten, können durchaus dazu führen, dass wir Musik sehen und Bilder hören können. Wir wissen, dass wir hierfür Rezeptoren besitzen, haben aber keine Ahnung, weshalb das menschliche Gehirn diese für uns bereithält. Hormone und hirneigene Botenstoffe begünstigen rätselhafterweise diesen erweiterten Informationsfluss, ohne dass uns ein rationaler Nutzen hierfür bekannt wäre.

Genau mit dieser Frage sind wir in das Thema eingestiegen, als wir unser Loge „Magic Carpet“ gründeten. Ihr kennt unseren Stuhlmeister Bruder Timothy Leary. Seine Versuche, gemeinsam mit seinen Freunden Aldous Huxley und Allen Ginsberg eine ähnliche Loge in den vereinigten Staaten zu gründen, waren daran gescheitert, dass beide der Freimaurerei nicht so gewogen waren, wie Bruder Timothy. Er sah von Anfang an in der Hermetik einer Loge, in der brüderlichen und schwesterlichen Harmonie, in Verschwiegenheit und Vertrauen das beste vorstellbare Umfeld für seine Vorstellungen.

 

Dieser Erkenntnisweg wurde in den siebziger Jahren weltweit durch eine restriktive Gesetzgebung öffentlich und legal unmöglich gemacht. Damit verschwanden auch die erwähnten Untersuchungen und Bildanalysen in den Schmuddelbereichen und das Damoklesschwert der katholischen Kirche konnte eingesteckt werden. Ihre Rolle hatte nun eine von wenig Fachkenntnis getrübte Gesetzgebung eingenommen. Selbst der tschechische Forscher und Psychiater Stanislav Grof musste seine Untersuchungen einstellen. Dabei hatte er harmloserweise primär nachweisen wollen, dass unser Gehirn selbst in der Lage ist, unter bestimmten Voraussetzungen körpereigene Substanzen zu erzeugen, die halluzinogene Effekte erzielen können. Tanz und Ekstase, wie sie in Voodoo-Kulten praktiziert werden, führten zu diesen Erkenntnissen. Basierend auf seinen Erkenntnissen, vermutet man heute, dass die vielfach beschriebenen optischen Erscheinungen bei Nahtod-Erfahrungen auf eine Ausschüttung solcher körpereigenen Drogen zurückzuführen sind. Seit dem Korea-Krieg wird die amerikanische Arme von Psychiatern und Medizinern begleitet, deren einzige Aufgabe es ist, kurzfristig reanimierte, sterbende Soldaten nach solchen Schilderungen zu befragen. Nirgendwo sterben mehr Menschen, als in solchen Kriegen, das macht ihr Sterben statistisch in mehrfacher Hinsicht interessant. Über die aktenkundig erfassten LSD-Versuche der Army im Vietnam-Krieg werde ich in unserer eigenen Loge einen Vortrag halten.“

Manley P. Hall ist sich durchaus bewusst, dass er an dieser Stelle keinen dezidierten Fachvortrag über das Phänomen der Zeitreisen halten kann. Er schätzt die Zahl der Anwesenden auf über zweihundert. „Um alles in der Welt jetzt keine offene Fragestunde“ schießt es ihm durch den Kopf.

„Ich habe diese wenigen, aber durchaus wegweisenden Gedanken vorangestellt, damit ihr den Nährboden unserer eigentlichen Versuche verstehen lernt. Es handelt sich also keineswegs um völlig neue Wege und Bemühungen. Wir haben lediglich gelernt, fünfhundert Jahre Vorarbeit in den richtigen Kontext zu stellen. Unsere Bemühungen, Zeitreisen zu entwickeln, basierend auf dem Wunsch, zu diesen Ursprüngen zurückkehren zu können. Jede Überlieferung, ganz gleich in welcher Form, birgt die Gefahr der Interpretation. Wir wollen die absolute Authentizität und die erhalten wir nur durch die Zeitzeugen selbst.

Autosuggestion allein kann uns aber die Kenntnisse der Quantenphysik nicht ersetzen. Und an dieser Stelle setzt unser globales freimaurerisches Netzwerk ein. Unsere Suche nach WissenschaftlerInnen und ForscherInnen auf dem Gebiet der Photonen und der Quantenmechanik war erst nach vielen Jahren des Suchens wirklich erfolgreich. In Neuseeland fanden wir in einer Loge zunächst einen Bruder, der sich der Quantenkryptographie gewidmet hatte. Viele Fachmagazine hatten seine Untersuchungen und Forschungsergebnisse nicht publizieren wollen. Aber wir erhielten Kenntnis von seinen Bemühungen durch eines unserer eigenen Magazine mit dem Titel „Rough ashlar“ und dann durch ihn von einem bestehenden Netzwerk, das sich dem gleichen Thema widmete.

Gepriesen sei die Weltbruderkette !“

Jetzt sollte er vielleicht aufpassen, denn erfahrungsgemäß verliert man die Hälfte der Zuhörer, wenn man zu fachlich wird.

„Lasst mich nur kurz daran erinnern, dass Albert Einstein bereits in seiner allgemeinen Relativitätstheorie die Schwerkraft als eine Krümmung der Raumzeit durch Materie und Energie beschreibt. Demnach könne sich ein extrem starkes Gravitationsfeld, wie man sich vielleicht ein rotierendes schwarzes Loch vorstellen könnte, derartig verbiegen, dass es wie ein Möbiusband auf sich selbst zurückgekrümmt würde. Diese abstrakte Zeitkurve wäre demnach in sich selbst geschlossen. Würde man diese durchlaufen, könnte man also durchaus in die Vergangenheit reisen. Mit der Zukunft, wie wir es aus zahlreichen Science-Fiction-Filmen kennen, würde das aber nicht funktionieren. Wie könnte man etwas durchlaufen, was noch gar nicht geschehen ist? Genau an dieser Stelle trat für uns dann Albert Einstein in den Hintergrund, denn es galt vielmehr, eine Fülle von paradoxen Vorstellungen zu relativieren.

Um es kurz gefasst zu umschreiben: Unserem neuseeländischen Bruder und seinem Formenkreis, der nicht ausschließlich aus Freimauren und Freimaurerinnen besteht, ist es gelungen, den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitstheorie zu entsprechen und die Kausalkette soweit zu schließen, dass sie wesentliche Paradoxien auflösen kann und mit den bekannten Gesetzen der Quantenmechanik in Einklang steht.

Wie Ihr vielleicht wisst, veranstaltet unsere Loge „Magic Carpet“ seit einigen Monaten Seminare, in denen wir rituelle Gepflogenheiten vermitteln, die es uns ermöglichen, uns in diese Zeitschleifen zu begeben“.

„Und wie kommt Ihr dort wieder hinaus“, der Zwischenruf kommt laut aus einer der hinteren Reihen in der ein Bruder aufgestanden ist.

„Das ist selbstverständlich ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Instruktionen“ entgegnet Hall gelassen. Er hatte mit dieser Frage durchaus gerechnet. Er bemerkt die Zeitschrift mit dem Titel „Humus und Humanität“, die der Rufer dabei in der hocherhobenen Hand hält.

„Beim derzeitigen Stand unseres Wissens und unsere Erkenntnisse sind die Aufenthalte ohnehin noch zeitlich sehr begrenzt, wie sie sich auf Zerfallszeiten und Wirkdauer der erwähnten Halluzinogene beziehen.“

„Wie lange dauert demnach eine Eurer Zeitreisen?“, will eine Schwester aus einer der vorderen Reihen wissen.

„Das ist bislang noch abhängig von der Wirkdauer des verwendeten Halluzinogens, also meist 9 Stunden“.

Um einen stilvollen Schluss zu finden, lässt die Stuhlmeisterin der veranstaltenden Loge alle Teilnehmer aufstehen und in Ordnung treten. Sie ermahnt besonders eindringlich ein letztes Mal daran, dass keines der hier gesprochenen und gehörten Worte den Raum verlassen dürfe. Wer das Thema vertiefen wolle, sei herzlich zur Teilnahme an einem der erwähnten Seminare eingeladen. Auch würde einer Doppelmitgliedschaft in der neuen Loge „Magic Carpet“ ihres Wissens nichts entgegenstehen.

„Soweit kommt das noch“ grummelt der Bruder mit der Zeitschrift vor sich hin, als er als einer der ersten den Tempel verlässt.


Themenvorschläge für Co-Autoren

*Strikte Observanz
*Harry Houdini
*Feldlogen
*Saint-Germain / Carl von Hessen

*Jacob Böhme 


Links und Informationen


* Stanislav Grof über seine eigenen LSD-Erfahrungen in der Psychoanalyse. Sie trägt den Titel "Das kosmische Spiel – Spirituelle und philosophische Schlussfolgerungen aus moderner Bewusstseinsforschung." 


Das freimaurerische Kanonenboot  Quelle: Freimaurer-Wiki


* Quantenphysik erlaubt die Zeitreise. Quelle: Spektrum.de