Schimmelreiter

Kunstdrucke, Gemälde und Radierungen

Jetzt aber kam auf dem Deiche etwas gegen mich heran; ich hörte nichts; aber immer deutlicher, wenn der halbe Mond ein karges Licht herabließ, glaubte ich eine dunkle Gestalt zu erkennen, und bald, da sie näher kam, sah ich es, sie saß auf einem Pferde, einem hochbeinigen hageren Schimmel; ein dunkler Mantel flatterte um ihre Schultern, und im Vorbeifliegen sahen mich zwei brennende Augen aus einem bleichen Antlitz an.

Wer war das? Was wollte der? – Und jetzt fiel mir bei, ich hatte keinen Hufschlag, kein Keuchen des Pferdes vernommen; und Roß und Reiter waren doch hart an mir vorbeigefahren!

In Gedanken darüber ritt ich weiter; aber ich hatte nicht lange Zeit zum Denken; schon fuhr es von rückwärts wieder an mir vorbei; mir war, als streifte mich der fliegende Mantel, und die Erscheinung war, wie das erste Mal, lautlos an mir vorüber gestoben. Dann sah ich sie fern und ferner vor mir; dann war’s, als säh’ ich plötzlich ihren Schatten an der Binnenseite des Deiches hinuntergehen.

Theodor Storm

Retrospektive | Thema: Schimmelreiter

Virtueller Rundgang durch die Schimmelreiter-Ausstellung

Ungeübten Besuchern empfehlen wir den geführten Rundgang "Start guided Tour".


Kunstdrucke

Kunstdruck "Der Schimmelreiter"

Kunstdruck auf Papier im Format DIN A3 handsigniert.

Kunstdruck Schimmelreiter DIN A 3

120,00 €

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Im Februar bei dauerndem Frostwetter wurden angetriebene Leichen aufgefunden; draußen am offenen Haf auf den gefrorenen Watten hatten sie gelegen. Ein junges Weib, die dabei gewesen war, als man sie in das Dorf geholt hatte, stand redselig vor dem alten Haien: „Glaubt nicht, daß sie wie Menschen aussahen,“ rief sie;, „nein, wie die Seeteufel! So große Köpfe,“ und sie hielt die ausgespreizten Hände von Weitem gegen einander, „gnidderschwarz und blank, wie frisch gebacken Brot! Und die Krabben hatten sie angeknabbert; die Kinder schrieen laut, als sie sie sahen!“

Dem alten Haien war so was just nichts Neues: „Sie haben wohl seit November schon in See getrieben!“ sagte er gleichmüthig.

Hauke stand schweigend daneben; aber sobald er konnte, schlich er sich auf den Deich hinaus; es war nicht zu sagen, wollte er noch nach weiteren Todten suchen, oder zog ihn nur das Grauen, das noch auf den jetzt verlassenen Stellen brüten mußte. Er lief weiter und weiter, bis er einsam in der Oede stand, wo nur die Winde über den Deich wehten, wo nichts war als die klagenden Stimmen der großen Vögel, die rasch vorüberschossen; zu seiner Linken die leere weite Marsch, zur andern Seite der unabsehbare Strand mit seiner jetzt vom Eise schimmernden Fläche der Watten; es war, als liege die ganze Welt in weißem Tod.

Hauke blieb oben auf dem Deiche stehen, und seine scharfen Augen schweiften weit umher; aber von Todten war nichts mehr zu sehen; nur wo die unsichtbaren Wattströme sich darunter drängten, hob und senkte die Eisfläche sich in stromartigen Linien.

Er lief nach Hause; aber an einem der nächsten Abende war er wiederum da draußen. Auf jenen Stellen war jetzt das Eis gespalten; wie Rauchwolken stieg es aus den Rissen, und über das ganze Watt spann sich ein Netz von Dampf und Nebel, das sich seltsam mit der Dämmerung des Abends mischte. Hauke sah mit starren Augen darauf hin; denn in dem Nebel schritten dunkle Gestalten auf und ab, sie schienen ihm so groß wie Menschen. Würdevoll, aber mit seltsamen, erschreckenden Gebärden; mit langen Nasen und Hälsen sah er sie fern an den rauchenden Spalten auf und ab spazieren; plötzlich begannen sie wie Narren unheimlich auf und ab zu springen, die großen über die kleinen und die kleinen gegen die großen; dann breiteten sie sich aus und verloren alle Form.

„Was wollen die? Sind es die Geister der Ertrunkenen?“ dachte Hauke. „Hoiho!“ schrie er laut in die Nacht hinaus; aber die draußen kehrten sich nicht an seinen Schrei, sondern trieben ihr wunderliches Wesen fort.

Da kamen ihm die furchtbaren norwegischen Seegespenster in den Sinn, von denen ein alter Capitän ihm einst erzählt hatte, die statt des Angesichts einen stumpfen Pull von Seegras auf dem Nacken tragen; aber er lief nicht fort, sondern bohrte die Hacken seiner Stiefel fest in den Klei des Deiches und sah starr dem possenhaften Unwesen zu, das in der einfallenden Dämmerung vor seinen Augen fortspielte. „Seid Ihr auch hier bei uns?“ sprach er mit harter Stimme: „Ihr sollt mich nicht vertreiben!“

Erst als die Finsterniß alles bedeckte, schritt er steifen langsamen Schrittes heimwärts. Aber hinter ihm drein kam es wie Flügelrauschen und hallendes Geschrei. Er sah nicht um; aber er ging auch nicht schneller und kam erst spät nach Hause; doch niemals soll er seinem Vater oder einem Anderen davon erzählt haben. Erst viele Jahre später hat er sein blödes Mädchen, womit später der Herrgott ihn belastete, um dieselbe Tages- und Jahreszeit mit sich auf den Deich hinausgenommen, und dasselbe Wesen soll sich derzeit draußen auf den Watten gezeigt haben; aber er hat ihr gesagt, sie solle sich nicht fürchten, das seien nur die Fischreiher und die Krähen, die im Nebel so groß und fürchterlich erschienen; die holten sich die Fische aus den offenen Spalten.

Weiß Gott, Herr!“ unterbrach sich der Schulmeister; „es gibt auf Erden allerlei Dinge, die ein ehrlich Christenherz verwirren können; aber der Hauke war weder ein Narr noch ein Dummkopf.“

Da ich nichts erwiderte, wollte er fortfahren; aber unter den übrigen Gästen, die bisher lautlos zugehört hatten, nur mit dichterem Tabaksqualm das niedrige Zimmer füllend, entstand eine plötzliche Bewegung; erst Einzelne, dann fast Alle wandten sich dem Fenster zu. Draußen – man sah es durch die unverhangenen Fenster – trieb der Sturm die Wolken, und Licht und Dunkel jagten durcheinander; aber auch mir war es, als hätte ich den hageren Reiter auf seinem Schimmel vorbeisausen gesehen.


Kunstdruck "Seid Ihr auch hier bei uns?"

Kunstdruck auf Papier im Format DIN A3 handsigniert.

Kunstdruck DIN A3 "Seid Ihr auch hier bei uns?"

120,00 €

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Bald hatte er sie getragen, bald ging sie an seiner Hand; die Dämmerung wuchs allmälig; in der Ferne verschwand Alles in Dunst und Dust. Aber dort, wohin noch das Auge reichte, hatten die unsichtbar schwellenden Wattströme das Eis zerrissen, und, wie Hauke Haien es in seiner Jugend einst gesehen hatte, aus den Spalten stiegen wie damals die rauchenden Nebel, und daran entlang waren wiederum die unheimlichen närrischen Gestalten und hüpften gegen einander und dienerten und dehnten sich plötzlich schreckhaft in die Breite.

Das Kind klammerte sich angstvoll an seinen Vater und deckte dessen Hand über sein Gesichtlein: „Die Seeteufel!“ raunte es zitternd zwischen seine Finger; „die Seeteufel!“

Er schüttelte den Kopf: „Nein, Wienke, weder Wasserweiber noch Seeteufel; so Etwas gibt es nicht; wer hat Dir davon gesagt?“

Sie sah mit stumpfem Blicke zu ihm herauf; aber sie antwortete nicht. Er strich ihr zärtlich über die Wangen: „Sieh nur wieder hin!“ sagte er, „das sind nur arme hungrige Vögel! Sieh nur, wie jetzt der große seine Flügel breitet; die holen sich die Fische, die in die rauchenden Spalten kommen.“

„Fische,“ wiederholte Wienke.

„Ja, Kind, das Alles ist lebig, so wie wir; es gibt nichts Anderes; aber der liebe Gott ist überall!“

Klein Wienke hatte ihre Augen fest auf den Boden gerichtet und hielt den Athem an; es war, als sähe sie erschrocken in einen Abgrund. Es war vielleicht nur so; der Vater blickte lange auf sie hin, er bückte sich und sah in ihr Gesichtlein; aber keine Regung der verschlossenen Seele wurde darin kund. Er hob sie auf den Arm und steckte ihre verklommenen Händchen in einen seiner dicken Wollhandschuhe: „So, mein Wienke,“ – und das Kind vernahm wohl nicht den Ton von heftiger Innigkeit in seinen Worten –, „so, wärm’ Dich bei mir! Du bist doch unser Kind, unser einziges. Du hast uns lieb! …“ Die Stimme brach dem Manne, aber die Kleine drückte zärtlich ihr Köpfchen in seinen rauhen Bart.

Kunstdruck "Das Alles ist lebig, so wie wir"

Kunstdruck auf Papier im Format DIN A3 handsigniert.

Kunstdruck DIN A3 Das Alles ist lebig, so wie wir

120,00 €

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Radierungen, Handdrucke

Schimmelreiter-Farbradierung

Handgedruckt von Jens Rusch auf 300 Gramm Hahnemühle-Bütten.

Einzeln signiert und numeriert. Gesamtauflage 99 Exemplare.

Format des Motives 50 x 40 cm  auf Bütten ca.70 x 60 cm.

Nur noch wenige Exemplare vorhanden.

Schimmelreiter 50 x 40 cm Farbradierung

480,00 €

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Sonder-Edition zur Ausstellung


"Schimmelreiter"

Handsignierte Aquatinta-Radierung

Schimmelreiter

180,00 €

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Das Buch

"Der illustrierte Schimmelreiter" erschien bislang in vier vergriffenen Auflagen. Aktuell sind im Buchhandel lediglich Restauflagen verfügbar. Die Verlags-rechte liegen wieder bei Jens Rusch. Ein neuer Verlag wird gesucht.

Lizenzausgaben

Für eine inzwischen ebenfalls vergriffene südkoreanische Lizenzausgabe wurden alle Illustrationen von Jens Rusch verwendet.

Publikationen

Auf CD-Cover, in vielen Schulbuchverlagen, ja sogar auf Flaschen-etiketten nutzt man die Illustrationen des norddeutschen Illustrators.



Schimmelreiter Leinwanddruck

Leinwanddruck Format 40 x 60 cm

Schimmelreiter Leinwanddruck 40 x 60 cm

260,00 €

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Sie können jedes Ihrer Lieblingsmotive auch als hochwertige, licht-beständige Leinwand-drucke erhalten. 

Stimmen Sie Format-grössen und Sonder-wünsche bitte per mail mit uns ab:

jensrusch@gmx.de

 

Nachstehend stellen wir einige Beispiele vor.

Ausführung mit hochwertigen Latexfarben, ohne Ausdünstungen. Kinderzimmerfreundlich und von hoher Farbtreue.

Grauer Ritt am Meer

Leinwanddruck 30 x 40 cm

Grauer Ritt Leinwanddruck 30 x 40

260,00 €

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„Mein Kind! O Elke, o getreue Elke!“ schrie Hauke in den Sturm hinaus. Da sank aufs Neu’ ein großes Stück des Deiches vor ihm in die Tiefe, und donnernd stürzte das Meer sich hinterdrein; noch einmal sah er drunten den Kopf des Pferdes, die Räder des Gefährtes aus dem wüsten Gräuel emportauchen und dann quirlend darin untergehen. Die starren Augen des Reiters, der so einsam auf dem Deiche hielt, sahen weiter nichts. „Das Ende!“ sprach er leise vor sich hin; dann ritt er an den Abgrund, wo unter ihm die Wasser, unheimlich rauschend, sein Heimathsdorf zu überfluthen begannen; noch immer sah er das Licht von seinem Hause schimmern; es war ihm wie entseelt. Er richtete sich hoch auf und stieß dem Schimmel die Sporen in die Weichen; das Thier bäumte sich, es hätte sich fast überschlagen; aber die Kraft des Mannes drückte es herunter. „Vorwärts!“ rief er noch einmal, wie er es so oft zum festen Ritt gerufen hatte: „Herr Gott, nimm mich; verschon’ die Andern!“

Schon flog er vorbei

Leinwanddruck 20 x 30 cm

Schon flog er vorbei

180,00 €

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„Herr Gott, nimm mich; verschon’ die Andern!“

Leinwanddruck 60 x 60 cm

Herrgott nimm mich leinwanddruck 60 x 60 cm

340,00 €

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Weitere Motive finden Sie auf der Seite "Leinwanddrucke".


Deichabwärts

Leinwanddruck 30 x 40 cm

Deichabwärts Leinwanddruck 30 x 40 cm

240,00 €

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Winterritt

Leinwanddruck 30 x 40 cm

Winterritt 30 x 40 cm

240,00 €

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Schon sah er ...

Leinwanddruck 40 x 60 cm

Schon sah er ... Leinwanddruck 40 x 60 cm

320,00 €

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Auf dem Deich

Leinwanddruck 40 x 30 cm

Auf dem Deich Leinwanddruck 40 x 30 cm

240,00 €

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Weitere Schimmelreiter-Motive finden Sie auf der Seite "Leinwanddrucke"


Ritt über die Marsch

Leinwanddruck 30 x 40 cm

Ritt über die marsch (Sommerritt) 30 x 40 cm

240,00 €

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Winterritt (Skizze)

Leinwanddruck 40 x 60 cm

Winterritt (Skizze) Leinwanddruck

320,00 €

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Radierungen und Zeichnungen



Die Verlagsrechte

Das Buch mit den Illustrationen von Jens Rusch erschien bislang in zwei großformatigen und zwei Folio-Ausgaben.
Außerdem erschien eine fünfte Auflage in koreanischer Sprache.
Alle Ausgaben sind zur Zeit vergriffen und die Verlagsrechte liegen wieder beim Illustrator selbst. 

Wir suchen z.Zt. einen Verlag, in dessen Themenbereich unsere Schimmelreiter-Illustrationen passen.

Porcus maritimus

Die Vorstellungswelt der "wissenschaftlichen Illustratoren" der Renaissance basierte nicht wie heute auf Tiefseetauchgängen oder präziser Vivisektion, sondern eher auf Beifängen und Erzählungen.  So mag es nicht weiter verwundern, daß sich aus dem "Porcus maritimus" von Jan Jonston um 1650  weitere Wortschöpfungen wie "Schweinswal" oder "Meerschwein" entwickeln konnten. Auch die Imaginationen der Zeitgenossen unseres Hauke Haien illustrierten ihre Gedanken und Träume mit der Vorstellung geschilderter Meeresgefahren durch solche Monster. Man kann sich darunter unschwer die Vorstufe heutiger Verschwörungstheorien vorstellen.


Merchandise

Unseren Shop finden Sie hier: Schimmelreiter-Shop