Die Waran-Tanzschule

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Video: Michael Thomas Holstein , Konzept Rusch / Holstein

Waran-Tanzschule links

Ölgemälde auf Leinwand 80 x 110 cm

4.200,00 €

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Waran-Tanzschule rechts

Ölgemälde auf Leinwand 80 x 110 cm

4.200,00 €

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Waran-Tanzschulle Mittelteil

Ölgemälde auf Leinwand 80 x 150 cm

5.800,00 €

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Zur anthropologischen Tanzpädagogik der Warane –Klaus Groth als Kulturvermittler zwischen Natur und Gesellschaft

Die Darstellung eines hochgewachsenen norddeutschen Dichters, der einer Gruppe aufgerichteter Warane den Twist beibringt, mag auf den ersten Blick als humoristische Randnotiz erscheinen. Eine nähere Betrachtung offenbart jedoch ein erstaunlich dichtes Geflecht kultur-historischer Referenzen, das von der zoologischen Verhaltensforschung über die romantische Tierallegorie bis hin zur norddeutschen Literatur-tradition reicht.

Ausgangspunkt der Bildidee ist eine reale Beobachtung: Männliche Warane führen während ihrer Rivalitätskämpfe ein bemerkenswert ritualisiertes Verhalten aus. Sie richten sich auf, umklammern einander mit den Vordergliedmaßen und versuchen, den Gegner niederzuringen. Die Szene besitzt eine unerwartete Nähe zu menschlichen Tanz- oder Ringfiguren. Schon frühe Naturforscher beschrieben diese Bewegungen als „ringend“ oder „tänzerisch“.

Hier setzt die künstlerische Transformation ein.

Der Dichter Klaus Groth tritt im Bild nicht als Poet, sondern als Tanzmeister auf – als Vermittler von Kulturtechniken. Das instinktive Ritual des Reptils wird in eine pädagogische Situation überführt. Der Kampf verwandelt sich in Unterricht.

Die Tiere werden damit zu anthropomorphen Figuren in der Tradition der satirischen Tiergesellschaften des 19. Jahrhunderts. Besonders deutlich ist die Nähe zu den Bildwelten des französischen Karikaturisten Grandville, der Tiere in die Rollen von Bürgern, Musikern oder Beamten versetzte. Auch hier bleibt das Tier erkennbar Tier; gerade diese Spannung zwischen biologischer Körperlichkeit und kultureller Rolle erzeugt den eigentlichen Witz.

Der Bezug zu Klaus Groths Gedicht Lütt Matten de Hoos fügt der Szene eine weitere Ebene hinzu. In der Ballade tanzen Tiere auf den Hinterbeinen – ein scheinbar harmloses Spiel, das in einer überraschend grausamen Pointe endet. Im Gemälde wird dieses Motiv umgekehrt: Die Tiere tanzen nicht mehr aus Naivität, sondern unter Anleitung des Dichters selbst.

Man könnte daher sagen, dass das Bild einen kulturgeschichtlichen Versuch dokumentiert:

Kann Bildung den Instinkt zivilisieren?

Natürlich wäre es verfehlt, aus dieser Szene eine ernsthafte zoologische Theorie abzuleiten. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass der Waran – mit seinem langen, beweglichen Körper und seiner Fähigkeit zur aufrechten Haltung – eine gewisse tänzerische Eleganz besitzt. Dass ausgerechnet der Twist, jener rhythmische Befreiungsschlag der frühen Popkultur, zum Lehrstoff dieser ungewöhnlichen Akademie wird, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche historische Ironie.

Es wäre daher vorschnell, das Bild lediglich als humorvolle Kuriosität zu betrachten. Vielmehr eröffnet es einen bemerkenswerten Diskursraum zwischen Naturbeobachtung, literarischer Tradition und anthropomorpher Satire.

Oder, um es weniger akademisch zu formulieren:

Vielleicht zeigt das Gemälde schlicht, was passiert, wenn ein norddeutscher Dichter beschließt, einem urzeitlichen Reptil Rhythmusgefühl beizubringen.

Fortgesetzte Überlegungen zur waranischen Tanzpädagogik –

Ein Beitrag zur vergleichenden Kulturzoologie

Wenn man der Versuchung widersteht, die Szene vorschnell als humoristische Laune eines norddeutschen Malers abzutun, eröffnet sich ein erstaunlich komplexes Feld kulturwissenschaftlicher Fragestellungen. Denn das Gemälde dokumentiert – zumindest dem Anschein nach – eine pädagogische Situation, in der ein Vertreter der menschlichen Hochkultur versucht, ein urzeitliches Reptil mit den Regeln eines populären Gesellschaftstanzes vertraut zu machen.

Dieser Vorgang kann, je nach theoretischem Standpunkt, als frühes Beispiel einer interartikulären Kulturvermittlung gelesen werden.

Die Rolle Klaus Groths ist dabei bemerkenswert vielschichtig. Einerseits erscheint er als klassischer Tanzlehrer: hochgewachsen, asketisch, mit jener leicht strengen Gestik, die in historischen Tanzschulen traditionell mit pädagogischer Autorität verbunden ist. Andererseits tritt er zugleich als literarische Figur auf – als Autor des Gedichts Lütt Matten de Hoos, in dem Tiere bereits eine bemerkenswerte Bereitschaft zur Teilnahme an kulturellen Praktiken zeigen.

Das Gedicht schildert bekanntlich einen Tanz, der tragisch endet. Im Gemälde hingegen wird diese Entwicklung gewissermaßen rückgängig gemacht. Die Tiere tanzen weiterhin auf den Hinterbeinen, doch der Ausgang ist diesmal nicht fatal, sondern didaktisch strukturiert. Man könnte daher von einer Revision der literarischen Vorlage sprechen.

Die Warane selbst nehmen eine ambivalente Stellung ein. Zoologisch gehören sie zu den ältesten noch lebenden Reptilienlinien, deren Körperbau seit Millionen Jahren erstaunlich stabil geblieben ist. In der Bildkomposition erscheinen sie jedoch nicht als Relikte einer archaischen Welt, sondern als erstaunlich aufmerksame Tanzschüler.

Hier zeigt sich ein interessantes Paradox:

Je reptilienhafter die Körper der Tiere wirken, desto überzeugender erscheint ihre Teilnahme an einer menschlichen Kulturtechnik.

Diese Beobachtung erinnert an die anthropomorphen Bildwelten des 19. Jahrhunderts, insbesondere an jene des französischen Zeichners Grandville. Auch dort entstehen komische Effekte nicht dadurch, dass Tiere vollständig vermenschlicht werden, sondern dadurch, dass sie ihre tierische Anatomie behalten, während sie gleichzeitig menschliche Tätigkeiten ausführen.

Das Gemälde führt diese Tradition auf bemerkenswerte Weise fort. Die Warane bleiben eindeutig Warane: ihre Schuppen glänzen, ihre Schwänze stabilisieren die Körperhaltung, und ihre Bewegungen besitzen jene leicht unbeholfene Kraft, die aus naturkundlichen Beobachtungen bekannt ist. Dennoch entsteht der Eindruck eines regelrechten Tanzunterrichts.

 

Die Tafelzeichnungen im Hintergrund des Bildes scheinen diese Hypothese zu unterstützen. Sie erinnern an die Bewegungsstudien der frühen Chronofotografie und lassen vermuten, dass der Unterricht nach einem klar strukturierten Lehrplan erfolgt. Der Betrachter sieht sich somit mit der Möglichkeit konfrontiert, dass es sich bei der dargestellten Szene um einen methodisch geplanten Versuch handelt.

Ob dieser Versuch erfolgreich war, lässt sich aus dem Bild allein nicht mit Sicherheit bestimmen. Einige Warane wirken ausgesprochen engagiert, andere scheinen noch mit der Koordination ihrer Gliedmaßen beschäftigt zu sein. Doch vielleicht liegt gerade darin der eigentliche Reiz der Darstellung: Sie zeigt einen Moment des Übergangs, in dem Instinkt und Kultur ein überraschendes Bündnis eingehen.

Aus kunsthistorischer Sicht bleibt daher festzuhalten, dass das Gemälde nicht nur eine humorvolle Episode der norddeutschen Literatur illustriert. Es dokumentiert vielmehr eine experimentelle Begegnung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Bewegungsformen – der archaischen Körperlichkeit eines Reptils und der rhythmischen Choreografie eines Gesellschaftstanzes.

 

 


Tango Largarto

Diese Radierung fertigte Jens Rusch Mitte der Neunziger Jahre in seinem Atelier in Callossa de Ensarria an. Die bemerkenswerten rituellen Paarungskämpfe der Warane hatten ihn ganz einfach an eine Tango-Tanzposition erinnert.
Den Gedanken bewahrte verwahrte er sich über ein Vierteljahrhundert und entdeckte weitere bemerkenswerte Wesensübereinstimmungen mit Grandville und anderen Künstlern, die das menschliche im Tier und das tierische im Menschen in ihre Bilder einfließen ließen. Daraus entstand sein Buch "Gemalte Tierversuche".  2026 wurde die Idee neu erweckt, durch eine etwas genauere Betrachtung des Gedichtes "Lütt Matten de Hoos" von Klaus Groth wärend der erneuten Arbeit an der Auseinandersetzung mit Arno Schmidts Verehrung für den norddeutschen Dichter.